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Herkulesaufgabe wartet in der Abstiegsrunde

Herkulesaufgabe wartet in der Abstiegsrunde

Herkulesaufgabe wartet in der Abstiegsrunde

Hadersleben/Haderslev
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Stefan Gartenmann setzt sich durch. Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

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Die Optimisten freuen sich. SønderjyskE ist nun schon seit drei Spielen ungeschlagen. Die Pessimisten sehen den drohenden Abstieg aus der Superliga immer näher rücken. Die Realisten sehen eine SønderjyskE-Mannschaft, die im Abstiegskampf auf der Stelle tritt und in der Abstiegsrunde eine Aufholjagd hinlegen muss.

Es war wieder einmal eine vertane Möglichkeit für die SønderjyskE-Fußballer, die seit September auf einen Sieg in der Superliga warten und das dringend benötigte Erfolgserlebnis auf die Aufstiegsrunde verschieben mussten, obwohl sie über 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft waren.

Auf der anderen Seite stand eine Randers-Mannschaft, die an diesem sonnigen Nachmittag nach einer langen Saison mit Europapokal-Teilnahme und dem Erreichen der Top 6 geschlaucht wirkte und hätte bezwungen werden müssen. Es sprang ein 1:1 heraus, das sich eher wie ein Punktverlust als ein Punktgewinn anfühlte.

„Die Enttäuschung ist größer als die Freude über den einen Punkt“, sagt SønderjyskE-Trainer Henrik Hansen, der aber weiterhin mit viel Zuversicht in die zehn Spieltage der Abstiegsrunde geht. Und das, obwohl der Rückstand auf OB und FC Nordsjælland auf den Nicht-Abstiegsplätzen acht Punkte beträgt: „Ich bin ein ewiger Optimist, und ich finde auch, dass der Optimismus nicht unbegründet ist. Das waren unsere besten 90 Minuten bisher. In der ersten Halbzeit waren wir klar besser, in der zweiten war es ausgeglichener. Uns fehlt noch, dass wir die Spiele über die letzte Grenze bringen und gewinnen. Ich habe aber das Gefühl, dass wir sehr nah dran sind. Zehn Spiele stehen noch aus. Das ist eine okaye Anzahl. Unsere Aufgabe ist es, Siege zu holen und andere Mannschaften mit in den Abstiegskampf zu zerren.“

Duplexe Tchamba machte erneut ein starkes Spiel. Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

Der Tabellenletzte ist seit 13 Superliga-Spielen ohne dreifachen Punktgewinn und kann zum Abschluss der regulären Saison auf eine Spielzeit ohne Auswärtssieg zurückblicken. Lediglich drei Punkte sind nach Unentschieden in Silkeborg, Viborg und Farum in fremden Stadien herausgesprungen. Im Sydbank Park hat es neben den Siegen gegen Vejle und Brøndby Unentschieden gegen Viborg, FC København, OB und Randers gegeben.

Die Zuschauer scheinen die Hoffnung im Abstiegskampf bereits aufgegeben und der eigenen Mannschaft den Rücken gekehrt zu haben. 2.746 waren es gegen AGF und 2.673 gegen OB, davon mehr als 1.000 aus Aarhus und rund 800 aus Odense.

Gegen Randers kamen an einem sonnigen Sonntagnachmittag lediglich 2.411 Zuschauer ins Stadion. Das ist mehr als enttäuschend und zumindest weit von den 6.000 im Schnitt, die SønderjyskE in der neuen Strategie anpeilt.

In der Strategie spielt auch die Unterhaltung eine große Rolle. Die fehlte über weite Strecken in der ersten Halbzeit, wo die tonangebende SønderjyskE-Mannschaft die Überlegenheit nicht umsetzen konnte.

 

Stefan Gartenmann freut sich über sein Tor des Jahres. Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

In den entscheidenden Situationen fehlte die Cleverness und die Kaltschnäuzigkeit, nicht zuletzt bei Peter Buch Christiansen. Der Haderslebener traf bezeichnenderweise zweimal alleine vor Patrik Carlgren die falsche Entscheidung. Der SønderjyskE-Stürmer hätte den Ball einfach am weit aus seinem Strafraum herausstürmenden Randers-Torwart vorbeispitzeln müssen, gab aber dem Schweden die Chance, den Ball zu spielen. Sonst wäre er vom Platz geflogen. Bei seiner zweiten Möglichkeit legte Christiansen sich den Ball zu weit vor.

Die Unterhaltung lieferte dann Stefan Gartenmann mit einem spektakulären Fallrückzieher, die nach einer Stunde die Führung bedeutete. Schon einmal hatte er mit einem Fallrückzieher das Tor des Jahres im Sydbank Park erzielt. Im September 2018 hatte seine artistische Einlage zur 1:0-Führung auch nur zu einem 1:1-Unentschieden gegen Hobro gereicht. So auch diesmal, denn nur vier Minuten später leistete sich Emil Kornvig ungestüm ein Foul im eigenen Strafraum.

„Es ist frustrierend, denn wir haben das Gefühl, dass unsere Leistung gut genug war, um drei Punkte zu holen. Wir müssen auch mal den Sack zumachen, wenn wir vorne liegen“, ärgert sich Stefan Gartenmann. „Wir müssen immer wieder einen Nackenschlag einstecken. So war es auch in Farum, als wir mit einem guten Gefühl in der Kabine saßen und sofort das Gegentor kassiert haben.“

 

Julius Eskesen kam nach längerer Verletzungspause wieder zum Einsatz. Foto: Frank Cilius/Ritzau Scanpix

Der Abwehrchef hat die Zuversicht aber noch nicht verloren und glaubt an die Chance, den Acht-Punkte-Rückstand in der Abstiegsrunde wettzumachen.

„An den Leistungen gemessen haben wir die Mannschaft, die Energie und die Qualität, die Spiele zu gewinnen. Ich glaube, der erste Sieg würde weitere Siege auslösen. Wir müssen in der Abstiegsrunde aber viele Spiele gewinnen, denn die Konkurrenten stehen sich ja auch ständig gegenüber“, so Stefan Gartenmann.

Es wartet auf SønderjyskE eine Herkulesaufgabe in der Abstiegsrunde.

 

SønderjyskE - Randers FC (0:0) 1:1

1:0 Stefan Gartenmann (60.), 1:1 Stephen Odey (Elfmeter/64.).

SønderjyskE: Lawrence Thomas – Maxime Soulas, Stefan Gartenmann, Duplexe Tchamba – Emil Holm (73.: Kristofer Kristinsson), Nicolaj Thomsen (70.: Rasmus Vinderslev), Mads Albæk, Marc Dal Hende – Emil Frederiksen (70.: Julius Eskesen), Peter Buch Christiansen (82.: Isak Steiner Jensen), Emil Kornvig.

Randers: Patrik Carlgren – Björn Kopplin, Simon Piesinger, Simon Graves, Oliver Bundgaard – Vito Hammershøj-Mistrati (82.: Nicolai Brock-Madsen), Lasse Berg Johnsen, Frederik Lauenborg – Tosin Kehinde (90.: Filip Bundgaard), Stephen Odey, Jakob Ankersen (71.: Tobias Klysner).

Gelbe Karten: Emil Holm (im nächsten Spiel gesperrt), Maxime Soulas, Stefan Gartenmann – Björn Kopplin, Simon Graves.

Schiedsrichter: Mikkel Redder. VAR-Schiedsrichter: Anders Poulsen. 

Zuschauer: 2.411.