Eishockey

Simioni will blaues Herzblut sehen

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Woyens/Vojens
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Foto: Karin Riggelsen

Der 55-jährige Italo-Kanadier steht bei SønderjyskE ein zweites Mal vor einem Neuaufbau.

Mario Simioni ist wieder dort zurück, wo er die größten Erfolge seiner Trainerkarriere gefeiert hat. SønderjyskE hat die Verpflichtung des Meistermachers bestätigt und den 55-jährigen Italo-Kanadier mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet.

Simioni wird offiziell am 1. Juli seinen Dienst antreten, wird aber in den kommenden Wochen mit Sportchef Kim Lykkeskov in engem Kontakt stehen, um den Kader für den Neuaufbau zusammenzustellen. Der Erfolgstrainer steht vor einem Scherbenhaufen, wie schon damals im Dezember 2004, als er das erste Mal bei SønderjyskE den Trainerposten übernahm.

„Als ich das Team das letzte Mal übernahm, stand sie auf dem neunten Tabellenplatz. 14 Jahre später ist das Team wieder dorthin zurückgekehrt. Das hat keiner so kommen sehen. Es ist ein kompletter Neuaufbau, und es liegt jede Menge Arbeit vor uns“, sagt Mario Simioni im Gespräch mit dem Nordschleswiger.

Er ist sich bewusst, dass mit seiner Rückkehr die Erwartungshaltung steigen wird, aber die Zeiten haben sich geändert und sind nicht mehr so wie vor drei Jahren, als nach drei Meistertiteln in Folge von Sponsorenseite schon Ticketbestellungen für das Finale bei Direktor Klaus Rasmussen zur Tür reinflatterten.

„Die Erwartungen sind in Woyens immer groß, aber die SønderjyskE-Fans müssen verstehen, dass der Erfolg nicht einfach zurückkehren wird, nur weil ich an der Bande stehe. Man darf keine Wunder erwarten, aber man darf ein hart arbeitendes Team erwarten, das Blut, Schweiß und Tränen vergießen wird. Davon habe ich in der abgelaufenen Saison nicht all zu viel gesehen. Ich habe stattdessen einige Primadonnen und zu viel Stargehabe auf dem Eis gesehen. Die Einstellung muss sich ändern, und ich will von Saisonbeginn an Playoff-Hockey sehen, wo man sich in die Schüsse hineinwirft“, sagt der Italo-Kanadier, der insbesondere mehr von den einheimischen Spielern verlangen wird: „Gestandene Liga-Spieler wie Steffen Frank, Mads Lund, Rasmus Nielsen, Daniel Galbraith und auch ein Daniel Kønig, obwohl er noch relativ jung ist, müssen sich mehr einbringen, da ist noch mehr rauszuholen. Sie müssen mehr Verantwortung übernehmen. Ich habe nicht genug blaues Herzblut gesehen, und das will ich künftig sehen.“

Das beste Beispiel für die Einstellung, die er sehen will, bekleidet mittlerweile den Sportchef-Posten.

„Kim Lykkeskov ist der professionellste Eishockey-Spieler, den Woyens jemals hervorgebracht hat. Er hat es vorgelebt, was ich an Attitüde, Siegermentalität, Arbeitsmoral und Leidenschaft sehen will. In dieser Angelegenheit sind Kim Lykkeskov, Klaus Rasmussen und ich alle auf einer Linie“, sagt Mario Simioni, der keinen einfachen Neuaufbau erwartet, denn SønderjyskE muss nach dem vorzeitigen Playoff-Aus den Gürtel enger schnallen: „Der Etat wird in der kommenden Saison kleiner sein als er in der noch laufenden Saison schon war. Wir müssen neu aufbauen und viel Arbeit investieren, die richtigen Spieler zu finden.“

Von der Seitenlinie aus konnte er betrachten, wie das dänische Eishockey-Flaggschiff des letzten Jahrzehnts plötzlich am Tabellenende herumkrebste.

„SønderjyskE hätte auf Jahre hinaus ein Top-Team bleiben können. Vieles ist schief gelaufen, aber es wäre zu einfach, die Schuld alleine auf Dan Ceman zu schieben. Es gab tonnenweise Verletzte, und mit den Leuten, die fehlten, wäre es für jeden Trainer unmöglich gewesen, in die Top 4 einzuziehen. Wenn man die Pferde nicht hat, kann man auch keinen Erfolg haben“, so Simioni, der gerne seinen Vertrag in Frederikshavn erfüllt hätte, aber in der vergangenen Woche nach dem Viertelfinal-Aus entlassen wurde: „Wenn der Klub nach dem Playoff-Aus alle acht Legionäre wegschickt, wieso liegt die Schuld dann nur beim Trainer? Ich wundere mich. Das war nach vielen Jahren meine erste Saison ohne eine Medaille. Todd Bjorkstrand hat eine goldene mehr als ich, aber ich denke von der Anzahl der Medaillen hat in der dänischen Liga kein anderer jemals mehr als ich geholt.“

Nach drei Spielzeiten ohne Medaille ist bei den SønderjyskE-Fans der Erfolgshunger groß, doch zu einer Medaille ist der Weg noch weit.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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