Coronavirus

Alkoholtest ohne Sicherheitsabstand an der Grenze

Alkoholtest ohne Sicherheitsabstand an der Grenze

Alkoholtest ohne Sicherheitsabstand an der Grenze

Nordschleswig/Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Grenzübergang Krusau
Kontrolle am Grenzübergang Krusau (Archivfoto) Foto: Karin Riggelsen

Pendler berichten erneut über fehlenden Sicherheitsabstand bei Grenzkontrollen. Die Polizei will sicherstellen, dass Richtlinien eingehalten werden.

Grenzpendler befürchten, dass die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze zur Verbreitung des Coronavirus beitragen könnten.

Sie erleben nämlich wiederholt, dass Grenzbeamte zu nahe herantreten oder mit denselben Handschuhen einen Personalausweis nach dem nächsten kontrollieren.

Karl-Heinz Smektala aus Ausacker bei Flensburg wurde sogar von dänischem Grenzpersonal ein Alkoholtest direkt vor die Nase gehalten.

„Mir wurde ein Gerät direkt vor das Gesicht gehalten, und ich dachte zunächst, dass es zum Messen der Temperatur war. Daher wollte ich es nehmen, aber der Beamte gab mir zu verstehen, dass ich hineinpusten sollte", erzählt Smektala, der seit 25 Jahren täglich zur Arbeit über die Grenze pendelt.

„Ich wollte das Gerät wieder nehmen, aber er sagte, ich soll hineinpusten, während er es hält. Da war ich erst einmal fassungslos."

„Ich weiß ja zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich Corona habe, und nun sollte ich direkt in den Raum pusten, wo die Beamten saßen. Aber ich musste es ja tun", sagt Smetkala, der gleichzeitig deutlich macht, dass er Anhänger der Grenzkontrollen ist.

Handschuhe werden nicht gewechselt

Auch ein anderer Berufspendler erlebt, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten werden.

„Uns wird empfohlen, uns zu schützen und einen unnötigen Kontakt zu anderen Personen zu vermeiden! Da frage ich mich, was es überhaupt für einen Sinn ergibt, wenn sich die Staatsmacht jeden Tag dieselben Personen zur Kontrolle rauszieht und mit ihren Handschuhen, mit denen sie unzählige Personen, Personalien, Führerscheine, ja zum Teil auch von mir kurz wahrgenommene Vollkontrollen von Kleintransportern durchführen und so die Gesundheit aller Bürger gefährden, die ihrer Arbeit nachkommen wollen oder auch müssen", schreibt der Mann, der anonym bleiben möchte, dem „Nordschleswiger". Bereits vergangene Woche konnte „Der Nordschleswiger" berichten, ein Grenzpendler habe beobachtet, dass die Beamten bei den Kontrollen sehr nah an die Autoscheibe treten.

Polizei: Richtlinien sollen eingehalten werden

Bei der Reichpolizei zeigt man sich überrascht über die Informationen.

„Ich bedauere, das zu hören, denn wir wollen eine Verbreitung der Ansteckung nach Möglichkeit verhindern", erklärt der Kommunikationsdirektor bei der Reichspolizei, Anders Frandsen, als „Der Nordschleswiger" ihn mit den Informationen konfrontiert.

Frandsen erklärt, es seien genaue Richtlinien ausgearbeitet, die bedeuten, dass das Personal an der Grenze Abstand halten und die Handschuhe möglichst häufig wechseln soll. Die Richtlinien sind auf sogenannten ,Actioncards' festgehalten. Nun will er sicherstellen, dass die Richtlinien auch eingehalten werden.

„Wenn das nicht optimal funktioniert, will ich das mit zurücknehmen, um zu untersuchen, wie das besser funktionieren kann", sagt Frandsen weiter.

„Müssen manchmal näher herantreten"

Bei der Polizei vor Ort versichert man, dass man die Richtlinien einhalte.

„Die Polizei hält grundsätzlich die Abstandsregeln der Gesundheitsbehörde ein. Wenn es wegen unserer Rolle als Behörde und unserer Arbeit notwendig ist, näher als zwei Meter heranzutreten, dann muss die Polizei dies natürlich tun, um ihre Aufgabe zu lösen", sagt Polizeiinspektor Brian Fussing, Abteilung für Ausländerkontrolle der Polizei (UKA Vest), Polizei von Südjütland und Nordschleswig, in einer schriftlichen Stellungnahme.

„Ebenso sind wir uns sehr bewusst, dass wir keine Quelle zur Ausbreitung der Infektion mit dem Coronavirus sein dürfen – ganz in Übereinstimmung mit den Regeln der Gesundheitsbehörde."

„Rein praktisch bitten wir die Personen, die kontrolliert werden, uns ihren Pass oder andere Ausweise hinter der Autoscheibe zu zeigen. Aufgrund einer konkreten Einschätzung kann es jedoch notwendig sein, dass der Beamte das Dokument in die Hand nimmt, um es näher zu untersuchen. Bei diesen Situationen benutzen die Beamten entweder Handschuhe oder sie desinfizieren die Hände mit Spiritus."

Seitens der Gesundheitsbehörde sieht man keinen Bedarf, einzugreifen.

„Ich fühle mich sicher, dass die Polizei ihre Richtlinien umsetzen wird. Aber selbstverständlich stehen wir mit gesundheitsfachlicher Beratung zur Verfügung, falls die Polizei dies wünscht", erklärt Søren Brostrøm, Direktor der Gesundheitsbehörde/Sundhedsstyrelsen.

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