Kommunalwahl

Trotz Popp-Krise: Schleswigsche Partei steuert in Tondern auf Erdrutschsieg zu

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Jørgen Popp Petersen hat bei einer Krisensitzung im September dem Stadtrat über die Vorfälle auf seinem Hof berichtet.

Mit Bürgermeister Jørgen Popp Petersen als Zugpferd könnte die SP ihre Stimmenzahl in der Westküstenkommune verdoppeln. Das zeigt eine Umfrage, die am Mittwoch veröffentlicht worden ist. Die Affäre um Popps Schweinezuchtbetrieb hat der Partei nicht geschadet.

Die Schleswigsche Partei (SP) kann bei der Kommunalwahl am 18. November in Tondern mit deutlichem Abstand stärkste Kraft werden. Das zeigt eine Umfrage, die Epinion für „Dit valg. Vores Danmark“ durchgeführt hat – eine Initiative des „Constructive Institute“ in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Fonds.

Mit 26,6 Prozent der Stimmen würde sie doppelt so viele bekommen wie vor vier Jahren. Allerdings müssen Bürgermeister Jørgen Popp Petersen und sein Team sich im Wahlkampf noch kräftig ins Zeug legen, damit dieses Traumergebnis Wirklichkeit wird. Fast die Hälfte der Befragten, 44 Prozent, gibt an, dass sie wählen werden, sich aber noch nicht entschieden haben, wem sie ihre Stimme geben.

Vorwürfe gegen Popp haben SP vorläufig nicht geschadet

Epinion hat die Umfrage weitgehend durchgeführt, nachdem die Affäre um Popps Schweinezuchtbetrieb bekannt geworden war. Diese scheint somit keinen negativen Effekt auf die Zustimmung für die SP gehabt zu haben.

Am 5. September berichtete „TV2“, dass die Nahrungsmittelbehörde den Tondern-Bürgermeister achtmal wegen Übertreten des Tierschutzgesetzes bei der Polizei angezeigt hat. Epinion hat die Umfrage im Zeitraum vom 4. September bis zum 13. Oktober durchgeführt und bestätigt dem „Nordschleswiger“, dass nur eine unbedeutende Anzahl Antworten vor dem 5. September eingegangen ist.

Neue Aufnahmen aus Popps Stall

Offen ist jedoch, wie die unentschlossenen Wählerinnen und Wähler auf die Vorwürfe wegen Verstöße gegen den Tierschutz reagieren werden. „JyskeVestkysten“ hat am 9. Oktober Videos und Bilder veröffentlicht, die ein ehemaliger Angestellter in Popps Schweinezuchtbetrieb aufgenommen hat. Sie zeigen unter anderem Ferkel und Sauen mit Wunden und Verletzungen. Nach Informationen der Zeitung wurden sie nach der jüngsten Anzeige im November 2024 aufgenommen.

Eine mögliche Wirkung dieser Aufnahmen hat die Umfrage kaum erfasst. Epinion hat sie am 10. Oktober abgeschlossen und „JydskeVestkysten“ den Artikel am 9. Oktober veröffentlicht. Da fast die Hälfte der Wählerschaft noch nicht entschieden hat, wo sie ihr Kreuz machen wird, kann es bei der Wahl im Verhältnis zur Umfrage noch zu erheblichen Verschiebungen kommen.

Bürgermeisteramt entscheidet sich erst in der Wahlnacht

Sollte das Wahlergebnis der Umfrage entsprechen, würde das laut einer Berechnung des „Nordschleswigers“ bedeuten, dass die SP neun Mandate erringen kann. Damit wäre jedoch bei weitem noch nicht gegeben, dass Jørgen Popp Petersen erneut Bürgermeister wird. Die SP wird nämlich laut den Berechnungen mindestens zwei weitere Parteien benötigen, um auf eine Mehrheit von 16 Stadtratsmitgliedern zu kommen.

Die Dänische Volkspartei und die Sozialistische Volkspartei haben nach einer Krisensitzung im Stadtrat im September mitgeteilt, dass sie das Vertrauen in Popp Petersen verloren haben. Auch die Sozialdemokratie sah ihn weiterhin „auf unsicherem Boden“.

Laut Umfrage würde die Sozialdemokratie an zweiter Stelle landen und bekäme vermutlich fünf Mandate; Venstre auf dem dritten Platz hätte vier Sitze. 

Wahlsieg reichte für Bürgermeisterposten nicht aus

Die Wahl vor vier Jahren zeigt, dass selbst ein überzeugender Wahlsieg nicht den Bürgermeisterposten sichert. Die Tønder Liste wurde mit 29,0 Prozent deutlich stärkste Kraft. Eine Reihe von anderen Parteien war jedoch mit deren Spitzenmann, dem damaligen Bürgermeister Henrik Frandsen, unzufrieden. Daher konnte die SP in der Wahlnacht eine Mehrheit für Popp Petersen schmieden. 

Laut der Umfrage würde Tønder Listen bei ungefähr 10 Prozent landen (siehe Infobox). Da Epinion jedoch lediglich nach Lokallisten allgemein und nicht nach den konkreten Namen gefragt hat, ist nicht auszuschließen, dass sie unterbewertet wird.

Die statistische Unsicherheit der Umfrage liegt je nach Partei zwischen 0,5 und 3,9 Prozentpunkten. Für die SP bedeutet dies, dass ihr Umfrageergebnis zwischen 22,7 und 30,5 Prozent liegt. 

Lokallisten

Die Lokallisten bekommen in Tondern 10,3 Prozent in der Umfrage, die Epinion für ‚Dit valg. Vores Danmark‘ durchgeführt hat. Neben der Tønder Liste betrifft das die Wohlfahrtsliste (Velfærdsliste) von Ex-Sozialdemokratin Barbara Krarup Hansen. Diese dürfte jedoch nur einen minimalen Stimmanteil erzielen.