Tourismus

„Einige versuchen, Sand ins Getriebe zu werfen“

„Einige versuchen, Sand ins Getriebe zu werfen“

„Einige versuchen, Sand ins Getriebe zu werfen“

Röm/Rømø
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Für die Kommune Tondern ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. Foto: Karin Riggelsen

59 Prozent der Mitglieder des Fremdenverkehrsvereins Röm/Tondern votieren für eine Zusammenarbeit mit den drei nordschleswigschen Kommunen. Für den Vorsitzenden Martin Iversen ist dies ein klares Votum, die engere Kooperation mit den Kommunen Esbjerg und Fanø abzulehnen.

Für Martin Iversen, Vorsitzender des Touristikvereins Röm/Tondern, haben dessen Mitglieder deutlich Farbe bekannt. Bei einer elektronischen Befragung haben sich 59 Prozent der etwa 100 Mitglieder für eine Weiterarbeit mit den drei anderen nordschleswigschen Kommunen ausgesprochen. 36 Prozent würden die neue Destinationszusammenarbeit mit den Wattenmeer-Kommunen Esbjerg und Fanø vorziehen, während fünf Prozent meinten, weder die Nord- noch die Ostlösung wählen zu wollen.

Delegation war sich fast bis zum Schluss einig

Für Iversen also ein klares Votum zugunsten des nordschleswigschen Modells. Für diese Lösung hatte sich auch die sechsköpfige Delegation des Touristikvereins bis zuletzt einstimmig ausgesprochen, bevor ein Mitglied in der vergangenen Woche überraschend einen Rückzieher machte und die Fahnen wechselte.

„Wir haben die Entscheidung weder in die Länge gezogen noch in die Ost-Richtung gedreht oder gar beeinflusst“, unterstreicht Iversen, dem die laufenden Verdächtigungen auf die Nerven gehen. Er sieht in diesem Vorgehen ganz klar politische Gründe, um Sand ins Getriebe zu werfen. „Die Delegation hat seit dem Auftrag, den wir vom Ökonomieausschuss bekamen, seriös, hart und viel gearbeitet und verhandelt. Es ist ein Hohn gegenüber unserer Branche, dass wir so behandelt werden. Mehrere Mitglieder haben mich heute angerufen und vertreten eine entsprechende Meinung.“

Der breite Strand lockt viele Gäste nach Röm. Foto: Karin Riggelsen

In die Diskussion sei leider richtig viel Politik gemischt. „Erst wollte man uns zwingen, dem aufgelösten Wachstumsrat beizutreten, und dann wurden Fanø und Esbjerg von politischer Seite schon im Voraus versprochen, dass sich Tondern der neuen Destinationsgesellschaft anschließen würde.“

Letzeres geht auf das Konto von Bürgermeister Henrik Frandsen. Er hatte bei Gesprächen mit seinen Amtskollegen, ohne die Zustimmung des eigenen Stadtrats zu haben, eine Zusage gegeben. Von seinen Kollegen wurde er daher zurückgepfiffen.

Will man uns an der Nase herumführen?

Martin Iversen, Vorsitzender des Touristikvereins Röm/Tondern

Nun hat Frandsen die Touristiker zu einem Treffen mit dem Stadtrat eingeladen. „Eine Einladung dazu habe ich aber noch nicht bekommen. Will man uns an der Nase herumführen oder was passiert hier?“, ärgert sich Iversen.

Kein Stück vom Millionenkuchen

Aus der Staatskasse fließen für neue Destinationseinheiten 40 Millionen Kronen, von denen Röm/Tondern nichts abbekommen würde. Das Feld soll auf 98 Kommune verteilt werden. Rund gerechnet sind das 400.000 Kronen. „Auf die müssen und können wir verzichten. Schließlich ist unser Gewerbe eines der wichtigsten und ausbaufähigsten der Kommune Tondern“, erklärt Iversen. Bekanntlich haben Fanø und Esbjerg schon die Zusammenarbeit gestartet.

Besonders Feriengäste aus Deutschland lieben wie die Einheimischen den breiten Strand auf Röm. Foto: Karin Riggelsen

Warum hast du für die nordschleswigsche Lösung plädiert? „Mit einer Destination Esbjerg-Fanø-Tondern würden wir unsere Selbständigkeit verlieren. Wir hätten dann keinen Webmaster und keinen Touristikchef mehr. So steht es auch in den Protokollen über die Verhandlungen. Wir machen heute auch Werbefilme für unsere kleinen Akteure und vertreten ihre Interessen. Dieses wäre bei der großen Zusammenarbeit nicht mehr möglich“, unterstreicht der Vorsitzende.

Laut „Jydske Vestkysten“ haben sich sowohl Henrik Frandsen als auch Daisy Dahl als politische Beobachter der Kommune Tondern im Touristikverein kritisch über den Prozess geäußert. Dieser Kritik misst Martin Iversen keine Bedeutung bei, denn sie sei unberechtigt.

Der Verhandlungsausschuss des Touristikvereins:

  1. Martin Iversen, Ferienresort Enjoy Rømø
  2. Jimmi Nielsen, Sommerhausvermietung Sol og Strand auf Röm
  3. Iver Gram, Sort Sol in Mögeltondern
  4. Claus Cornelsen, Rømø Tours
  5. Allan Svendsen, Campingplatzbetreiber auf Röm
  6. Frank Hoffmann, Geschäftsmann aus Tondern und Vertreter der Handelsvereine
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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