Demokratiecafé

Demokratie rückte für Asylbewerber in Reichweite

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Jørgen Popp Petersen
Referent Jørgen Popp Petersen (SP) verabschiedete sich mit Handschlag von den etwa 20 Teilnehmern. Foto: Elise Rahbek

20 Asylbewerber aus Lügumkloster informierten und tauschten sich mit Hilfe eines Dolmetschers mit dem Kulturvorsitzenden der Kommune Tondern, Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei, aus.

„Es war sehr gut für uns, über unsere Ideen zu sprechen und jemanden zu finden, der uns zuhört“, sagte Shayma Al-Shuwaili im Anschluss an das Demokratiecafé, das am Mittwoch für Asylbewerber im Stadtratssaal in Tondern in Regie der kommunalen Bibliotheken und der Betreibergesellschaft AsylSyd statt fand. „Ich habe sehr viel Neues erfahren“, meinte die 33-jährige Mutter von drei Söhnen mit Blick auf die Ausführungen und den Dialog mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Freizeit, Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei (SP).

Mathematiklehrerin will der Gesellschaft etwas geben

Die Mathematiklehrerin kam vor zwei Jahren von Bagdad nach Dänemark und lebt seit Weihnachten 2016 im Asylheim Aaløkke in Lügumkloster. Sie hat sich mittlerweile von ihrem Mann getrennt. Die zwei ältesten Söhne besuchen die Schule und der jüngste eine Kindertagesstätte. „Mein Traum ist es, in Dänemark zu bleiben, und einen Job zu finden“, so Shayma, die auch sehr gerne irgendwo ein Praktikum machen würde.

„Ich würde auch sehr gerne älteren Menschen helfen“, so die dreifache Mutter, die einmal wöchentlich im Roten-Kreuz-Laden aushilft. Sie hatte in der Diskussion darauf hingewiesen, dass es für Asylbewerber in Deutschland leichter sei, zu arbeiten. „Ich würde gerne der Gesellschaft etwas geben und für mich selber zahlen, anstatt eine Bürde zu sein“, so die Aussage der 33-Jährigen.

Aus dem Dialog ging hervor, dass den Asylbewerbern der Kontakt zur Umwelt etwas fehlt. Sie wollen sich gerne in die Gesellschaft einbringen, wissen aber nicht, wie sie es bewerkstelligen sollen. Popp Petersen hatte ihnen dazu geraten, unter die Menschen zu kommen und sich beispielsweise dem Vereinssport zuzuwenden und nicht allein im Fitnesscenter zu trainieren.

„Demokratie ist auch, Teil der Gesellschaft zu werden“

„Involviert euch in örtlichen Sachen, das wird immer ein Gewinn für euch sein“, so Popp im Stadtratsrund, wo am Mittwoch die Vielfalt an Nationalitäten größer als gewöhnlich war. Die Asylbewerber kommen aus dem Irak, aus Kuwait, Kurdistan, Iran, Syrien und Kolumbien.

Handelt es sich bei dem Thema Demokratie auch nicht gerade um ein leicht verdauliches Thema, so verstand Popp es, die Zusammenhänge appetitlich und leicht verständlich an den Mann bzw. die Frau zu bringen. „Für mich ist Demokratie auch, dass man rauskommt und Teil der Gesellschaft wird, anstatt, dass man zu Hause rumsitzt und mit etwas unzufrieden ist“, so der SP-Politiker. Hatte eine Rathausmitarbeiterin im Vorfeld gefragt, ob im Stadtratssaal das Bürokratie-Café stattfinden würde, lief bei dem Demokratie-Café alles ganz unbürokratisch und es wurde Englisch, Arabisch, und Spanisch gesprochen.

Mehr lesen