Krieg in der Ukraine

Dänische Unternehmen in Russland: Der Ruf steht auf dem Spiel

Dänische Unternehmen in Russland: Der Ruf steht auf dem Spiel

Dänische Unternehmen: Der Ruf steht auf dem Spiel

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Ecco hat über Jahre hinweg einen sehr guten Ruf gehabt. Eine neue Untersuchung der Beratungsfirma Caliber zeigt jedoch, dass dieser zuletzt eine kräftige Delle bekommen hat, weil das nordschleswigsche Unternehmen weiterhin seine 250 Filialen in Russland betreibt. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

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Dänische Unternehmen, die weiterhin in Russland aktiv sind, riskieren, ihren Ruf hierzulande auf Jahre hinaus zu ruinieren. Krisen solcher Art bleiben nämlich oftmals lange hängen, lautet die Einschätzung eines Historikers.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar haben sich mehrere dänische und internationale Unternehmen aus Russland zurückgezogen.

Einige Firmen traten unmittelbar nach dem Überfall Russlands den Rückzug an, während andere zunächst noch zögerten. Einige Firmen sind noch immer in Russland aktiv, jedoch in eingeschränktem Maße.

Daneben gibt es aber auch noch Unternehmen, die ihren Betrieb in Russland weiterhin in vollem Umfang aufrechterhalten. Dazu zählen die dänischen Firmen Ecco und Rockwool, die sich zuletzt von vielen Seiten Forderungen ausgesetzt sahen, sich vom russischen Markt zurückzuziehen. Dem sind diese Firmen jedoch nicht nachgekommen.

Unternehmen setzen ihren guten Ruf aufs Spiel

Auch wenn sie mit ihrer Entscheidung, ihr Geschäftsniveau in Russland unverändert beizubehalten, gegen keine Sanktionen verstoßen, riskieren sie jedoch ihren guten Ruf auf nationaler Ebene.

Man riskiert sehr viel, wenn man in Russland bleibt. Von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein enormer Druck ausgegangen, dass wir etwas unternehmen sollten.

Søren Skou, Chef von A. P. Møller-Mærsk

Dieser Auffassung ist Nicolaj Taudorf Andersen, Direktor und Gründer des Kommunikationsbüros Radius CPH.

„Das kann sich durchaus in größerem Maße auf eine Firma auswirken, wenn diese in Dänemark besonders bekannt ist. Aus diesem Grunde ziehen sich einige Unternehmen aus dem Geschäft zurück“, so Taudorf Andersen.

Druck vonseiten der Angestellten

Auch bei A. P. Møller-Mærsk hat man den Druck der Öffentlichkeit zu spüren bekommen, wie der Chef der Reederei, Søren Skou, auf einer Pressekonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen in der vergangenen Woche berichtete.

„Man riskiert sehr viel, wenn man in Russland bleibt. Von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein enormer Druck ausgegangen, dass wir etwas unternehmen sollten, und wir haben eine Marke, die wir gerne schützen möchten“, so der Direktor. Seiner Überzeugung nach kann ein Verbleib in Russland langfristige Konsequenzen haben.

Händler beenden Zusammenarbeit mit Ecco

Für den Schuhhersteller Ecco hat der Entschluss, in Russland zu bleiben, das Ende der Zusammenarbeit mit physischen und Online-Bekleidungsgeschäften wie Magasin und Miinto bedeutet. Sie verkaufen keine Ecco-Produkte mehr.

Für viele Unternehmen besteht die langfristige Investition in ihrer Legitimität und ihrem Markennamen. Das ist der entscheidende Aspekt.

Mads Mordhorst, Lektor an der Copenhagen Business School

Das nordschleswigsche Schuhunternehmen hat seinen Verbleib in Russland mit dem Argument verteidigt, seine Angestellten in dem Land schützen zu wollen und hat sich im Übrigen für die Trennung von Geschäft und Politik starkgemacht.

Milliardenschweres Geschenk an Russland verhindern

Rockwool, Produzent von Isolierungsmaterialien für den Bau, möchte seine Geschäfte nicht einfach zurücklassen, weil dies ansonsten ein milliardenschweres Geschenk an die Russen wäre, die den Betrieb einfach übernehmen könnten.

Die Sorge von Søren Skou, dass der Verbleib in Russland langfristige Folgen haben könnte, teilt auch der Unternehmenshistoriker Mads Mordhorst, Lektor an der Copenhagen Business School.

„Für viele Unternehmen besteht die langfristige Investition in ihrer Legitimität und ihrem Markennamen. Das ist der entscheidende Aspekt, während Geld, Wirtschaft und Profit nur den unmittelbaren Teil ausmachen. Das Kalkül besteht darin, durch den Verbleib in Russland auf kurze Sicht Geld zu verdienen. Aber auf längere Sicht besteht die Gefahr, dass man so viel an Legitimität verliert, dass man später in eine wirtschaftliche Schieflage gerät“, sagt Mads Mordhorst.

Entwicklung in naher Zukunft entscheidend

Entscheidend für Ecco und Rockwool sei zudem, ob sie in der nahen Zukunft in eine neue Krise geraten.

Der Verbleib in Russland kann durchaus seine Auswirkungen in Dänemark haben, aber in Bezug auf China oder Indien hat das keine Bedeutung.

Nicolaj Taudorf Andersen, Direktor von Radius CPH

„Sofern sie in einem Jahr in eine weitere Krise rutschen sollten, bei der es um etwas ganz anderes geht, würde sich der negative Trend an das Unternehmen heften. Und das könnte dann auf sehr lange Zeit von Bedeutung sein. Umgekehrt kann das Ganze auch in Vergessenheit geraten, sofern es sich um eine einmalige Krisensituation handelt und der Krieg innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes beendet wird“, so die Einschätzung von Mads Mordhorst.

Verbleib nicht zwingend von globaler Bedeutung

Auch wenn die Unternehmen durch ihren Verbleib in Russland ihren guten Ruf in Dänemark aufs Spiel setzen, würde dies nicht automatisch bedeuten, dass sich das auch auf deren weltweiten Ruf auswirkt, betonen sowohl Mads Mordhorst als auch Nicolaj Taudorf Andersen.

„Der Verbleib in Russland kann durchaus seine Auswirkungen in Dänemark haben, aber in Bezug auf China oder Indien hat das keine Bedeutung, weil es dort keinen so kritischen Blick auf Russland gibt wie in Europa und nicht zuletzt wie in Dänemark“, gibt Nicolaj Taudorf Andersen zu bedenken.

Das dänische Handelsvolumen mit Russland

Im Jahr 2021 hat Dänemark Waren und Dienstleistungen im Wert von 15,1 Milliarden Kronen nach Russland exportiert. Das entspricht 1 Prozent des gesamten dänischen Exportvolumens.

Davon machten Waren 9,6 Milliarden Kronen aus, während Dienstleistungen mit 5,5 Milliarden Kronen zu Buche schlugen.

Im gleichen Zeitraum hat Dänemark Waren im Wert von 17,7 Milliarden Kronen aus Russland importiert, was 1,3 Prozent des gesamten dänischen Imports ausmacht.

2020 hat Dänemark mehr nach Russland exportiert als importiert. Im Jahr darauf war es genau umgekehrt. Insgesamt waren sowohl der Import als auch der Export in den vergangenen zehn Jahren starken Schwankungen ausgesetzt.

Aus einer von der amerikanischen Yale University betriebenen Datenbank geht hervor, dass aktuell weiterhin 215 dänische Unternehmen Geschäfte in Russland betreiben wie vor Beginn des Krieges.

Quelle: Danmarks Statistik, Yale University

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