Streitkräfte

Analyse: Deshalb musste der Verteidigungschef gehen

Analyse: Deshalb musste der Verteidigungschef gehen

Analyse: Deshalb musste der Verteidigungschef gehen

Kopenhagen
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Troels Lund Poulsen (links) meint nicht, dass Flemming Lentfer der richtige Mann ist, um die Verteidigungsmilliarden zu verwalten (Archivfoto). Foto: Ida Marie Odgaard/Ritzau Scanpix

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Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen hat das Vertrauen in den obersten Chef der Streitkräfte, Flemming Lentfer, verloren und ihn entlassen. Der Skandal um die Fregatte „Ivar Huitfeldt“, deren Waffensysteme in einer kritischen Situation versagten, war der konkrete Anlass. Doch letztlich geht es um die fast 200 Milliarden Kronen Steuergelder, die in die Verteidigung fließen werden, lautet die Einschätzung von Walter Turnowsky.

Am Mittwochabend passierte das, was sich bereits am Tag davor angekündigt hatte: Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (V) teilte bei einer Pressekonferenz mit, dass er das Vertrauen in Verteidigungschef Flemming Lentfer verloren hat.

Es ging um die Fregatte „Ivar Huifeldt“, aber bei Weitem nicht nur darum.

„Bei den Herausforderungen, die uns bevorstehen, brauchen wir einen neuen Verteidigungschef“, so Lund Poulsen.

Die Führungsspitze der Streitkräfte hatte das Vertrauen des Ministers bereits strapaziert, mit dem Skandal um die Fregatte war sie überstrapaziert worden.

Bedrohliche Situation im Roten Meer

Es war das immer gut informierte Verteidigungsmedium „Olfi“, das am Mittwoch vom Versagen wichtiger Waffensysteme an Bord der „Ivar Huifeldt“ berichtete. Die Fregatte war Anfang des Jahres im Roten Meer gegen die Huthi-Bewegung eingesetzt worden. Bei einem Drohnenangriff Anfang März versagte das wichtigste Luftabwehrsystem – die Raketen – vollkommen. Stattdessen setzte man die Kanonen ein – doch die Hälfte der Granaten explodierte unweit des Schiffes direkt vor den Augen der Besatzung.

Dennoch gelang es, den Angriff abzuwehren. Es hätte jedoch anders ausgehen können.

Der Kapitän des Schiffes meldete den Vorfall seinen Vorgesetzten, aber Lund Poulsen wurde nicht unterrichtet. Er wurde auch nicht darüber informiert, dass die Probleme mit den Waffensystemen seit Jahren intern in den Streitkräften bekannt waren. Trotzdem wurde die „Ivar Huitfeldt“ auf eine der schärfsten Missionen geschickt, an denen die dänische Marine jemals teilgenommen hat.

Der Elbit-Skandal

Doch der Skandal kommt im Kielwasser von einer ganzen Reihe anderer Fälle, die ebenfalls von fehlenden beziehungsweise falschen Informationen geprägt waren. Am prominentesten ist der Skandal um den Kauf von Raketensystemen des israelischen Waffenherstellers Elbit, den das Medium „Altinget“ Anfang vergangenen Jahres aufgedeckt hat.

Als der damalige Verteidigungsminister Jakob Ellemann-Jensen (V) den Kauf im Eilverfahren durch das Folketing peitschte, fehlten zentrale Informationen. Ellemann selbst kannte sie auch nicht.

Und auch in der Geschichte dieses Skandals wurde am Mittwoch ein neues Kapitel geschrieben: Das Waffensystem wird um eine Milliarde teurer als geplant und kommt ein Jahr später. Es muss nämlich erst umgebaut werden, bevor es einsatzfähig ist.

Ob dies bisher übersehen worden ist oder die Information bewusst unterdrückte wurde, ist unklar. Klar ist, dass es für Lund Poulsen ein weiteres Argument war, den Verteidigungschef zu entlassen.

Die Frage der 195 Milliarden Kronen

Doch das Problem geht noch tiefer. Die Reichsrevison hat in den vergangenen Jahren wiederholt scharfe Kritik an der Führungsspitze der Streitkräfte geäußert. Sie vermissten einen Überblick darüber, ob die Mittel korrekt eingesetzt worden sind.

Doch genau der korrekte Einsatz von Mitteln ist vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges zentral. Die Regierung und die Parteien wollen so schnell wie möglich aufrüsten. Das Folketing hat für die kommenden Jahre 195 Milliarden Kronen extra für die Landesverteidigung bereitgestellt.

Damit die Mittel richtig eingesetzt werden können, brauchen die Politikerinnen du Politiker die korrekten und vollen Informationen. Und die Streitkräfte brauchen einen Überblick über den Bedarf und den Haushalt.

Troels Lund Poulsen und viele mit ihm, haben das Vertrauen darin verloren, dass die führenden Militärs das garantieren können.

Das ist der eigentliche Grund, weshalb Flemming Lentfer gehen musste – und die Aufräumarbeiten haben soeben erst begonnen.

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