Integration

Freunde weisen den Weg

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Hadersleben/Haderslev
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Bei Tove Olling (links) hat die Familie eine soziale Heimat gefunden. Foto: Ute Levisen

Im Rahmen der gleichnamigen Initiative sucht das Rote Kreuz Hadersleben nach Kontaktfamilien für Flüchtlingsfamilien: 26 haben sich bereits gemeldet.

Seit fast einem Jahr ist Tove Olling für eine Familie aus Äthiopien bzw. Eritrea der Dreh- und Angelpunkt in Dänemark – ihr heißer Draht zur dänischen Gesellschaft, sozusagen. Im Rahmen der Initiative u. a. des Roten Kreuzes Hadersleben „Freunde weisen den Weg“ engagiert sie sich seit fast einem Jahr zum Wohle von Flüchtlingsfamilien in der Domstadtkommune – mit dem Ziel, ihnen die Integration in einen Alltag in Dänemark zu erleichtern.

„Anfangs dachte ich, dafür sei ich zu alt!“, lacht Tove Olling, die in diesem Jahr übrigens ihr 20-jähriges Jubiläum als Ehrenamtliche der Wohltätigkeitsorganisation feiern kann.

Merhawit –hier mit ihrer Mutter Azamit – besucht einen dänischen Kindergarten. Foto: Ute Levisen

Zu alt für den Dienst am Nächsten wird man indes nie! Seit einer Neuauflage der Kampagne „Venner viser vej“ im Herbst des Vorjahres dank Bodil Jørgensen, ebenfalls ehrenamtliche Aktivitätsleiterin des Roten Kreuzes Hadersleben, haben sich 20 dänische Familien gemeldet, um sich 20 Flüchtlingsfamilien in der Kommune anzunehmen. Und der Bedarf sei damit längst nicht gedeckt. Das wissen Bodil Jørgensen und Tove Olling aus regelmäßigen Gesprächen mit Mitarbeitern der Kommune Hadersleben.

Es werden noch viele weitere dänische Familien gebraucht: Der Bedarf ist enorm. Im Kielwasser einer neuerlichen Kampagne des Roten Kreuzes nach den Sommerferien haben sich sechs weitere dänische Netzwerk-Familien gemeldet, freut sich Bodil Jørgensen.

Makda (Mitte) ist im Verein Kickboxen aktiv. Foto: Ute Levisen

Tove Ollings vierköpfige Flüchtlingsfamilie kommt aus Äthiopien bzw. Eritrea: Goitam Aregay und Azamit Goshu, beide 33 Jahre, und ihre beiden Kinder Makda (12) und Merhawit (4) haben schon einiges gesehen und erlebt.

Vater Goitam floh als 18-Jähriger aus Eritrea und hat seither fast sein halbes junges Leben in Flüchtlingslagern verbracht.

Seit fast einem Jahr trifft sich Tove Olling mit „ihrer“ Familie: „Wir spielen Karten und machen Ausflüge. Mal treffen wir uns bei mir zu Hause, mal bei Azamit und Goitam“, erzählt sie.

Goitam hat eine Arbeit als Kantinenassistent bei der Steuerbehörde „Skat“ gefunden und kann auch schon ein bisschen Dänisch. Die Kinder sprechen fließend Dänisch und besuchen den dänischen Kindergarten „Blomsterhaven“ bzw. eine Kommunalschule: Makda wechselt nach Weihnachten von der Sankt-Severin-Schule an die Sønder-Otting-Schule. In Dänemark haben sich beide Mädchen gut eingelebt – und auch längst Freunde gefunden. Das Vereinsleben hat es Makda damit einfach gemacht: Sie ist u. a. im Verein Kickboxen aktiv.

Tove Olling
Tove Olling ist seit 20 Jahren ehrenamtlich im Roten Kreuz aktiv. Foto: Ute Levisen

Psychisch belastend ist für die kleine Familie, dass die Mutter, Azamit, lediglich über ein zeitlich befristetes Visum verfügt, während die Kinder und ihr Vater bereits Aufenthaltsgenehmigungen haben.

Ihre Geschichte ist tragisch, aber bei Weitem kein Einzelschicksal. Die Stunden mit Tove Olling tragen dazu bei, dass für die Familie das üben ihnen schwebende Damoklesschwert wenigstens für ein paar Stunden wöchentlich ein wenig in den Hintergrund rückt.

Wer Interesse hat, sich wie Tove Olling für eine Flüchtlingsfamilie zu engagieren, kann sich bei Bodil Jørgensen vom Roten Kreuz Hadersleben unter Telefon 2049 8209 oder unter Mail strynoevej@gmail.com melden.

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