Handball

Haderslebener mit unverhofftem Debüt für die SG Flensburg-Handewitt

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Jonas Rithaphorn jubelt nach seinem ersten Bundesliga-Tor für die SG Flensburg-Handewitt.

Jonas Rithaphorn drehte im Auto völlig durch, als er die Nachricht bekam, dass er für die SG Flensburg-Handewitt in der Bundesliga spielen darf. Der 18-jährige Haderslebener erzählt im „Nordschleswiger“-Interview über die beruhigenden Worte von Kevin Møller, über seine ersten Bundesliga-Minuten und über die Träume für die Zukunft.

Die Anspannung war groß, als Jonas Rithaphorn zum ersten Mal vor einem Bundesliga-Heimspiel in der Umkleidekabine der SG Flensburg-Handewitt Platz nahm. Neben ihm saß Nationaltorwart Kevin Møller, und die beruhigenden Worte seines „nordschleswigschen Landsmannes“ half gegen die Nervosität.

„Kevin hat mir gesagt, dass es nur Handball ist. Ich sollte einfach mein Spiel machen und alles genießen“, erzählt Jonas Rithaphorn im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Alles nur genossen

Der 18-Jährige aus Hadersleben (Haderslev) war vor wenigen Wochen im Bundesliga-Heimspiel gegen den TVB Stuttgart aufgrund der Achillessehnenprobleme von Linksaußen August Pedersen aus der A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt in die Bundesliga-Mannschaft geholt worden, als Ergänzung für Nationalspieler Emil Jakobsen.

„Ich habe beim Warmmachen gar nicht mal so viel nachgedacht, alles einfach nur genossen“, so der talentierte Linksaußen, in der Erwartung, dass Emil Jakobsen durchspielen würde, doch alles änderte sich in der zweiten Halbzeit.

„Ich hatte mit schon die ersten Gedanken gemacht, als Emil einen Gegenspieler recht hart stoppte. Er musste für zwei Minuten raus. Und plötzlich ging alles blitzschnell. Trainingsjacke ab und ab aufs Spielfeld“, erzählt Jonas Rithaphorn, der nur wenige Sekunden später sein erstes und bislang auch einziges Bundesliga-Tor erzielte.

Jonas Rithaphorn ist sowohl in der Bundesliga als auch in der European League zum Einsatz gekommen.

„Plötzlich landete der Ball bei mir. Das war der Wahnsinn, als der Ball ins Tor ging. Alle haben so laut geschrien. Das war ein Riesenerlebnis, für einige Minuten auf dem Spielfeld zu stehen und auch noch ein Tor zu erzielen“, so der Haderslebener.

Im Auto durchgedreht

Laut geschrien wurde auch am Tag vorher im Auto. Jonas Rithaphorn bekam von seinem A-Jugend-Trainer Simon Hennig die Nachricht, dass er in der Bundesliga spielen durfte.

„Ich hatte bereits vor dem European-League-Hinspiel gegen GOG aufgrund der Achillessehnenprobleme von August einige Male mit der Bundesliga-Mannschaft trainiert, wurde dann aber kurz vorher wieder aussortiert. Als Simon dann anrief, bin ich im Auto völlig durchgedreht“, erzählt Jonas Rithaphorn, der für den Rest der Saison wird er zum Bundesliga-Kader gehören wird.

Im European-League-Rückspiel gegen GOG hatte er einen Kurzeinsatz mit einem Torerfolg, und auch gegen die Rhein-Neckar Löwen durfte er kurz ran, während er gegen Bietigheim und Hannover auf der Bank blieb. Am Mittwoch in Magdeburg erzielte er aus zwei Versuchen zwei Tore – seine Wurfausbeute in der Bundesliga liegt also noch bei 100 Prozent.

Der 18-Jährige wechselte im Sommer 2024 von Team Haderslev KFUM zur A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt und macht zur nächsten Saison den nächsten Schritt. Er hat beim Kooperationspartner der SG einen Vertrag unterschrieben und wird bei DHK Flensborg in der 3. Bundesliga spielen. Und zwar mit Doppelspielrecht, sodass er unter Umständen wieder in die Bundesliga-Mannschaft der SG geholt werden könnte.

DHK-Trainer Magnus Frisk Jensen (links) freut sich über den Neuzugang Jonas Rithaphorn.

„Mein Traum ist es, einmal vom Handballspielen leben zu können“, sagt Jonas Rithaphorn und gibt zu, dass die SG nicht immer das große Ziel gewesen ist.

Traumdestination hat sich geändert

„Eigentlich war meine Traumdestination Berlin, weil ich die Stadt einfach toll finde, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich jetzt, wo ich dabei gewesen bin, Flensburg-Fan geworden bin. Mein Traum ist jetzt Flensburg-Handewitt“, so der 18-Jährige, der die Talentklassen von Kløvermarkskolen besuchte und nach einem Nachschulaufenthalt bei BGI wieder nach Hadersleben zurückkehrte, wo er bei seinen Eltern lebt und eine Lehre bei „Sport 24“ macht.

Magnus Frisk Jensen, Talentkoordinator der SG Flensburg Akademie und DHK-Trainer, verspricht sich von dem Linksaußen viel.

„Jonas ist immer gut gelaunt, ein ruhiger Typ, der weiß, was er will, und sehr zielstrebig arbeitet“, so der Rapstedter zum „Nordschleswiger“.

„Wir haben hohe Erwartungen in ihn und glauben, dass er große Schritte machen wird, und dann werden wir sehen, wo seine Handballreise hinführt“, sagt Magnus Frisk Jensen und fügt schmunzelnd hinzu: „Jetzt muss er noch jede Menge Deutsch lernen.“