Deutsch-Dänisch

Für Chorleiterin Juliane wird mit Bach im Dom ein Traum wahr

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Juliane Ilgner freut sich auf die Premiere. Diverse Stiftungen haben dazu beigetragen, dass ein „Weihnachtsmärchen“ im Dom wahr wird.

Ein Engel auf dem Plakat, eine Drohne im Einsatz, Bach im Advent: Im Dom zu Hadersleben bereitet sich der Kammerchor „Vor Frue Cantori“ auf ein besonderes Konzerterlebnis vor. Mit barocken Instrumenten, persönlichen Geschichten – und einem Herzenswunsch der Chorleiterin.

Donnerstagabend im Dom. Kronleuchter spenden goldenes Licht. Stimmen summen, Notenblätter rascheln. Dreißig Menschen machen sich im Mittelschiff locker und stimmen sich auf die Probe ein. Mit der Stimmgabel am Ohr gibt Juliane Ilgner den Ton vor.

„Es war schon immer mein Traum, dieses Werk zu dirigieren“, sagt die Leiterin von „Vor Frue Cantori“. In Deutschland gehört es zur Adventszeit wie Zimtsterne. In Dänemark ist es eine Seltenheit.

Der Engel und die Drohne

Für Chorleiterin Juliane Ilgner geht mit Bachs Weihnachtsoratorium ein langgehegter Wunsch in Erfüllung.

Er thront auf der großen Marcussen-Orgel, hoch oben im Dom: ein Engel mit Trompete. Von unten kaum zu erkennen, es sei denn, man fliegt hoch oder schickt eine Drohne los. Gesagt – getan. Das Ergebnis ist ein goldglänzender Himmelsbote vor rotem Hintergrund. Er ist der Star auf dem Konzertplakat, mit dem der Chor die Werbetrommel für Bach rührt.

„Der Engel ruft“, sagt Ilgner und lacht. „Und wir antworten mit Bach.“ Die Trompete zieht sich wie ein festliches Motto durchs Projekt. Drei davon werden im Orchester zu hören sein.

Heimkehr mit Takt und Ton

Jørgen Meinertz Byg und Joachim Lodemann genießen die Chorproben. Dafür nimmt Lodemann jede Woche die Fahrt von Sonderburg (Sønderborg) nach Hadersleben auf sich.

Joachim Lodemann ist neu im Chor, aber nicht im Dom. Als Kind ist er dort ein- und ausgegangen. Sein Vater, Hans Hermann Lodemann, war deutscher Pastor der Domgemeinde. „Ich habe vor fast 40 Jahren schon mal das Weihnachtsoratorium gesungen. Jetzt darf ich es wieder tun, noch dazu in meiner alten Heimat.“ Dafür nimmt der 51-Jährige sogar den Weg aus Sonderburg (Sønderborg) zu den Proben auf sich.

Mit Herz bei der Sache

Der Kammerchor „Vor Frue Cantori“ wurde 1971 gegründet und zählt heute zu den festen Größen im Musikleben der Region. Chorleiterin ist Juliane Ilgner.

Auch Jørgen Meinertz Byg freut sich auf Bach. Der Kardiologe singt seit Kindertagen. Jetzt ist er Tenor im Chor. Die Musik, vor allem die Chormusik, liegt dem 67-Jährigen am Herzen. „Gesungen habe ich fast mein ganzes Leben lang“, sagt der Wahl-Haderslebener. Die Sprachvielfalt in „Vor Frue Cantori“ und seiner deutschen Leiterin empfindet er als Gewinn: „Früher gab es im Grenzland Spannungen zwischen Deutsch und Dänisch. Das ist lange her.“

Dirigentin: Der Mix macht’s

Der Chor probt für das Weihnachtsoratorium. Premiere ist am Donnerstag, 4. Dezember, im Dom.

Juliane Ilgner beschreibt die Atmosphäre als inspirierend. Viele Sängerinnen und Sänger bringen Musikerschaffende zum Konzert bei sich unter; aus Flensburg, Lübeck, Berlin reisen sie an. „Die Mischung aus deutschem Orchester, dänischem Domchor und Minderheitsmitgliedern macht das Projekt zu einem gelebten Beispiel deutsch-dänischer Freundschaft.“

Bachs Weihnachtsoratorium vor historischer Kulisse

Der Kammerchor des Doms „Vor Frue Cantori“ bringt gemeinsam mit dem Barockorchester Concerto Farinelli die Kantaten I–III aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung. Als Solistinnen und Solisten mit dabei: Frederikke Kampmann (Sopran), Steffen Jespersen (Kontratenor), Mathias Monrad Møller (Tenor) und Asmus Hanke Frederiksen (Bass). Die musikalische Leitung hat Juliane Ilgner.

Das Orchester besteht aus 21 Profimusikerinnen und -musikern. Gemeinsam mit dem 32-köpfigen Kammerchor führen sie das Weihnachtsoratorium in zwei Konzerten vor historischer Kulisse auf: am Donnerstag, 4. Dezember, ab 19.30 Uhr im Dom zu Hadersleben und am Sonnabend, 6. Dezember, 16 Uhr, in der Kirche der Brüdergemeine in Christiansfeld. Karten gibt es hier sowie auf der Webseite von Klassik in Christiansfeld.