Kinder und Jugendliche

Wenn Nirvana mit der Hortensia spielt: Namen sind im Wandel

Wenn Nirvana mit der Hortensia spielt: Namen sind im Wandel

Wenn Nirvana mit der Hortensia spielt: Namen sind im Wandel

Nordschleswig
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Foto: Tim Bish/Unsplash

Kombination aus mehreren Nach-, und seltenen Vornamen: 97 Prozent der Neugeborenen tragen einen nie da gewesenen Namen

Wenn Venus mit Hortensia schaukelt, Jerusalem mit Nirvana im Sandkasten spielt und Cæsar mit Huu und Hy Fußball gegen Kiel und Tarzan spielen, wird schnell klar: Die Namensgebung in Dänemark hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. 97 Prozent aller Neugeborenen tragen mittlerweile einen Namen, den kein anderer trägt. Das meldet die Statistikbehörde. Dabei bezieht sich Danmarks Statistik nicht nur auf die Vornamen. Sondern auf die Kombinationen aus Vor-, Mittel- und Nachnamen.
Namen wie Jens Jensen werden selten, bestätigt Mary Meyer, Leiterin der Personalregisterstelle in der Apenrader Kommunalverwaltung.

Ihre Abteilung stellt Namensbestätigungen für Neugeborene aus. „Es sind nicht nur die Vornamen, die immer individueller werden. Es ist auch die Wahlmöglichkeit bei den Mittelnamen“, erzählt sie. Während sich die Eltern auf nur einen Nachnamen einigen müssen, können mehrere Zwischennamen hinzugefügt werden, oft die Nachnamen aus den Familien von Vater oder Mutter.

Vier Nachnamen sind keine Seltenheit

„Vier Nachnamen, also drei Mittelnamen und ein offizieller Nachname, sind längst keine Seltenheit mehr. Mittlerweile tragen die Eltern selbst je zwei Nachnamen und wollen diese auf das Kind übertragen. Das führt zu sehr langen Namen“, so Meyer. Hinzu kommt, dass viele ihren Kindern mehrere Vornamen geben, um wirklich individuell zu sein. Die Folge: Die Namen passen nicht mehr in die Formulare. Da steht dann der Vorname, gefolgt von ganz vielen Buchstaben mit Punkt und dem Nachnamen.

Manchmal frage man sich schon, was sich die Eltern bei den Namen eigentlich denken, sagt Mary Meyer. „Wenn es mal einen Namen gibt, der nur aus Vor- und Nachnamen besteht, dann sind wir immer ganz erfreut, dass es sowas auch noch gibt. Aber das kommt nicht mehr oft vor“, so die Sachbearbeiterin. Wird ein Vorname gewünscht, den es bislang weniger als 25-mal gibt, muss die Staatsverwaltung entscheiden. „In den allermeisten Fällen wird der Name genehmigt. Seit ich in der Abteilung arbeite, seit 2009, habe ich es nur einmal erlebt, dass ein Name abgewiesen wurde.“

Welcher das war, daran kann sich Mary Meyer nicht mehr erinnern. Spezielle Namenswünsche habe man in diesem Jahr bislang 15-mal an die Staatsverwaltung weitergeschickt. In Dänemark gibt es 21.651 offiziell genehmigte Mädchennamen, 17.683 Jungennamen und 1.024 geschlechtslose Namen. Bi, Di und Li, Vanille, Tirsdag und Poseidon – viele der genehmigten Namen sind außergewöhnlich. „Je jünger die Dänen sind, desto außergewöhnlicher sind ihre Namen“, sagt Dorthe Larsen, Abteilungsleiterin bei Danmarks Statistik. „Ein Teil der Erklärung ist, dass viele Kinder eine Kombination der Namen erhalten, die von Mutter und Vater stammen.“

Wahlmöglichkeiten erweitert

Das seit 2005 geltende Namensgesetz hat die Wahlmöglichkeiten beträchtlich erweitert. Birgit Eggert ist Namensforscherin an der Kopenhagener Universität. Sie sagt: „Einzigartige Namen sind ein Vorteil. Aber wenn Namen beim Buchstabieren und durch die Anzahl der Zwischennamen immer spezieller werden, wird es zu kompliziert“, so Eggert.

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