Lockerungen an der Grenze

Sjøberg: Die Minderheiten wurden im Stich gelassen

Sjøberg: Die Minderheiten wurden im Stich gelassen

Sjøberg: Die Minderheiten wurden im Stich gelassen

dodo
Apenrade/Aabenraa
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Für die meisten Deutschen bleibt die Grenze zu Dänemark weiterhin zu. Foto: Claus Fisker/ Ritzau Scanpix

Sowohl der Folketingspolitiker Nils Sjøberg als auch der Chef der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Hinrich Jürgensen, sind von den jüngst beschlossenen Lockerungen an der dänisch-deutschen Grenze enttäuscht.

Schöne Worte, aber kein Inhalt: So denkt Nils Sjøberg, Folketingsmitglied für die Radikale Venstre, über die jüngsten vom Folketing beschlossenen Lockerungen an der dänisch-deutschen Grenze. Seiner Meinung nach wurden die Minderheiten im Grenzland schlichtweg im Stich gelassen.

„Ich bin zutiefst enttäuscht, dass die Öffnung der Grenze zu Schleswig-Holstein darauf warten muss, dass die dänische Regierung eine Einigung mit Schweden erzielt. Es ist traurig, wenn nette Worte über die dänische und deutsche Minderheit nur von der Regierung ausgesprochen werden, sie aber nicht zum Handeln führen“, so Sjøberg zum „Nordschleswiger“.

Er freue sich zwar darüber, dass nun Lebensgefährten, Verlobte, Großeltern und Geschäftstermine als anerkennungswürdige Gründe anerkannt werden, dennoch sei dies immer noch bei Weitem zu wenig, so der Politiker der Radikalen.

Als positive Entwicklung sieht er es, dass die dänische Regierung nun zumindest mit der deutschen Seite im Dialog stehe.

Seiner Meinung nach hätte bereits vergangene Woche die Grenze wieder komplett geöffnet werden müssen.

„Die Grenze nach Deutschland hätte bereits am 15. Mai wieder geöffnet werden müssen, als die deutsche Bundesregierung und die Regierung von Schleswig-Holstein ein Abkommen über eine schrittweise Wiederöffnung vereinbart hatten“, sagt Nils Sjøberg.

Jürgensen: „Hätte mir Trostpflaster gewünscht“

Ebenfalls enttäuscht ist der Chef der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Hinrich Jürgensen.

„Ich habe deutlich mehr erwartet. Ich habe es am Anfang verstanden, dass man aus gesundheitlichen Gründen die Grenzen geschlossen hat, aber so wie es jetzt läuft, habe ich kein Verständnis. Nach Kopenhagen zu fahren ist, was das Infektionsrisiko angeht, deutlich gefährlicher als nach Südjütland oder Schleswig-Holstein“, so Jürgensen.

Vor allem für die Bewohner des Grenzlandes sei eine Erleichterung dringend notwendig.

„Ich hatte zumindest auf ein kleines Trostpflaster für die Menschen in der Region Sønderjylland-Schleswig gehofft. Mit der Grenzschließung wurde quasi die kulturelle Nabelschnur gekappt, was für die Menschen und den kulturellen Austausch eine wirklich schwere Situation ist“, so der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN).

Am Mittwochabend hatten sich die Parlamentsparteien nach elfstündigen Verhandlungen darauf geeinigt, die Liste der triftigen Einreisegründe zu erweitern, sodass ab dem 25. Mai auch Lebenspartner, Familienangehörige wie Großeltern, Geschäftsreisende und Sommerhausbesitzer aus Deutschland nach Dänemark einreisen dürfen.

Weiterhin verboten ist laut dänischen Behörden die Einreise für Bootsbesitzer, deren Boot in Dänemark liegt, Camper, die einen Jahresplatz auf einem dänischen Campingplatz haben und Pferdebesitzer, deren Pferd in Dänemark untergebracht ist.

Bis spätestens 29. Mai will die Regierung einen Plan für eine stufenweise Öffnung des Sommerhaustourismus erarbeiten.

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