Geschäftswelt

Neues Restaurant am kulinarischen Marktplatz

Neues Restaurant am kulinarischen Marktplatz

Neues Restaurant am kulinarischen Marktplatz

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Kawa Ahmad vor seinem Restaurant am Storetorv, das der syrische Flüchtling erst kürzlich eröffnete, um sein eigenes Einkommen zu schaffen und niemandem zur Last zu fallen. Foto: Paul Sehstedt

Ein kurdischer Wirt will ein positiver Teil der Apenrader Gemeinschaft sein. Seine ersten Erfahrungen als Gastronom in Dänemark: Die Eröffnung eines Firmenkontos ist eine Geduldssache.

„Ich eigne mich nicht dazu, ein Angestellter zu sein“, erklärt der 48-jährige Kawa Ahmad, der kürzlich das Restaurant „Mir“ am Apenrader Storetorv eröffnet hat.

Er kam 2014 als Flüchtling mit seiner Familie nach Dänemark und stellte nach verschiedenen Stationen fest, dass er als selbstständiger Gewerbetreibender zufriedener sein wird und auch so der hiesigen Gemeinschaft mehr zurückgeben kann, als wenn er nur Lohnempfänger ist.

Ausgebildeter Handwerker

Kawa Ahmad war im Norden Syriens in Qamshlo zu Hause, wo er als Dekorateur und Handwerker arbeitete. Schon damals begann er, sich für die Gastronomie zu interessieren, weil er einem Bekannten beim Aufbau eines Restaurants half.

Der Traum von einem eigenen Geschäft reifte in ihm, doch er musste mit seiner fünfköpfigen Familie seine Heimat verlassen. Die Flucht endete in Apenrade, wo die Familie Dänischunterricht an der Sprachschule bekam.

Körperliche Probleme

„Später ging ich zur Erwachsenenfortbildung (VUC, red. Anmerkung), doch nach sechs Monaten bekam ich eine Anstellung bei der Baufirma Arkil und ich brach bei VUC ab“, sagt der Kurde. Die Knochenarbeit verlangte ihren Tribut: Nach sechs Monaten litt er unter zwei Tennisellenbogen, einer Schulterblockade und zwei Bandscheibenvorfällen.

„Daher habe ich das ,Mir‘ eröffnet, weil ich hoffe, dass die Arbeit körperlich weniger anstrengender sein wird“, berichtet er. „,Mir‘ ist das kurdische Wort für Prinz“, fügt er erläuternd hinzu.

Arabische Küche

Die Speisekarte preist hauptsächlich die arabische Küche des Mittleren Osten an. „Ich besuche Freunde, die Restaurants in Grenaa, Fredericia oder Scherrebek haben. Bei ihnen lerne ich neue Gerichte sowie die Feinheiten“, sagt der frischgebackene Restaurantbesitzer.

„Wir stellen fast alles von Grund auf selbst her. Unsere Kunden schätzen das, und viele kommen regelmäßig wieder.“

Schwerfälliges System

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mit dem Restaurant ein solides Einkommen erhalte“, meint Kawa Ahmad. „Was mich jedoch wundert und mich schon Kunden gekostet hat, die mit Kreditkarte zahlen wollen, ist die Langwierigkeit, ein Firmenkonto zu eröffnen. Ich warte schon seit sechs Wochen, und mir wurde gesagt, dass ich in etwa zwei Monaten ein Konto bekomme. Das ist sehr schlecht.“

Im „Mir“ finden 30 Gäste Platz. Vor dem Restaurant gibt es zudem sechs Sitzplätze.

Die ganze Familie packt mit an

Seine Ehefrau Alma hat das Küchenfach „Catering“ an der Gewerbeschule EUC Syd in Apenrade belegt. Die älteste Tochter besucht den HF-Kursus an der Staatsschule, der 21-jährige Sohn bereitet sich für die Aufnahme an der Technischen Schule vor, eine Tochter geht in die 6. Schulklasse, und das Nesthäkchen ist noch im Kindergarten. „Wir wollen ein positiver Teil der Gesellschaft sein“, schließt Kawa Ahmad.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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