Handball

Dramatisches Minus: SønderjyskE-Handballerinnen stehen am Scheideweg

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Bei den SønderjyskE-Handballerinnen läuft es sportlich besser als wirtschaftlich.

Sportlich läuft es, wirtschaftlich nicht: Nach einem der schlechtesten Ergebnisse in der Vereinsgeschichte sehen die Wirtschaftsprüfer die Existenz von SønderjyskE Kvindehåndbold gefährdet. Der Direktor erklärt, wie es weitergehen soll.

Die Handballerinnen von SønderjyskE gehören mittlerweile zur oberen Tabellenhälfte der dänischen Liga und konnten jüngst mit einem dritten Platz beim Pokal-Final-Four die erste Medaille der Vereinsgeschichte gewinnen, doch die sportlichen Erfolge sind teuer erkauft worden.

SønderjyskE Kvindehåndbold hat im Haushaltsjahr 2023/24, das am 30. Juni 2024 abgeschlossen wurde, ein Minus von 2,16 Millionen Kronen erwirtschaftet – eines der größten Defizite der Vereinsgeschichte. Im Jahresbericht zweifeln die Wirtschaftsprüfer von EY in Apenrade an der Fortexistenz des Handballklubs, sollte es nicht gelingen, neues Kapital zu bekommen.

Unerwartete Extraausgaben

„Das ist ein Ergebnis, mit dem wir in keiner Weise zufrieden sind. Das macht uns nicht stolz“, sagt Henrik Jepsen nach seinem ersten Haushaltsbericht als Direktor von Sønderjysk Elitesport und SønderjyskE Kvindehåndbold zum „Nordschleswiger“.

Jepsen trat seinen neuen Job am 1. Juli an und hat sozusagen das schlechte Ergebnis von seinem Vorgänger Klaus Rasmussen „geerbt“.

SønderjyskE Kvindehåndbold hatte einen Bruttoverdienst in Höhe von 2,2 Millionen Kronen, doch die Ausgaben für den Kader und Personal beliefen sich auf 4,3 Millionen Kronen.

„Es hat lange Zeit nach einem Minus von 800.000 bis 900.000 Kronen ausgesehen“, so Henrik Jepsen, aber wie auch bei den Handballern von Sønderyske Herrehåndbold in Sonderburg, hat derselbe Wirtschaftsprüfer Fehler in den Rechenschafts-Prinzipien gefunden. Diese sind nun geändert worden.

Auf den Rängen spürt SønderjyskE ein steigendes Interesse.

„Diese Änderung hat uns über eine Million Kronen gekostet“, so Henrik Jepsen.

Über die Verhältnisse gelebt

Eine Rückzahlung von Corona-Kompensationsgeldern und stark gestiegene Ausgaben in verschiedenen Bereichen, beispielsweise Unfallversicherungen, seien weitere Gründe für das große Defizit.

„Wir haben auch ein wenig über unsere Verhältnisse gelebt und uns von der Euphorie mitreißen lassen, dass wir zum ersten Mal in der Endrunde standen, zur Top 6 gehörten und ein Final Four vor Augen hatten“, meint der SønderjyskE-Direktor.

Negatives Eigenkapital und fehlende Liquidität

Bei SønderjyskE Kvindehåndbold steht somit ein negatives Eigenkapital von 3,4 Millionen Kronen zu Buche – im Vorjahr waren es noch knapp 1,2 Millionen Kronen.

Das ist der Grund, weshalb die Wirtschaftsprüfer die Fortexistenz des Vereins infrage stellen. Hinzu kommt, dass SønderjyskE Kvindehåndbold zwei Millionen Kronen benötigt, allein um liquide zu sein und den laufenden Betrieb zu finanzieren.

„Wir arbeiten knallhart daran, neues Kapital hinzuzufügen. Wir haben mit all unseren Partnern gesprochen und freuen uns über eine unveränderte oder gestiegene Unterstützung“, sagt Jepsen.

Er kann allerdings nicht ausschließen, dass man auch im laufenden Haushaltsjahr auf ein Defizit hinsteuert:

Handball in Apenrade am Scheideweg

„Wir sind ein wenig im Rückstand, haben aber sportlichen Rückenwind und spüren eine erhöhte Aufmerksamkeit und ein steigendes Interesse. Wir müssen neues Kapital finden und die Grundlage stärken, denn die Stadt, der Klub und die Mannschaft haben es verdient, dass wir in Apenrade diesen sportlichen Leuchtturm haben.“

Im Jahresbericht spricht die Leitung von SønderjyskE Kvindehåndbold sogar davon, dass der Verein an einem Scheideweg steht:

„Entweder schaffen wir es gemeinsam, den Frauenhandball in Nordschleswig auf ein neues Niveau zu heben, oder wir müssen uns einer Realität mit weniger Ressourcen und niedrigeren Ambitionen anpassen. Die Geschäftsführung glaubt, dass der Weg nach vorn in Zusammenarbeit und gemeinsamen Anstrengungen liegt, und wir hoffen, weiterhin auf die unschätzbare Unterstützung unserer Sponsoren zählen zu können“, heißt es im Bericht.