Leitartikel

„(Regenbogen-)Flagge gegen Morddrohungen zeigen“

(Regenbogen-)Flagge gegen Morddrohungen zeigen

(Regenbogen-)Flagge gegen Morddrohungen zeigen

Kopenhagen/Sonderburg
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So soll Sonderburgs Reaktion auf die Drohungen aussehen (Foto von der Apenrader Pride 2022). Foto: Karin Riggelsen

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Zwei junge Männer haben gedroht, man wolle bei der Pride in Sonderburg die Menschen „umfahren“. Egal ob das ernst gemeint war oder stumpfsinniger „Humor“ – es gibt vor allem eine gute Antwort darauf, meint Walter Turnowsky: möglichst zahlreich an der Pride teilnehmen.

Dänemark pflegt gern das Image des Landes, das gegenüber sexuellen Minoritäten offen und tolerant ist.

Am Sonnabend haben zwei junge Männer aus Sonderburg bewiesen, dass diese Botschaft noch nicht überall durchgedrungen ist. In einem Kommentar zur erstmalig in Sonderburg (Sønderborg) stattfindenden Pride auf Facebook schrieben sie, man wolle „je mehr, desto besser umfahren“.

Zynischer, idiotischer und stumpfsinniger geht es wohl nicht mehr. Nach Informationen der Polizei hätten sie ausgesagt, es sei nicht als Bedrohung gemeint gewesen. Wir wollen ihnen den Zweifel zugutekommen lassen und annehmen, dass sie nicht tatsächlich vorhatten, mit einem Auto in die Menschenmenge zu rasen.

Doch allein dass man sich dazu bringen kann, so etwas zu schreiben, sagt einiges über den Geisteszustand der beiden aus. Wir haben alle die Bilder von solchen Anschlägen noch vor Augen.

In der LGBTQ+-Szene (aus dem Englischen übersetzt für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer) wird auch der Anschlag in Oslo im Juni, bei dem zwei Menschen erschossen wurden, mit Sicherheit noch äußerst präsent sein. Hass gegen sexuelle Minoritäten wird als Tatmotiv vermutet. Auch der Anschlag auf einen LGBTQ-Nachtclub in Orlando 2016, bei dem 49 Menschen getötet und 53 verletzt wurden, ist in grausamer Erinnerung.

Lasst ganz Sonderburg in der Woche vom 23. bis 27. August in Regenbogenfarben erstrahlen.

Walter Turnowsky, Korrespondent in Kopenhagen

Anschläge und Gewalt gegen LGBTQ-Personen sind auch 2022 noch eine sehr konkrete Bedrohung. Die beiden jungen Männer hatten wohl auch nicht bedacht, dass sie mit ihren Schreibereien andere, zum Beispiel psychisch labile, Personen „inspirieren“ könnten.

Lob daher an die Polizei, die resolut durchgegriffen, die beiden verhaftet und wegen Drohungen bezichtigt hat.

Lob auch an den LGTBQ+-Verein in Sonderburg, dessen Vorsitzender John Brandt mit gelassener Standhaftigkeit reagiert hat. Man werde die Äußerungen beiseiteschieben, sich von Bedrohungen nicht einschüchtern lassen und vertraue darauf, dass die Polizei auf die Pride-Woche aufpassen werde.

Lob an dieser Stelle auch an die Schleswigsche Partei. Deren Sonderburger Vizebürgermeister Stephan Kleinschmidt wird beim Pride-Umzug am 27. August sprechen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er vorgeschlagen, die Regenbogenflagge solle anlässlich der Apenrader Pride auch vom Sonderburger Rathaus wehen.

Nun könnte man die Facebook-Kommentare als die Tat von zwei hirnverbrannten Idioten abtun. Damit würde man es sich jedoch zu leicht machen. Denn Vorurteile, ja Hass, gegen LGBTQ-Personen findet sich bei deutlich mehr Menschen.

Die Sonderburgerinnen und Sonderburger haben jetzt die Chance zu beweisen, dass diese Personen eine kleine Minderheit in ihrer Stadt ausmachen, indem sie möglichst zahlreich an der Pride teilnehmen. Dies gilt auch und gerade für Menschen, die nicht LGBTQ-Personen, Angehörige oder Freunde sind. Und nehmt gerne die Kinder mit, damit sie bereits von kleinauf lernen, die Vielfalt zu feiern.

Lasst ganz Sonderburg in der Woche vom 23. bis 27. August in Regenbogenfarben erstrahlen. Dafür würden wir an dieser Stelle gerne ein Lob aussprechen.

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Nils Sjøberg
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