Bildung

Lehrkräftemangel: Mehr Deutsch nicht rasch zu erreichen

Lehrkräftemangel: Mehr Deutsch nicht rasch zu erreichen

Lehrkräftemangel: Mehr Deutsch nicht rasch zu erreichen

Apenrade/Aabenraa
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In der Kopenhagener Universität wirbt das Institut für Anglistik, Germanistik und Romanistik, das auf dem Campus Amager am Karen-Blixen-Plads untergebracht ist, seit Jahren für die Studienfächer Deutsch und Französisch. Doch das Interesse hat nachgelassen, was sich als Mangel an Deutsch- und Französisch-Lehrkräften in dänischen Schulen niederschlägt. Foto: KU

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Das dänische Nationale Center für Fremdsprachen (NCCF) mahnt zu Initiativen zur Ausbildung von mehr Deutschlehrerinnen und -lehrern im Rahmen der Offensive zur Stärkung des Fremdsprachenunterrichts in Dänemark. Deutschkenntnisse fördern die Karriere.

Das Nationale Center für Fremdsprachen (NCFF) in Dänemark hat eine Untersuchung anlässlich der jüngsten Offensive zur Stärkung des seit Jahren schwindenden Fremdsprachenunterrichts neben der Förderung der englischen Sprache vorgelegt.

Lehrkräftemangel in Sprachunterricht

Darin kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass es kaum möglich sein werde, den Deutschunterricht wieder populärer zu machen und auf gymnasialem Niveau in größerem Maße anzubieten, wenn nicht parallel zusätzliche Lehrkräfte ausgebildet werden. Laut Untersuchung sei die Situation auf dem Gebiet des Angebots qualifizierter Lehrkräfte für den Deutschunterricht so ungünstig, dass es nicht einmal möglich sein werde, das heutige Niveau zu halten.

Die Untersuchung stellt fest, dass es auch bei den Sprachen Französisch und Italienisch das Problem gebe, dass die derzeitigen Lehrkräfte in den kommenden Jahren aus Altersgründen ausscheiden werden.

Probleme in Gymnasien und Grundschulen

Das betrifft vor allem den Unterricht im Bereich der Gymnasien. In der Grundschulausbildung herrscht vor allem bei den Deutschlehrkräften bereits heute ein großer Mangel. Laut Untersuchung werden 2039/2040 nur noch 69 Prozent des Deutschunterrichts von qualifizierten Deutschlehrerinnen und -lehrern erteilt werden können. Heute verfügen noch 78 Prozent der Deutschlehrkräfte im Grundschulbereich über eine berufliche Qualifikation.

Dänische Wirtschaft braucht Deutsch-Kompetenzen

Beim Wirtschaftsverband „Dansk Industri“ (DI) löst die Untersuchung Besorgnis aus. Drängt man in der Wirtschaft doch seit Jahren auf eine Stärkung des Fremdsprachenunterrichts, vor allem im Fach Deutsch, weil dort der größte Bedarf im Rahmen der Wirtschaftskontakte mit dem größten Handelspartner Dänemarks besteht.

Die deutsche Sprache betrifft allerdings nicht nur Partner in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz. „Englisch reicht nicht, die Wirtschaft benötigt auch Mitarbeitende, die andere Fremdsprachen beherrschen, am besten in Kombination mit Ausbildungen zum Ingenieur. Wenn die Unternehmen kein Personal mit den erforderlichen Kompetenzen finden können, droht Dänemark ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und eine Schwächung des Außenhandels“, warnt Mette Fjord Sørensen, Unterdirektorin bei DI.

Nur wenige jüngere Leute entscheiden sich an dänischen Universitäten für ein Studium in den Fächern Deutsch oder Französisch. Folge könnte ein bald großer Mangel an Lehrkräften sein, die Deutsch- oder Französischunterricht in den Schulen erteilen können. Foto: NCCF

Sprachkompetenzen verhelfen zu interessanten Wirtschaftsjobs

Eigene Untersuchungen des Verbandes haben schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass breite Sprachkompetenzen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in dänischen Unternehmen interessante Arbeitsaufgaben und Karrieresprünge bescheren. Das gelte vor allem bei guten Deutsch- aber auch bei Französischkenntnissen. In sechs von zehn dänischen Unternehmen stehen Deutschkenntnisse bei der Suche nach neuen Beschäftigten auf der Wunschliste.

Auch deutsche Minderheit aktiv

Beim Center für Fremdsprachen, das in Kopenhagen (København) und Aarhus eingerichtet worden ist, fordern die Leiterinnen der Einrichtungen, Mette Skovgaard Andersen und Hanne Wacher Kjærgaard, zu raschem Handeln auf, damit kurzfristig mehr Lehrkräfte für Deutsch- und Französischunterricht in Dänemark ausgebildet werden.

Die deutsche Minderheit engagiert sich ebenfalls für eine Stärkung der deutschen Sprache in Dänemark – zur Stärkung der Minderheit in Nordschleswig, aber auch als Beitrag zugunsten der gesamten dänischen Gesellschaft, die beispielsweise seit Jahrzehnten von den guten Sprachkenntnissen der Absolventinnen und Absolventen der deutschen Schulen in Nordschleswig profitiert.

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