Beruf und Ausbildung

Torben wirbt für eine Karriere hinter Gittern

Torben wirbt für eine Karriere hinter Gittern

Torben wirbt für eine Karriere hinter Gittern

Apenrade/Aabenraa
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Torben Balsby tourt derzeit als Einstellungsberater mit dem Werbetruck der dänischen Justizvollzugsbehörde durch das ganze Land. Foto: Karin Riggelsen

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Die knallharten John-Wayne-Typen kann die dänische Strafvollzugsbehörde „Kriminalforsorgen“ nicht gebrauchen. Benötigt werden physisch und psychisch starke Personen mit Menschenverstand und Empathie.

Torben Balsby ist auf der Suche nach neuen Kollegen. Am Dienstag wurde er allerdings in Apenrade nicht wirklich fündig.

„Es waren leider nur wenige Leute da. Ich weiß nicht, ob es am Standort oder am Wochentag oder gar an mangelnder Bekanntmachung gelegen hat, aber so wenige Besucherinnen und Besucher hatte ich auf meiner bisherigen Tour noch nirgendwo“, sagt der Einstellungsberater der dänischen Strafvollzugsbehörde „Kriminalforsorgen“.

Die Strafvollzugsbehörde tingelt derzeit mit ihrem Messetruck durch das ganze Land, um Werbung für eine Karriere hinter Gittern zu machen.

Ein Bett, ein paar Regale, ein Tisch und ein Kühlschrank – so sieht in die Regel das Mobiliar einer dänischen Gefängniszelle aus. Foto: Karin Riggelsen

Bunte Mischung

Gesucht werden Männer und Frauen jeden Alters und jeder Lebensphase. „So bunt die Mischung der Insassen ist, so bunt sollte nach Möglichkeit auch das Personal sein, das auf sie aufpasst“, formuliert es Torben Balsby.

Um in Dänemark eine Ausbildung zur Justizvollzugsbeamtin oder -beamter anfangen zu können, müssen eigentlich nur ganz wenige Kriterien erfüllt sein. Der Antragstellende muss das 21. Lebensjahr vollendet haben und muss EU- oder EWR-Bürgerin oder -Bürger sein, muss also aus einem Mitgliedsland der Europäischen Union oder aus einem Land des Europäischen Wirtschaftsraums kommen.

Wir benötigen derzeit um die 50 bis 60 Transportbeamte und rund ein paar Hundert Vollzugskräfte.

Torben Balsby, Einstellungsberater bei „Kriminalforsorgen“

Gute Karrieremöglichkeiten

„Sie müssen dazu noch ein unbeflecktes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen können und einen physischen Test bestehen“, erläutert Balsby die wichtigsten Bedingungen, die Interessierte erfüllen müssen, um die zweijährige Ausbildung zum Transportbeamten oder die dreijährige Ausbildung zur Vollzugskraft, im Volksmund „Gefängniswärter“, in Angriff nehmen zu können.

„Wir benötigen derzeit um die 50 bis 60 Transportbeamte und rund ein paar Hundert Vollzugskräfte – für unsere etwa 80 Einheiten verteilt im ganzen Land“, sagt Balsby.

Abi oder abgeschlossene Lehre

Es ist nicht unbedingt ein Abitur oder ein vergleichbarer Schulabschluss notwendig, um für die Ausbildung zugelassen zu werden. „Eine Handwerkerausbildung oder Ähnliches ist uns genauso lieb“, fügt der Einstellungsberater hinzu.

In dem Werbetruck der Justizvollzugsbehörde kann man sich nicht nur über die unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten informieren, sondern erhält auch einen kleinen Eindruck über das Leben in einer Justizvollzugsanstalt. So ist im vorderen Teil des Trucks eine Gefängniszelle nachgebaut.

Sie ist etwa so groß wie ein Kinderzimmer in einem dänischen Einfamilienhaus. „Das sind um die acht oder neun Quadratmeter“, schätzt Balsby. „In den neueren Gefängnissen sind die Zellen mit eigenem Badezimmer ausgestattet“, fügt er hinzu. Die Zimmer sind mit Tisch, Bett, ein paar Regalen und Kühlschrank ausgestattet. „Einige Besucherinnen und Besucher sind über das spärliche Mobiliar entsetzt, andere finden die Zellen noch viel zu luxuriös“, stellt er augenzwinkernd fest.

Am Mittwoch wird Torben Balsby mit dem Werbetruck von „Kriminalforsorgen“ in Hadersleben auf Charmeoffensive gehen. Foto: Karin Riggelsen

Auf Gefahren vorbereitet

Torben Balsby pflichtet der Journalistin des „Nordschleswigers“ bei, dass der Beruf der Justizvollzugskraft durchaus gefährlich sein kann. Das Verb „kann“ ist ihm dabei sehr wichtig. „Wir werden in der Ausbildung aber gut auf die möglichen Gefahren vorbereitet und lernen, wie man in solchen Situationen reagiert“, unterstreicht der Einstellungsberater.

Er gibt zu, dass die Absprungrate bei der Ausbildung relativ hoch ist, doch er kenne viele Beispiele von Kolleginnen und Kollegen, die ihre 25- und 40-jährigen Dienstjubiläen feiern können. „Ich mache meinen Job sehr gerne“, betont Balsby.

Wir suchen keine John-Wayne-Typen. Im Gegenteil.

Torben Balsby, Einstellungsberater bei „Kriminalforsorgen“

Kein Job für John Wayne

„Wir suchen keine John-Wayne-Typen. Im Gegenteil. Menschen, die denken, alles allein regeln zu können, und das noch dazu mit Kraft und Gewalt, fischen wir nach Möglichkeit schon vorher heraus. Uns sind redegewandte Menschen mit Empathie lieber, die einen Streit schlichten und im Notfall eine Deeskalation herbeiführen können“, sagt Torben Balsby.

Von dem geringen Interesse in Apenrade lässt er sich nicht entmutigen. Am Mittwoch wird er sich wieder mit Süßigkeiten, Schlüsselanhängern und kleinen Spielzeugtrucks „bewaffnet“ auf die Suche nach künftigen Kolleginnen und Kollegen machen.

Mittwoch in Hadersleben

Er hofft aber, dass Am Graben (Ved Gravene) in Hadersleben (Haderslev) dann mehr Interessierte sich trauen, die Treppe des Werbetrucks zu erklimmen. Von 11 bis 16 Uhr wird er auf jeden Fall bereitstehen.

Eigentlich hat Torben Balsby schon Feierabend, als ein kleiner Junge neugierig den Kopf durch die Tür steckt. „Komm‘ ruhig rein. Schau dich um“, sagt der Einstellungsberater.

In ein paar Jahren wird sich der kleine Kerl sicherlich Gedanken über seine künftige Berufswahl machen und dann wird er sich womöglich an Torben Balsby erinnern, der ihm so freundlich den Werbetruck der Justizvollzugsbehörden gezeigt hat.

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