Leserbrief

„Was die deutsch-dänischen Minderheitsparteien politisch können“

Was die deutsch-dänischen Minderheitsparteien politisch können

Was die deutsch-dänischen Minderheitsparteien können

Dorthe Schmittroth Madsen
Vejle
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In einem Leserbrief schreibt Dorthe Schmittroth Madsen, dass große Parteien in Christiansborg viel von den Erfolgsgeschichten der Minderheitenparteien SP und SSW lernen können.

In Europa sieht man immer wieder Wellen von populistischen Parteien, die eine Strömung in der Bevölkerung aufnimmt und sie als politische Grundlage ihrer Partei verwenden. Deutlich waren solche Anregungen vor allem bei der englischen Partei UKIP, die für Brexit gekämpft hat und in Deutschland hat die Unzufriedenheit mit der Einwanderungs- und Integrationspolitik die Pegida ausgelöst. Ähnliche Antriebe sieht man bei der Gründung von Ny Borgerlige in Dänemark, dessen politischen Programm sich erstmals an die Einwanderungspolitik Dänemarks kritisch orientiert hat und dadurch Anschluss bekam.

Die Laufzeit einer populistischen Partei ist aber relativ absehbar. Die entstehen kurzfristig, bekommen Anschluss und ersticken meistens in ihrem eigenen Erfolg. Gemeinsame Nenner welche die Parteien Dansk Folkeparti, Ny Alliance, Frie Grønne, Veganerpartiet und Ny Borgerlige definieren, was aber der Wähler durchschaut hat. Deshalb entsteht eine Gegenreaktion, was die zukünftige politische Landschaft definieren wird. Parteien, die ihrer Linie treu sind und sich eben nicht wie ein Fähnchen im Wind benehmen, weil sie tief in einer Region und an ihren Wurzeln verankert sind, vermitteln Substanz, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Deswegen ist jetzt, was ich sehr beglückwünsche, die Zeit gekommen, wo große institutionalisieren Parteien in Christiansborg an die Erfolgsgeschichte des SSW und SP gucken müssen, um zu lernen, was dezentrale Parteien für die Demokratie bedeuten.

Sowohl die SP als auch der SSW sind eben nicht populistisch und reagieren nicht auf irgendwelchen Impuls in der Bevölkerung, und genau deswegen gewinnen sie an Terrain.

Beide Parteien repräsentieren eine Minderheit im Grænselandet und sind dadurch in der Region sehr verankert. Auf der Homepage der SP steht sogar, dass man nicht eine Parteiorganisation in Christiansborg oder eine bestimmte Ideologie folgen will, sondern dass man die Zusammenarbeit zwischen den Sønderjyske Kommunen und der internationalen Zusammenarbeit hinüber die Grenze hinaus fördern möchte. Ähnliche Züge machen sich bei dem SSW deutlich, wo man sich ebenfalls sehr bewusst, politisch an der Entwicklung im Norden Deutschlands orientiert, statt sich von einer politischen Agenda Deutschlands definieren lässt.

In Europa gibt es mehr solcher Grenzregionen, wo eine Minderheit sich durch gemeinsame Sprachen, Kultur und Traditionen einen Zusammenhalt findet. Daher ist es auch wichtig, dass wir Parteien haben, die diese Minderheiten politisch repräsentieren können, weil nur sie den Geist des Volkes, der sowohl in der Sprache, Kultur und Tradition geknüpft ist, als auch in der regionalen Entwicklung gebunden ist, auf die internationale Tagesordnung setzten können.

Dorthe Schmittroth Madsen
Folketingskandidat for det Konservative Folkeparti
Lektor i tysk, historie og filosofi
Nordtoftevej 14, 7120 Vejle

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