Coronavirus

Grenzschließung: Gab Minister falsche Informationen an die WHO?

Grenzschließung: Gab Minister falsche Informationen an die WHO?

Grenzschließung: Gab Minister falsche Infos an die WHO?

Kopenhagen/København
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Gab der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) der Weltgesundheitsorganisation WHO falsche Informationen zur Grenzschließung? Foto: Martin Sylvest/Ritzau Scanpix

Der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke verwies in einer Erklärung an die Weltgesundheitsorganisation auf die europäische Gesundheitsorganisation ECDC. Doch diese kann den Folgeschluss der dänischen Regierung nicht nachvollziehen.

Der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in Verbindung mit der Schließung der dänischen Grenzen angeblich desinformiert. Das schreibt die Zeitung „Information“.

Als die dänische Regierung am 14. März 2020 Einreisebeschränkungen einführte, geschah dies mit einem Hinweis auf den aktuellen Risikobericht des „Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten“ (ECDC).

Die ECDC habe die Länder dazu aufgefordert, Maßnahmen zum „social distancing“ (soziale Kontakte unterbinden) einzuführen, so der Minister in seiner Erklärung an die WHO. Darüber hinaus habe die ECDC zur Absage von „nicht notwendigen Reisen“ aufgefordert.

Auf diesem Hintergrund habe Dänemark die Grenzen zu Deutschland und Schweden geschlossen.

ECDC empfiehlt keine Grenzschließungen

Diesen Folgeschluss kann die ECDC aber nicht nachvollziehen. Dies sei keine Anweisung der ECDC, erklärt die Presseabteilung der ECDC gegenüber „Information“. Im Gegenteil, die ECDC empfehle keine Grenzschließungen, „die bedeutende Nebeneffekte und gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen in der EU“ hätten.

Die Erklärung von Minister Heunicke an die WHO sei daher nicht zutreffend, meint Bjørn Melgaard in einem Kommentar. Der Däne hat elf Jahre lang verschiedene leitende Positionen in der Weltgesundheitsorganisationen innegehabt.

Die Regierung sei verpflichtet, der WHO gegenüber den gesundheitlichen Grund für die Grenzschließung zu erläutern. „Die WHO könne daher Länder darum bitten, ihre Entscheidung nochmals zu überdenken“, heißt es in der Mail von der ECDC an Information.

Soziale Kontakte unterbinden

Das Gesundheitsministerium hat ebenfalls schriftlich auf die Kritik geantwortet und erklärt, dass die Grenzschließung „eine von vielen Maßnahmen“ gewesen sei, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, indem es dadurch weniger soziale Kontakte gebe.

Regierungschefin Mette Frederiksen hat ebenfalls keinen Hehl daraus gemacht, dass die Grenzschließung eine „politische Entscheidung“ gewesen sei.

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