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Lehrerverband wirft Minister Nachlässigkeit beim Deutschunterricht vor

Lehrerverband wirft Minister Nachlässigkeit beim Deutschunterricht vor

Lehrerverband: Minister versagt beim Deutschunterricht

Kopenhagen
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Christian Smith vom Deutschlehrerverband ist besorgt über die Entwicklung bei Deutsch an den Gymnasien. Foto: Privatfoto

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Der Vorsitzende des Deutschlehrerverbandes für das Gymnasium und HF, Christian Smith, wirft dem Unterrichtsministerium vor, es würde nichts gegen die rückläufigen Deutschkenntnisse unternehmen. Unterrichtsminister Mattias Tesfaye sagt, er verfolge die Entwicklung genau.

Deutsch ist an den Gymnasien und übrigen Jugendausbildungen stark rückläufig, wie Zahlen des Nationalen Zentrums für Fremdsprachen (NCFF) belegen. Solange eine zweite Fremdsprache obligatorisch ist, sieht es für den Deutschunterricht gut aus, wird sie freiwillig, wählen immer mehr Schülerinnen und Schüler das Fach ab.

„Das ist ein besorgniserregendes Problem“, sagt Christian Smith. Er ist Vorsitzende des Deutschlehrerverbandes für das Gymnasium und HF.

Treffen mit Ministerin

Der Verband hat sich daher im November 2021 mit der damaligen Kinder- und Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.) getroffen, um ihr das Problem darzulegen und zu erörtern, wie man ihm begegnen kann.

„Die Ministerin sagte, sie wolle zunächst Deutsch an den Jugendausbildungen und später auch an den Volksschulen fördern. Sie bat uns, ihr konkrete Lösungsvorschläge zuzuschicken“, so Smith.

„Funkstille“

Der Verband erarbeitete sechs Vorschläge. Zentral dabei: Alle Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien sollen Deutsch auf hohem Niveau (A-Niveau) in der 3G wählen können. Derzeit ist das am naturwissenschaftlichen Zweig nur möglich, wenn man fünf statt nur vier Fächer auf A-Niveau wählt. Das ist vielerorts bereits rein stundenplantechnisch nicht möglich.

Die Vorschläge des Deutschlehrer-verbandes

Der Deutschländerverband für Gymnasium und HF hat 2021 der damaligen Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil folgende Vorschläge für den Fremdsprachenunterricht an den Gymnasien geschickt.

  • Alle Schülerinnen und Schüler sollen eine zweite Fremdsprache auf A-Niveau an allen Studienrichtungen wählen können, ohne dass sie fünf Fächer auf A-Niveau absolvieren müssen.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Studienrichtungen weniger an einen Fächerkanon gebunden sein und frei ein A-Niveau-Fach in der 3G wählen können.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen verpflichtend die in der Volksschule gewählte zweite Fremdsprache im Gymnasium bis zur 2G fortführen.
  • Die Gruppen im Sprachunterricht sollen auf maximal 20 Jugendliche begrenzt werden, damit die Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit haben, sich dem oder der einzelnen zu widmen.
  • Der Sprachunterricht soll in höherem Maß in den Stammklassen stattfinden – maximal sollen die Gruppen aus zwei Klassen kommen.
  • Exkursionen und Reisen in deutschsprachige Länder sollen stärker gefördert werden.

„Wir haben die Vorschläge an Pernille Rosenkrantz-Theil geschickt und erhalten eine Quittung, die den Empfang bestätigte. Seither herrscht Funkstille“, sagt der Vorsitzende.

Arbeitsgruppe hat Vorschläge unterbreitet

„Der Nordschleswiger“ hat beim Kinder- und Unterrichtsministerium nachgefragt, was aus den Vorschlägen des Verbands geworden ist. Das Ministerium antwortet nicht direkt auf die Frage, sondern verweist darauf, dass die damalige Regierung 2017 eine Strategie zur Förderung von Fremdsprachen im Ausbildungssystem erarbeitet hat. Teil der Strategie war die Bildung einer Arbeitsgruppe (følgegruppe), die die Entwicklung verfolgt.

„Die Arbeitsgruppe hat 2022, neben einem Status über die Entwicklung der Fremdsprachen, auch eine Reihe von Empfehlungen zur Stärkung von Fremdsprachen im Ausbildungssystem formuliert“, heißt es in einer schriftlichen Antwort des Ministeriums. Man sei dabei, zu prüfen, welche der Vorschläge umgesetzt werden sollen.

Unterrichtsminister Mattias Tesfaye lässt sein Ministerium Vorschläge einer Arbeitsgruppe prüfen. Foto: Jens Dresling/Ritzau Scanpix

Tesfaye betont die Bedeutung von Deutsch

Smith vermisst, dass Rosenkrantz-Theils Nachfolger Mattias Tesfaye (Soz.) in der öffentlichen Diskussion auf die Entwicklung beim Fremdsprachenunterricht eingeht und auf die Lehrerverbände zugeht. Die Zahlen des NCFF sollten Anlass genug sein. Tesfaye betont gegenüber dem „Nordschleswiger“, dass ihm das Thema alles andere als gleichgültig sei.

„Es ist der Regierung wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche mit guten Kenntnissen über die deutsche Sprache und Kultur ausbilden – nicht zuletzt, weil unser großer Nachbar im Süden ein wichtiger Handelspartner unserer Wirtschaft ist“, heißt es in einer schriftlichen Antwort von ihm.

Eine Analyse des Wirtschaftsverbandes Dansk Industri aus dem Jahr 2021 zeigt, dass mehr als 60 Prozent der Unternehmen schätzen, dass sie innerhalb der kommenden fünf Jahre Arbeitskräfte mit Deutschkenntnissen benötigen werden.

„Mein Ministerium untersucht derzeit die Empfehlungen der Arbeitsgruppe (zum Fremdsprachenunterricht). Danach werden wir dazu Stellung beziehen, welche der Empfehlungen eventuell umgesetzt werden können“, so Tesfaye.

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