Deutsche Minderheit

Gegen den Trend: Keine Anmelde-Explosion an deutschen Kitas

Veröffentlicht Geändert
Die Kita-Plätze bei den Einrichtungen der deutschen Minderheit sind beliebt. Die Nachfrage ist jedoch gleichbleibend hoch.

Anders als an den Schulen erleben die deutschen Kitas in Nordschleswig keinen Anmelde-Boom. Die Nachfrage nach einem Platz in einem der Kindergärten ist zwar hoch, das war sie jedoch schon immer.

Die Schulen der deutschen Minderheit werden überrannt. In diesem Jahr stieg die Nachfrage explosionsartig. Der wachsende Trend zeichnet sich schon länger ab. Bislang bewegten sich die Anstiege der Schülerinnen- und Schülerzahlen jedoch im niedrigen zweistelligen Bereich.

Bei der jüngsten Zählung im September verzeichnete der Deutsche Schul- und Sprachverein (DSSV) einen Zuwachs von 233 Kindern und Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt 1.568 Schülerinnen und Schüler besuchen die 13 Schulen des DSSV in Nordschleswig – das Gymnasium ausgenommen.

Neben den Schulen betreibt der DSSV auch 19 Kitas. „Die Größen unserer Kindergärten variieren“, sagt Stefan Sass vom DSSV. „Insgesamt betreuen wir derzeit 732 Kinder in unseren Einrichtungen, wenn man die Schulkinder nicht mitrechnet, die nachmittags im Hort betreut werden.“

Eine Explosion wie an den Schulen erleben wir in den Kitas nicht.

Stefan Sass, Abteilungsleiter der DSSV-Kindergärten

Nach den Worten von Sass ist die Nachfrage nach einem Platz an den deutschen Kindergärten hoch. Das sei sie jedoch immer gewesen. „Eine Explosion wie an den Schulen erleben wir in den Kitas nicht“, erklärt der Abteilungsleiter der DSSV-Kindergärten.

Der Unterschied zu den Schulen

Woran es liegt, dass der Boom an den Schulen sich nicht in den Kitas abzeichnet, kann Sass nur mutmaßen. Möglicherweise sei der Anteil der Zugezogenen mit kleinen Kindern nicht so hoch.

Es gebe aber noch einen großen Unterschied: In den Kommunen Sonderburg, Hadersleben und Tondern unterliegen die deutschen Kindergärten den Verteilungsschlüsseln der Kommune. Sprich: Der DSSV hat dort überhaupt keinen Einfluss darauf, wer einen Kitaplatz bekommt und wer nicht.

„In den Kindergärten in Apenrade ist das etwas anders, die Plätze vergeben wir selbst“, so Sass. Das betrifft immerhin zehn der 19 DSSV-Kindergärten. Aber auch hier sind die Einrichtungen in die nationalen Vergaberichtlinien eingebunden. „Wenn wir freie Plätze haben, vergeben wir sie – egal an wen.“

Wenn wir freie Plätze haben, vergeben wir sie – egal an wen.

Stefan Sass, Abteilungsleiter der DSSV-Kindergärten

Erst wenn es an die Wartelisten geht, spielen Vergabe-Parameter eine Rolle. „Der DSSV befindet sich derzeit in intensiven Gesprächen zu Aufnahmekriterien. Da reden die Kita-Verantwortlichen natürlich auch mit.“

Zum jetzigen Zeitpunkt würden sich die Vergabekriterien jedoch nicht von der allgemeinen Handhabung unterscheiden. „Zum Beispiel werden Geschwisterkinder von Kindern bevorzugt, die bereits in dem Kindergarten betreut werden. Das ist aber auch außerhalb der Minderheit gängige Praxis.“

Wartelisten in den Kindergärten

Nicht überall müssen Wartelisten geführt werden. „Teilweise haben wir noch freie Plätze. Eine hohe Nachfrage erleben wir vorwiegend in Hadersleben und Sonderburg. Aber dort wird die Vergabe ohnehin durch die Kommune geregelt“, erklärt Sass.

Gleiche Elternbeiträge

Finanziell unterscheiden sich die deutschen Kindergärten für die Eltern übrigens nicht von den dänischen. Die Elternbeiträge unterliegen in den Kommunen Sonderburg, Hadersleben und Tondern den kommunalen Sätzen.

In den Apenrader Kindergärten habe sich der DSSV laut Sass darauf festgelegt, sich ebenfalls am kommunalen Satz zu orientieren. „Zum einen, um für die kommunalen Einrichtungen keine Konkurrenz darzustellen, zum anderen aber auch, weil es kein Luxus sein soll, sich einen deutschen Kindergarten leisten zu können.“

Die aktuellen Beiträge für einen Kitaplatz in der Kommune Apenrade hat Sass parat: „Hier zahlen Eltern pro Jahr derzeit 40.000 Kronen für ihr Kind im Kleinkind-Alter und 22.000 Kronen für einen regulären Kita-Platz – also ab 3 Jahren.“

Personalsituation

Anders als in Deutschland ist die Personalsituation im Kita-Bereich der Minderheit nicht so angespannt. Sass: „Wir können uns nicht beschweren, es ist aber auch nicht ganz einfach. Das liegt jedoch nicht daran, dass wir weniger qualifiziertes Personal finden, sondern mehr benötigen.“

Grund dafür ist, dass Dänemark den Betreuungsschlüssel angepasst hat. Das ist laut Sass begrüßenswert und notwendig, weil diese Normierung die Betreuungsqualität verbessert. Es erkläre aber auch, warum die Personalsituation nicht nur rosig ist.