Deutsche Minderheit

Autorsein der geilste Job: „Aber auch ganz schön tough“

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Silas Matthes unterhält sich mit den Kindern der 5. und 6. Klasse der Deutschen Schule Sonderburg.

Silas Matthes stellte am Dienstag sein erstes Buch in der Ralf-Tube-Serie in der Deutschen Bücherei Sonderburg vor. Vor der Autorenlesung sprach der Hamburger mit dem „Nordschleswiger“ über Höhen und Tiefen – wovon er einst träumte, was er selbst gerne liest – und warum er das Schreiben so toll findet.

„Ich lese euch was vor, und dann quatschen wir mal miteinander.“ Der 33-jährige Autor Silas Matthes aus Hamburg war völlig entspannt und nahm seinen Besuch am Sonderburger Alsensund ganz easy und gelassen. Er genoss sichtlich die Atmosphäre in der gemütlichen deutschen Bücherei im Sonderburger Multikulturhaus.

Lässig setzte er sich in den vor einem alten Sprossenfenster platzierten braunen Ledersessel. Dann erzählte er den 35 Mädchen und Jungen von seinem neuesten Buch in der Ralf-Tube-Reihe. Von Ralf, der unbedingt ein großer YouTube-Star werden möchte. Von Träumen, Freundschaft und vielen Stolpergefahren.

So kam er zur schreibenden Zunft

Aber wie kam Silas Matthes zur schreibenden Zunft? Was animierte ihn zu diesem Drang, anderen Menschen etwas zu erklären und vielleicht auch die Augen zu öffnen? Auf diese Fragen antwortete der Hamburger vorab.

Das Thema Jugend und Web ist für ihn im Augenblick immens wichtig. „Es ist wirklich krass. Einige müssen ihre Handys vor dem Unterricht abgeben, und sie erhalten sie erst nach dem Unterricht wieder. Für einige ist das eine Befreiung“, so Matthes, der selbst von einer Dopamin-Sucht spricht. Dopamin ist ein Glückshormon, das das Hirn ausschüttet, wenn Posts in den sozialen Medien geliked oder kommentiert werden. 

Er nimmt sich selbst als Beispiel: „Ich bin selbst zu viel am Handy. Ich würde mehr als 15 Bücher veröffentlicht haben, wenn es das Internet nicht geben würde“, gibt er bereitwillig zu. Sein größter Zeitfresser sind YouTube und Instagram. Sein neuestes Werk ist ein Tagebuch-Roman mit Comic-Elementen. Er will nie moralisch werden, „aber es muss ein guter Umgang mit dem Thema Web gefunden werden“.

Silas Matthes kommt immer gern nach Dänemark.

Zum zweiten Mal in der deutschen Bücherei

Silas Matthes ist zum zweiten Mal Gast in der deutschen Bücherei am Alsensund. 2017 stellte er sein erstes Buch „Miese Opfer“ vor. In dem ging es um das Mobbing. 

Hast du immer gewusst, dass du schreiben willst? 

„Nein. Gar nicht. Mein Berufswunsch war Naturforscher. Oder Handballstar“, gibt er lächelnd zu. Handballmäßig blieb Matthes auf dem kleineren Niveau. Mit 18 Jahren begann dann das Schreiben: „Ich sag den Schülern immer, dass ich das nicht mit deren Lehrern abgesprochen habe: Es war im Deutschunterricht. Wir hatten eine Kreativaufgabe, und das hat mir ganz viel Spaß gemacht. Ich war total hooked“, so Silas Matthes.

Abgesehen von der Lesekrise in den Teenagerjahren, war der Autor immer ein sehr fleißiger Leser. Er liebte die dicken Fantasie-Schinken. Sein Lieblingsautor ist Michael Ende („Die unendliche Geschichte“). 

Die Kinder der Deutschen Schule Sonderburg waren bereit für die Autorenlesung in der deutschen Bücherei.

Der Markt ist hart umkämpft

Hast du nie bereut, dass du Schriftsteller geworden bist?

„Nee – oder doch. Jeden zweiten Tag. Ich liebe, was ich mache. Es ist aber auch tough und stressig. Man muss Schmerzen gewohnt sein. Man wird manchmal ignoriert, wenn man kein Bestsellerautor ist. Oder man ist auch rasch nicht mehr so wichtig. Der Markt ist hart umkämpft“, muss der 33-Jährige aus Hamburg zugeben.

Matthes ist von Natur her ein sehr geduldiger Mensch. Als Autor muss man auch einsehen, dass Dinge nicht einfach gemacht werden. „Es ist mein Traumberuf. Ich liebe es, vor Klassen zu stehen. Ich liebe es, mir Geschichten auszudenken und zu schreiben, obwohl das Schreiben auch anstrengend sein kann. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht schön“, sagt der Hamburger. Matthes gehört seit seinem Studium in Hildesheim zur Autorenzunft.  Noch während seines Studiums wurde sein erstes Buch veröffentlicht. Er hat bislang 15 Bücher verfasst, einige auch unter Pseudonym. 

Es ist der geilste Job auf der Welt. Aber man kann nicht alles schönreden. Als Kreativer ist es immer ein Strike. Ich nehme das gerne mit. Es ist ein Riesenprivileg, dass ich diesen Job machen kann.

Silas Matthes

„Es ist der geilste Job auf der Welt. Aber man kann nicht alles schönreden. Als Kreativer ist es immer ein Strike. Ich nehme das gerne mit. Es ist ein Riesenprivileg, dass ich diesen Job machen kann“, so Silas Matthes. Sein erstes Ralf-Tube-Buch erschien 2021.

Neben der Schreibtätigkeit hat er sich als Sprachförderer für erwachsene Zugezogene eine weitere feste Einnahmequelle erarbeitet.

Büchereileiterin Susann Etienne mit dem ersten Ralf-Tube-Buch „Von Lauch zur Legende"