Infrastruktur

Jetzt ist es offiziell: Deutschland bummelt bei der Fehmarn-Verbindung

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Patrick Schnieder möchte sich mit der dänischen Seite in Verbindung setzen.

Die deutsche Regierung hat bislang daran festgehalten, dass die Gleisanbindung für den Fehmarnbelttunnel rechtzeitig fertig wird. Nachdem am Montag der vergangenen Woche klar wurde, dass sie um drei Jahre verspätet wird, gesteht Patrick Schnieder in einer Antwort an den „Nordschleswiger“ ein, dass es nicht gelingen wird.

Am Montag, 21. Juli, wurde offiziell, was schon lange ein offenes Geheimnis war: Die Zugverbindung durch den Fehmarnbelttunnel wird für mindestens drei Jahre auf deutscher Seite unvollständig bleiben. Die Deutsche Bahn (DB) wird nicht rechtzeitig fertig werden.

Gut eine Woche später räumt nun auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ein, dass Deutschland seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann.

Verspätung wurde durch Planunterlagen bekannt

Man habe Beschleunigungsmaßnahmen eingeleitet, diese könnten „nach aktueller Einschätzung nicht mehr in vollem Umfang (die Verspätung, Red.) kompensieren“, schreibt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums (BVM) auf Nachfrage am Mittwoch an den „Nordschleswiger“.

Am Montag der vergangenen Woche veröffentlichte das Eisenbahn-Bundesamt die Planunterlagen für den Tunnel, der Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet. Aus ihnen ging hervor, dass dieser nicht wie geplant Ende 2029 fertig wird, sondern frühestens drei Jahre später.

Staatsvertrag verpflichtet Deutschland zum rechtzeitigen Bau

Der dänische Verkehrsminister Thomas Danielsen (Venstre) sagte am vergangenen Mittwoch dem „Nordschleswiger“, er werde die Sache genau verfolgen.

„Mein Ministerium hat sich an das deutsche Ministerium gewandt, um vertiefende Erklärungen zu den Planunterlagen zu erhalten“, so Danielsen.

Deutschland hat sich in einem Staatsvertrag aus dem Jahr 2008 dazu verpflichtet, die Hinterlandanbindung fertigzustellen, während Dänemark die Beltquerung baut. Beides soll gleichzeitig fertig werden.

„Das BMV (hat sich) im Sinne des Artikels 22 des gemeinsamen Staatsvertrags nun an die dänischen Partner gewandt und vorgeschlagen, dass die Vorhabenträgerinnen Femern A/S und DB InfraGO AG zeitnah einen an die aktuellen Gegebenheiten angepassten Inbetriebnahmetermin abstimmen“, so der Sprecher des Ministeriums.

Er verweist darauf, dass auch die Tunnelbaugesellschaft Femern A/S von Verspätungen auf der dänischen Seite ausgeht. Diese werden jedoch nach Einschätzung des Unternehmens eher Monate als Jahre betragen.

BVM strebt „schnellstmögliche Umsetzung“

Wie im „Nordschleswiger“ beschrieben, hat die Bundesregierung bislang daran festgehalten, dass die Gleisanbindung rechtzeitig fertig wird. Neun Tage nachdem das Eisenbahn-Bundesamt die Planunterlagen veröffentlicht hat, kommt nun auch das offizielle Eingeständnis des Bundesverkehrsministeriums.

„Die DB AG hat mit Schreiben vom 23. Juli 2025 dem Bundesverkehrsministerium mitgeteilt, dass sich die Umsetzung der Hinterlandanbindung für die feste Fehmarnbeltquerung über 2029 hinaus verzögern wird“, heißt es in dem Schreiben.

Man werde den Prozess eng begleiten. „Das Ziel bleibt weiterhin die schnellstmögliche Umsetzung der für beide Länder wichtigen Verbindung“.

Die Antwort des Bundesverkehrsministeriums im Wortlaut

Die DB AG hat mit Schreiben vom 23. Juli 2025 dem Bundesverkehrsministerium mitgeteilt, dass sich die Umsetzung der Hinterlandanbindung für die feste Fehmarnbeltquerung über 2029 hinaus verzögern wird. Kürzlich zuvor veröffentlichte Unterlagen des Eisenbahn-Bundesamts kamen bereits für den Teilabschnitt Fehmarnsundquerung zu einem ähnlichen Ergebnis.

Als Gründe für eine Anpassung des Zeitplans werden vor allem Schwierigkeiten beim Abschluss der Planungen und der Baurechtserlangung angeführt. Die eingeleiteten Beschleunigungsmaßnahmen können dies nach aktueller Einschätzung nicht mehr in vollem Umfang kompensieren.

Da die dänische Projektgesellschaft Femern A/S in ihrem Geschäftsbericht 2024 ebenfalls ernsthafte Terminrisiken auf dänischer Seite adressiert hat – verbunden mit der Ankündigung, den weiteren Zeitplan nach Absenkung der ersten Tunnelelemente neu zu bewerten – hat sich das BMV im Sinne des Artikel 22 des gemeinsamen Staatsvertrags nun an die dänischen Partner gewandt und vorgeschlagen, dass die Vorhabenträgerinnen Femern A/S und DB InfraGO AG zeitnah einen an die aktuellen Gegebenheiten angepassten Inbetriebnahmetermin abstimmen.

Diesen Prozess wird das BMV eng begleiten. Das Ziel bleibt weiterhin die schnellstmögliche Umsetzung der für beide Länder wichtigen Verbindung.