Flugsicherheit

Drohnen über Flughäfen in Nordschleswig – Verteidigungsminister spricht von hybridem Angriff

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Ein Polizist am Rande des Kopenhagener Flughafens – hier wurden am Dienstag Drohnen gesichtet.

Am späten Mittwochabend sind über den Flughäfen in Esbjerg, Sonderburg und Skrydstrup Drohnen gesichtet worden. Polizei und Sicherheitsbehörden hoffen nun auf Fotos und Videos, um mehr in Erfahrung zu bringen.

Am Mittwoch kurz vor 22 Uhr gingen bei der Polizei für Südjütland und Nordschleswig mehrere Meldungen über Drohnenaktivitäten ein. Die unbemannten Luftfahrzeuge wurden an den Flughäfen Esbjerg, Sonderburg und Skrydstrup gesichtet, und es seien auch welche über dem nördlichen Stadtgebiet von Esbjerg geflogen. „Unsere Streifenwagen sind sofort in die betroffenen Bereiche gefahren, um die Beobachtungen zu überprüfen und die Lage zu dokumentieren“, teilte ein Sprecher der Polizei Donnerstagnacht in einer Pressemeldung mit.

Die Sichtungen wurden bestätigt. Die Drohnen flogen mit Licht und waren vom Boden aus klar erkennbar. Welche Art von Drohnen im Einsatz war, ist bislang unklar. „Wir nehmen die Vorfälle sehr ernst und arbeiten derzeit in enger Abstimmung mit dem Nachrichtendienst PET und den Streitkräften daran, die genauen Umstände aufzuklären“, so die Polizei weiter. Angaben zu möglichen Hintergründen oder Tatpersonen könne man derzeit nicht machen.

Auch über dem kombinierten militärischen und zivilen Flughafen Aalborg wurden Drohnen gesichtet. Hier wurden die Flughäfen zeitweise geschlossen.

Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) spricht bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen von einem „hybriden Angriff“.

„Die Systematik mit mehreren fast gleichzeitigen Angriffen deutet auf einen professionellen Akteur hin. Das waren keine Spielzeugdrohnen“, sagte er.

Sonderburger Flugbetrieb nicht betroffen

Eine Schließung der Flughäfen in Nordschleswig war nicht notwendig. Da in Sonderburg ohnehin erst ab 7 Uhr am Donnerstagmorgen und in Esbjerg ab 8 Uhr wieder Linienflüge anstehen, entstand kein unmittelbarer Einfluss auf den Flugverkehr. „Es besteht keine Gefahr für Reisende an den Flughäfen oder für Anwohnende in den betroffenen Regionen“, betont die Polizei.

Verteidigungschef Michael Hyldegaard sagte auf der Pressekonferenz, dass man die Drohnen aus Sicherheitsgründen nicht abgeschossen hat. „Den Beschluss haben wir auf der Grundlage einer militärfachlichen Einschätzung gefasst“, sagte er.

Es sei eine Frage der Proportionalität: „Wir können nicht einfach in die Luft schießen, denn die Dinge kommen ja wieder herunter. Es nützt nichts, eine einzelne Drohne abzuschießen, wenn so viele in der Luft sind.“

Lund Poulsen betonte, dass es aktuell keine direkte militärische Bedrohung Dänemarks gebe. Er bezog sich dabei auf die Einschätzung des militärischen Nachrichtendienstes FE.

Sollten sich weitere Vorfälle ereignen, wird die Polizei nach eigenem Bekunden auch in Betracht ziehen, die Drohnen vom Himmel zu holen – sofern dies sicher geschehen kann. Anwohnerinnen und Anwohner bittet die Polizei, ungewöhnliche Drohnenflüge unverzüglich über den Notruf 114 zu melden. Fotos oder Videos der Vorfälle in möglichst hoher Qualität könnten eine wichtige Hilfe für die Ermittlungen sein.

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