Eishockey

Unwürdig! – Heftige deutsche Kritik an WM-Gastgeber Dänemark

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Herning ist zum zweiten Mal nach 2018 Ausrichter der Eishockey-WM.

Schlechte Eisqualität und unprofessionelle Rahmenbedingungen. Deutsche Spieler, Funktionäre und Medien sind von der Eishockey-WM in Herning wenig begeistert.

Ein großes Loch im Eis sorgte bei Deutschlands 5:2-Sieg gegen Norwegen für eine längere Unterbrechung und war für Gastgeber Dänemark eine peinliche Panne bei der Eishockey-Weltmeisterschaft, doch nicht nur das Loch im Eis hat in Deutschland für Aufregung gesorgt.

Deutsche Spieler, Funktionäre und Medien richten heftige Kritik an die Rahmenbedingungen in und um „Boxen“ in Herning.

Slush-Eis in Herning

„Unwürdig“ sei nicht nur das Loch im Eis, sondern auch die schlechte Eisqualität in der Halle, wo normalerweise kein Eishockey gespielt wird.

„Es ist ganz schwer. Es ist meiner Meinung nach auch einfach gefährlich für den Spieler, weil das Eis so weich ist. Mir kommt es so vor, als ob sie in der Drittelpause alles nur schnell, schnell machen und nicht richtig gründlich. Da muss man vielleicht auch mal ein bis zwei Minuten länger machen, damit das Eis richtig anzieht“, kritisierte NHL-Star Philipp Grubauer gegenüber „Sport 1“.

Das weiche Eis habe extreme Auswirkungen auf Grubauers Torwartspiel: „Du sinkst extrem ein und kannst dann nicht mehr rutschen. Das Eis schmilzt einfach sehr schnell. Es ist dann eher wie so ein Slush-Eis. Wenn du stehst, fühlt es sich so an, wie wenn du im Sandkasten mit Gewichten läufst. Da sinkst du auch immer einen Zentimeter mehr ein.“

Es geht um die Sicherheit der Spieler

Die Eisqualität sei nicht das einzige, was nicht WM-würdig ist, schreibt „Sport 1“. Spielt Gastgeber Dänemark nicht, ist die Halle, die 12.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bietet, oft nur zu einem Drittel gefüllt. Den Negativrekord gab es beim Spiel zwischen Kasachstan und Ungarn, als nur 1.972 Fans kamen.

Unzumutbare Reisestrapazen

Die Lehre müsse sein, „dass man sich nicht nur um den Ticketverkauf beim eigenen Team kümmert und mit einer gewissen Zahl zufrieden ist“, sagte Christian Künast dem „sid“.

Journalist Moritz Thienen regt sich in dem „Sport 1“-Artikel zudem über die offenbar unzumutbaren Reisestrapazen auf. Rund 15 Autominuten berechnet er für die 6,1 Kilometer zwischen „Boxen“ und der Trainingshalle, „Kvik Hockey Arena“, wo Dänemarks Rekordmeister Herning Blue Fox spielt.

„Ärgerlich für die anwesenden Journalisten und auch für die Spieler: Die Trainingseinheiten finden nicht etwa in der Spielhalle, sondern in der Halle des lokalen Eishockey-Teams (zirka 15 Autominuten entfernt) statt. Anschließende Interviews müssen aber in der Mixed-Zone in der Spielhalle geführt werden, weshalb sowohl die Journalisten als auch die Spieler pendeln müssen. Das Prozedere erinnert stark an die Fußball-WM in Katar, als die Spieler für Pressekonferenzen teilweise fast zwei Stunden durch das halbe Land fahren mussten. So extrem ist es bei der Eishockey-WM zum Glück nicht. Trotzdem rundet es die sehr unprofessionellen Bedingungen in Dänemark ab“, schreibt Moritz Thienen.

Die Nationalmannschaften Deutschlands und Dänemarks stehen sich am Dienstag ab 20.20 Uhr in einem echten Endspiel um den letzten Viertelfinal-Platz gegenüber.