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Umbruch in Tondern: Einzelhandelsinitiative „Sammen“ verliert ihren Motor

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Die Initiative „Sammen“ war die Idee von Claus Scheelke. Er wurde 2023 als Projektleiter eingestellt (Archivfoto).

Wegen ausbleibender Fördermittel muss der Einzelhandelsverein „Tønder Handelsstandsforening“ die Arbeit der Visionsgruppe „Sammen“ neu ordnen – und verliert mit Claus Scheelke ihren kreativen Kopf. Für viele Tonderanerinnen und Tonderaner stellt sich nun die Frage, wie es mit der Innenstadtentwicklung, neuen Initiativen und dem beliebten Weihnachtsmarkt weitergeht.

Die Visionsgruppe „Sammen“, die seit 2023 die Entwicklung des Einzelhandels in Tondern vorantreibt, steht vor einem tiefen Einschnitt: Die Projektstelle, die bislang von Claus Scheelke besetzt war, wird mit Ausgang des Monats Februar 2026 gestrichen. Grund dafür sind fehlende kommunale Mittel und eine Neupriorisierung innerhalb von „Tønder Handelsstandsforening“, dem Trägerverein der Visionsgruppe.

Finanzielle Engpässe zwingen zur Neuordnung

Wie der Einzelhandelsverein mitteilt, wurde „Sammen“ im Herbst nicht der beantragte Zuschuss der Kommune Tondern gewährt. Trotz zusätzlicher Bemühungen – etwa dem Verkauf von Anteilseignerschafts-Zertifikaten gezielt für den Weihnachtsmarkt und neuen Sponsoring-Versuchen – fehlten am Ende die Mittel, um die Vollzeitstelle weiterzuführen, ist der Pressemitteilung zu entnehmen.

„Wir müssen die Ausgaben der aktuellen Situation anpassen“, sagt Frank Hoffmann, Vorsitzender des Einzelhandelsvereins und Mitglied der Visionsgruppe. „Unser Zuschuss soll vor allem in Ideenentwicklung und neue Perspektiven für Tondern fließen. Eine Vollzeitstelle können wir mit den vorhandenen Mitteln nicht verantworten.“

Scheelke als Motor vieler Initiativen

Mit dem Wegfall der Stelle verliert „Sammen“ jedoch mehr als organisatorische Kapazität. Die Arbeit von Claus Scheelke hat die Stadt in den vergangenen Jahren sichtbar geprägt. Viele der leerstehenden Immobilien in der Tonderner Innenstadt konnten wieder mit Geschäften gefüllt werden. Es ist zudem ein neues Wir-Gefühl entstanden: Ganz viele packen – unentgeltlich – mit an, um die Attraktivität der Stadt zu erhöhen. Auch der Weihnachtsmarkt Tondern, einst Touristenmagnet und Alleinstellungsmerkmal der Wiedaustadt, erstrahlt durch den Umzug auf den Kirchplatz nach einem kräftigen Make-over unter der tatkräftigen und ideenreichen Führung von Claus Scheelke im wahrsten Wortsinn in neuem Glanz.  

Scheelke plant nicht nur, sondern packt auch selbst an: So war er am Vorabend der beginnenden Halloween-Aktionswoche mit Farbeimer und Pinsel dabei, ein Wartehäuschen für die Bimmelbahn herzurichten – gemeinsam übrigens mit seinem 84-jährigen Vater Gerhard.

„Viele unserer Ideen wären ohne Claus nie Realität geworden“, betont Frank Hoffmann. „Er war ein enormer Gewinn für uns – fachlich wie persönlich.“

Wie geht es weiter?

Die Visionsgruppe selbst bleibt bestehen. Ihre Mitglieder, allesamt lokale Gewerbetreibende, wollen weiterhin Impulse für die Stadtentwicklung setzen, wenn auch mit weniger Ressourcen. „Die Priorität liegt künftig stärker auf Konzeptarbeit als auf operativer Umsetzung“, so Hoffmann.

Für Scheelke selbst ist die Zukunft noch offen. Bis zum Ablauf seines Vertrags am 28. Februar 2026 bleibt er formal Projektverantwortlicher, doch über seine weitere Rolle nach der Übergangszeit denkt er derzeit nach, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Die Nachricht aus dem Sekretariat des Einzelhandelsvereins ist nicht nur ein personalpolitisches Detail. Die Frage, wie „Sammen“ ohne die Handschrift Scheelkes funktionieren kann – und wie sich Tonderns Stadtentwicklung künftig gestaltet – könnte die Debatte in den kommenden Monaten prägen.

An dem Artikel wurden am 4. Dezember, 14 Uhr, kleinere Veränderungen vorgenommen. Außerdem wurden einige Artikel zum Einzelhandelsinitiative „Sammen“ angehängt.

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