Strickfestival 2025

Mit Zopf, Loch und Leidenschaft: Die Frauen hinter Tonderns Strickzauber

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Draußen regnete es Bindfäden und drinnen wurden meterweise Wollfäden verstrickt. Im Vordergrund sitzen die Strickdamen, stehend im Hintergrund sind Eventkoordinatorin Tjorven Dau-Schmidt (l.) und Helle Schack (r.), Vorstandsmitglied des Strickfestivals „Masker i Marsken“, zu sehen.

Von akribischem Zopfmuster bis zur pragmatischen Blüte ohne Fadenvernähen – die Strickerinnen der Tonderner Innenstadt sind so verschieden wie ihre Handarbeiten. Wer sie sind, warum sie mitmachen und was sie verbindet, erzählen sie im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Jeden Mittwochvormittag wird in der Vestergade 4 in Tondern nicht nur gestrickt, sondern auch gelacht, gefachsimpelt – und ein bisschen gestritten. Über Maschenzahlen, Muster und manchmal auch über Prinzipien.

Denn so ein Eimerüberzug, so harmlos er wirken mag, kann zur echten Charakterfrage werden.

Ella Madsen zum Beispiel hat eine klare Haltung. „Ich stricke mit Zopfmuster“, sagt sie und lässt die Nadeln klappern. Die ganze Zeit glatt rechts? Das wäre ihr zu langweilig. Auch wenn sie „nur“ schwarze Plastikeimer umhüllt – ein Muster muss schon sein. Wenn etwas nicht stimmt? Dann wird aufgetrennt, selbstverständlich. „Mach’ ich einen Fehler, ribbel ich natürlich alles wieder auf“, sagt sie mit ernster Stimme – und einem kleinen, augenzwinkernden Lächeln.

Ein paar Stühle neben ihr sitzt Karen Jepsen, die das mit dem Perfektionismus etwas lockerer sieht. Wenn eine ihrer gestrickten Blüten mal ein Loch zu viel oder zu wenig hat, wird es einfach beim Montieren kaschiert. „Das sieht später keiner“, sagt sie lachend.

Als andere in der Runde dann gestehen, dass sie sich Vernähen von Fäden sparen, schüttelt Ella den Kopf – aber freundlich. Man kennt sich, man neckt sich, und am Ende lachen wieder alle.

Kreativ sein für die Gemeinschaft

Ella Madsen, Dorte Jensen und Hanne Lorenzen stricken alle leidenschaftlich gern und viel. Dorte und Hanne haben sogar einen gemeinsamen Pullover, das heißt, jede hat ihren eigenen Pullover, in ihrer Lieblingsfarbe. Sie haben aber dasselbe Strickmuster genutzt.

Ella und Karen gegenüber sitzt Dora Petersen, die bei dieser Aktion erst so richtig wieder zum Stricken gefunden hat. Angefangen hat sie – wie viele – in der Kindheit: Mit einem zehn Maschen breiten Schal für die Puppe. Mutter und Großmutter haben viel gestrickt, aber gelernt hat Dora es in der Schule. „Das war damals so“, sagt sie.

Richtig gestrickt hat sie für sich selbst allerdings nie. Keine Pullover, keine Jacken. Strümpfe, Babysachen und Ähnliches bekam sie im Laufe der Jahrzehnte schon fertig, aber richtig Spaß am Stricken hat sie bei einem Verschönerungsprojekt ihrer jetzigen Wohnstraße entdeckt.

Und nun hat es ihr dieses Projekt des Tonderner Einzelhandelsvereins angetan. Sie hilft gern anderen. Dora Petersen gehört stets zum Korps der Ehrenamtlichen von Tonderns Kirchengemeinde, und jetzt greift sie zu den Stricknadeln, um anderen zu helfen und um so mitzuwirken, Tondern zu verschönern. Was hier mittwochs produziert wird, soll anlässlich des Strickfestivals „Masker i Marsken“ die Innenstadt schmücken.

Entwickeln und wickeln

Dora Petersen strickt einen Überzug für einen der schwarzen Plastikeimer.

In der Strickgruppe hat Dora maßgeblich mitentwickelt, wie man die aufwendigen Kelchblätter an den gestrickten Blumen vereinfachen kann. „Die Anleitung sah kleine gestrickte grüne Blätter vor. Das war eine irre Friemelarbei“, erzählt Dora. Also entwickelte die Gruppe eigene Lösungen: erst kleine grüne Schläuche zum Überstülpen, dann einfaches Umwickeln mit Garn. Der Effekt bleibt – der Aufwand sinkt. Eine echte Gruppenleistung, die nicht nur Zeit spart, sondern auch zeigt, wie kreativ die Frauen miteinander arbeiten.

Die Strickerinnen sind verschieden – in ihren Beweggründen ähneln sie sich: Gemeinschaft, Kreativität, Freude am Machen. Viele von ihnen sind schon lange in Strickgruppen aktiv, andere sind erst durch diese Aktion wieder eingestiegen.

Generationsübergreifende Strickgruppe

Statt aufwendig Kelchblätter zu stricken und anschließend montieren zu müssen, wickeln die Damen die grüne Wolle fest um den unteren Teil der Blüte, und mithilfe von Heißkleber hält die Blüte auch fest am Zweig.

Auch wenn das Wetter oder die Sommerferien mal für eine kleinere Runde sorgen – die Stimmung ist stets gut. Die meisten der Anwesenden gehören diesmal der „Fraktion der Grauhaarigen“ an. „Beim letzten Mal war auch eine junge Mutter mit ihrem Baby dabei“, betont Tjorven Dau-Schmidt, Eventkoordinatorin des Einzelhandelsvereins und Initiatorin der Strickgruppe „Tønder strikker sammen“. „Die Gruppe ist offen für alle – alle Generationen und alle Geschlechter.“

Tjorven selbst hat durch die Gruppe etwas dazugelernt – vor allem über sich selbst: „Ich muss gestehen, ich kann eigentlich gar nicht richtig stricken. Aber jetzt hab ich Lust bekommen, es wirklich zu lernen. Ich finde zudem, ich bin es den Damen schuldig, dass ich es wenigstens versuche.“ Die Reaktion der Runde: zustimmendes Nicken, aufmunternde Worte.

Dreiteilige Miniserie zur Initiative „Tønder strikker sammen“:

„Tønder strikker sammen“

ist der Name der Strickgruppe, die sich jeweils mittwochs ab 10 Uhr im ehemaligen Lederwarenladen in der Vestergade 4 trifft. Es handelt sich um eine Initiative des Tonderner Einzelhandelsvereins „Tønder Handelsstandsforening“. Wer mitmachen möchte, setzt sich mittwochs einfach dazu oder kontaktiert Eventkoordinatorin Tjorven Dau-Schmidt. Weitere Infos sind über die Facebook-Gruppe „Tønder strikker sammen“ erhältlich.

  1. Gemeinschaft in Maschen – wie Tonderns Strickrunde die Innenstadt verschönert
  2. Mit Zopf, Loch und Leidenschaft: die Frauen hinter Tonderns Strickzauber
  3. Tonderns Innenstadt wird in Strickware gehüllt