Grenzüberschreitendes

Folkbaltica 2026 will Horizonte erweitern und kein Mainstream sein

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Trio „Stundom“
Harald Haugaard (links hinten), künstlerischer Leiter des Folkbaltica-Festivals, ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Emma Elmøe (Violine), Julian Svejgaard (Klavier) und Villads Hoffmann (Cister) zu spielen. Das Trio „Stundom“ ist Hauskünstler beim kommenden Festival.

Wiederholungen? Das mögen die Verantwortlichen bei Folkbaltica nicht. Daher werden für das kommende Festival neue Horizonte eröffnet, auf die sich sowohl Publikum als auch Künstlerinnen und Künstler freuen können. Hauskünstler ist im kommenden Jahr erstmals eine Band. Sie sei eine Hommage an die Demokratie in der Musik und die gemeinsame Kraft des Schaffens.

„Wiederholung kann Stillstand bedeuten“, sagt Harald Haugaard, künstlerischer Leiter des Folkbaltica-Festivals. Deshalb gibt es bei der kommenden Auflage des Folkfestivals neue Ansätze und erstmals nicht eine Hauskünstlerin oder einen Hauskünstler, sondern gleich drei Hauskünstlerinnen und Hauskünstler. Das Trio „Stundom“ soll das kommende Festival widerspiegeln, das die Besucherinnen und Besucher unter dem Motto „Horizonte“ musikalisch auf der Reise zu neuen Horizonten begleiten soll. 

„Wir brauchen Horizonte, wir brauchen Perspektive, wir brauchen Verständnis füreinander, wir brauchen Verbindungen. Musik verbindet. Wir wollen zusammen mit Menschen und der Musik Horizonte öffnen – nicht nur geografisch oder musikalisch – sondern auch in jedem Einzelnen“, so Haugaard. 

In stürmischen Zeiten sei die Musik das, „was uns zusammenhält“. Daher gehe es 2026 auf Reisen, die quer durch den Norden führen. Von Schleswig-Holstein und Süddänemark über die Shetlandinseln und Färöer bis nach Grönland. Von der Ostsee über die Nordsee.

„Der Horizont liegt dabei nicht vor uns und auch nicht hinter der dänisch-deutschen Grenze, sondern weit, weit weg und erinnert uns an die Vielfalt der Kulturen der Welt“, sagt der künstlerische Leiter. 

„Noch so viel Gutes zu erwarten“

Emma Elmøe (Violine), Julian Svejgaard (Klavier) und Villads Hoffmann (Cister) teilen diese besondere Chemie. Sie verbinden Musiktraditionen mit zartem Klang und poetischer Kraft.  Das junge dänische Trio schafft mit minimalistischen Mitteln feine Melodien und weite Klanglandschaften. Im neuen Stadtspeicher in Flensburg mit einem herausragenden Blick über den Hafen und die Förde kommt diese Weite besonders gut zum Tragen, als das Trio mit dem Stück „Så meget godt i vente“ (Noch so viel Gutes zu erwarten) die Anwesenden sichtbar berührt. 

Hommage an die Demokratie

Wir wollen zusammen mit Menschen und der Musik Horizonte öffnen – nicht nur geografisch oder musikalisch – sondern auch in jedem Einzelnen.

Harald Haugaard

Das Kollektiv, diese Band, sei eine Hommage an die Demokratie in der Musik und die gemeinsame Kraft des Schaffens, sagt Haugaard, der sich für das zweite Stück dem Trio anschließt. Mal zart, mal treibend vereinen „Stundom“ tanzbare Folkmusik mit kammermusikalischer Eleganz und jazzigem Drive. Die drei Künstlerinnen und Künstler spielten bereits auf dem Roskilde Festival und freuen sich auf die Zeit als Hauskünstler beim Festival. 

„Ich und wir sind in verschiedenen Konstellationen für viele Jahre hier gewesen. Es ist eine Erfüllung, nun gemeinsam hier zu sein“, sagt etwa Julian Svejgaard. „Es ist eine Ehre, so ein großer Teil dieses Festivals zu sein. Wir hatten so inspirierende Momente auf diesem Festival“, ergänzt Emma Elmøe. Und Villads Hoffmann freut sich auf die Zeit in Flensburg, um mit anderen Musikerinnen und Musikern in Kontakt zu kommen. Ein Solo-Konzert spielt das Trio in Hagge's Musik Pub in Tondern (Tønder) am Freitag, 8. Mai. 

Starker Fokus auf Jugendarbeit

Stundom
Das Trio beeindruckte die Anwesenden im neu sanierten Stadtspeicher Flensburg.

Das Trio wird auch bei den Schulprojekten und mit dem festivaleigenen Folkbaltica-Ensemble mitwirken. Das kommt nicht von ungefähr. „Wir sehen es als eine unserer wichtigsten Aufgaben an, die traditionelle Musik mit ihrer inspirierenden und identitätsstiftenden Kraft an diese und die nächste Generation weiterzugeben“, so Haugaard.

Dass es das Jugend-Ensemble für musikalische Talente im Alter von 15 bis 25 Jahren von beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze auch weiterhin gebe, sei den zahlreichen Unterstützenden – unter anderem dem Bund Deutscher Nordschleswiger – zu verdanken, betont Verena Andel, neben Thomas „Gerri“ Christiansen neue Festivalleiterin. 

„Stundom“ selbst freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Folkbaltica-Ensemble: „Es liegt uns besonders am Herzen, ein Musikstück für das Ensemble zu schreiben und es gemeinsam mit ihm zu spielen. Das wird großartig!“, verspricht Julian Svejgaard.

Verena Andel
Verena Andel ist neue Festivalleiterin beim Folkbaltica.

Hauptkonzerte mit Stimmen von Ost- und Nordsee

Insgesamt 28 Konzerte an 24 alten und neuen Spielstätten erwarten Musikinteressierte vom 2. bis zum 10. Mai 2026, berichtet Thomas „Gerri“ Christiansen. Neben den zwei großen Eröffnungskonzerten in Sonderburg (mit dem Sønderjysk Pigekor, Stundom, Andreas Hofmeir, Ida Marie Jessen und Ove Thomsen) und Husum steht das Motto „Horizonte“ besonders bei zwei Konzerten im Vordergrund. 

Am Freitag, 8. Mai, wird in der Flensburger St. Jürgen Kirche das Quartett „Baltic Sisters“ als „Stimmen der Ostsee“ zu hören sein, unterstützt von gleich sechs weiteren stimmgewaltigen Acts, darunter der Folkbaltica-Chor und die polnische Sängerin Marta Matuszna. 

Mainstream sind wir nicht. Wir schwimmen gern gegen den Strom, für uns ist Wiederholung keine Kreativität.

Harald Haugaard

Das zweite Hauptkonzert am Sonnabend, kuratiert von Mads Kjøller Henningsen, präsentiert dann die „Stimmen der Nordsee“ – „Stundom“, Rasmus Lyberth, Synnøve B. Plassen, Catriona MacDonald und das „Inselensemble“ – in der Werft Robbe und Berking.

Neue Auftragswerke, noch nie dagewesene musikalische Kooperationen, virtuose Konzerte und ein Wiedersehen mit den Publikumslieblingen stehen für 2026 auf dem Programm. Haugaard spricht von einer Fülle neuer Musik und Kooperationen von Künstlerinnen und Künstlern, die sich noch nie vorher getroffen haben.

Gerri Christiansen
Gerri Christiansen erklärte die Neuerungen beim kommenden Festival – vom 24-Stunden-Konzert im Volksbad bis hin zu neuen Spielstätten.

„Mainstream sind wir nicht. Wir schwimmen gern gegen den Strom, für uns ist Wiederholung keine Kreativität.“ Man wolle mit dem kommenden Festival erneut zu einer dynamischen Musikszene beitragen. Folkmusik sei dafür ein hervorragendes Mittel und eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.

Das komplette Programm findet sich auf der Webseite von Folkbaltica wieder. Die Herbstkonzerte finden vom 21. bis 23. November 2025 in Flensburg, Husum und Gravenstein (Gråsten) statt.