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„Wackelige Sønderjyske-Defensive befeuert die Abstiegsangst“

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Matti Olsen und Marcus Bundgaard nach der Niederlage gegen den FC Nordsjælland

Vier Gegentore im ersten Spiel, drei im nächsten. Die neue Sønderjyske-Defensive muss schnell die Abstimmung finden, um das große Zittern zu verhindern. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Die Sønderjyske-Fußballer machten zum Abschluss der ersten Saisonhälfte einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt und gingen mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegsplätze in die Winterpause, doch nach zwei Spieltagen des neuen Jahres ist wieder neues Leben in den Abstiegskampf gehaucht worden.

Lyngby sieht solider aus, und die abgeschriebene Vejle-Mannschaft kommt von hinten angerauscht. Wer gedacht hatte, dass alles fast schon gelaufen wäre, sieht sich eines Besseren belehrt.

Weniger konkurrenzfähig

Sønderjyske ist im neuen Jahr nach einer verkorksten Saisonvorbereitung noch ohne Punktgewinn und hat sieben Gegentore in zwei Spielen kassiert. Gegen die massiven krankheitsbedingten Ausfälle ist keiner gewappnet, aber die Auftritte in den Testspielen sind bis auf eine Ausnahme blass gewesen.

Sønderjyske sieht bislang einen Tick weniger konkurrenzfähig aus als noch vor dem Jahreswechsel. Auch weil der Aufsteiger ein Transferfenster voller Absagen hatte und erst spät seinen Kader nachrüsten konnte.

Wenn er es nicht schon vorher wusste, hat Sportchef Casper Daather im Wintertransferfenster erfahren müssen, dass er auf dem Transfermarkt nicht gerade freie Wahl hat. Sønderjyske gehört trotz Superliga-Status nicht zu den attraktivsten Vereinen, wenn sich Spieler nach einem neuen Arbeitgeber umschauen. Viele haben sich gegen das Angebot von Sønderjyske entschieden.

Ist Sønderjyske stärker geworden?

Verteidiger Matti Olsen und Torwart Marcus Bundgaard wurden für die Defensive geholt. Ein solider Verteidiger und ein vielversprechender Torwart, aber sie waren nicht erste Wahl, und sie sind auch noch den Beweis schuldig, dass die Sønderjyske-Defensive dadurch im Wintertransferfenster verstärkt worden ist.

Besonders der Torwartwechsel hat bei vielen Beobachtern Verwunderung ausgelöst. Jakob Busk gehörte sicherlich nicht zur besseren Hälfte der Superliga, zeigte sich aber als ein solider und erfahrener Torhüter, der der Sønderjyske-Abwehr Ruhe verlieh und auf dem Platz mit klaren Ansagen die Kommunikation stärkte.

Sønderjyske wollte dem ehemaligen Union-Berlin-Torwart eine Rückkehr nach Deutschland nicht verbauen. Kaum einer rechnet mit seiner Rückkehr zu den Hellblauen, obwohl er nur bis zum Saisonende an die TSG Hoffenheim ausgeliehen worden ist, um dort wegen der Verletzung von Nationaltorhüter Oliver Baumann einspringen zu können.

Stolze Summe gezahlt

Die Leihabsprache ist mit einer Kaufoption versehen, doch die Frage ist, ob der Bundesligist diese ziehen wird, bei einer baldigen Rückkehr der klaren Nummer eins und zwei talentierten Torhütern in der Hinterhand.

Die TSG Hoffenheim zahlt zunächst nur eine Leihgebühr für Busk, die allerdings nicht annähernd die Summe erreicht, die Sønderjyske für seinen Nachfolger blechen musste.

500.000 Euro lautet der Preis für Marcus Bundgaard. Eine stolze Summe. Eine der höchsten Ablösesummen der Vereinsgeschichte, wenn nicht sogar die höchste. Und das für einen Torhüter, der vor seiner Ankunft lediglich die Erfahrung aus 14 Spielen auf Erstliga-Niveau vorzuweisen hatte.

Er ist ein junger, vielversprechender Torwart, der sein großes Potenzial noch ausschöpfen muss. Dafür braucht er Zeit, von der es mitten im Abstiegskampf aber nicht viel gibt.

Selbstgemachte Unruhe

Es ist noch viel zu früh, über die Qualität der Neuzugänge zu urteilen. Sie haben eine faire Chance verdient. Die teils notgedrungene Einwechslung von Matti Olsen, der den noch wochenlang ausfallenden Daniel Gretarsson ersetzt hat, und von Marcus Bundgaard haben jedoch nicht zur Ruhe in der Hintermannschaft beigetragen, auch weil sie erst spät im Transferfenster geholt wurden und bei keinem Test gemeinsam auf dem Platz standen.

Es fehlt schlichtweg die Abstimmung, und die muss schnell gefunden werden, um das große Zittern zu vermeiden. Es stehen zwei richtungsweisende Heimspiele gegen Silkeborg und AaB an, dazwischen das Auswärtsspiel gegen Tabellenführer FCK.

Die Sønderjyske-Defensive steht auf dem Prüfstand.