Gastkommentar

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“

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Traue nicht vorbehaltlos der Künstlichen Intelligenz, mahnt Büchereidirektorin Claudia Knauer in ihrem Gastkommentar.

Ich weiß genau, dass ich vor einiger Zeit einen Gastkommentar schrieb, in dem es hieß: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist billiger. Dabei ging es darum, nicht immer davon auszugehen, dass die Menschen lügen und betrügen, wenn es z. B. um Arbeitszeiten oder ihre Dienstleistungen geht.

Ganz anders aber verhält es sich, wenn es sich um die sogenannten sozialen Medien, um Websites oder Mails von unbekannten Absendern dreht. Hier gilt ganz klar: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist viel, viel besser.

KI (oder – international – AI) kann Bilder generieren, Stimmen nachahmen, angeblich Informationen verbreiten, die vom Echten auf den ersten Blick gar nicht mehr zu unterscheiden sind.

Die Künstliche Intelligenz genannten Algorithmenmaschinen erfinden gnadenlos zum Beispiel Studien, Buchtitel, Zitate, wenn es im Netz, mit dem sie trainiert wurden, nichts Passendes gibt. Oder sie ist arg begrenzt. Die Frage nach Frauen in der Minderheit beantwortet ChatGPT4 so:

Anna Sophie Paulsen: Theologin, Förderin der Frauenordination 1893–1981

Andrea Kunsemüller: Journalistin, BDN-Kommunikation, Regionalkoord., aktiv bis heute

Claudia Knauer: Journalistin, Chefin der Büchereien Nordschl., seit 2015

Inge Kley: Ehrenamtliche, Kulturausschüsse, aktiv bis heute

Ich fühle mich zwar geehrt, aber mir würden spontan noch viel mehr Frauen einfallen wie z. B. Anneliese Bucka oder Marion Petersen. Der Copilot von Microsoft nennt zuerst Ilse Friis und Karin Riggelsen.

Beide KI stellen übrigens fest, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in der deutschen Minderheit sehr gering ist. In dem Fall kann ich der KI nur zustimmen.

Die Quintessenz einer nur ganz kurzen Stichprobe: Traue nicht blind dem, was im Netz steht. Schau bei Mails auf den Absender. Steht da etwas Seltsames – löschen. Wenn auf Bildern Menschen plötzlich sechs Finger oder sichelförmige Füße haben, dann ist es KI-generiert.

Überprüfe Literaturangaben, frag in den Büchereien nach. Auch Bücher sind nicht fehlerfrei, aber die Chance, dass man hier auf belastbare Angaben stößt, ist ungleich größer als im Netz. Oder komm zu unserem Angebot „Digital Fit“. Da ist so etwas immer wieder Thema.

Drum: Trau, schau, wem. Ein Spruch, der seinen Ursprung u. a. in einer Fabel von Aesop hatte. Er ist nach wie vor aktuell.