Gastkommentar

„Lichtblick EU“

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Trotz all ihrer Mängel ist die EU in diesen Zeiten wichtiger denn je, meint Bücherdirektorin Claudia Knauer. Sie sieht die Institution als Rettungsanker in dunklen Zeiten.

Die Welt steht in Flammen oder ertrinkt in Regenmassen. Frankreich und Deutschland leisten sich gerade veritable Krisen, die an den Grundfesten der Demokratie rütteln. In immer mehr europäischen Ländern stürmen rechtsradikale bis -extreme Parteien voran. Im Europäischen Parlament gewinnen sie ebenfalls an Einfluss, während auf der anderen Seite des politischen Spektrums sogenannte Linke aus ihrem Verständnis für Putins Russland keinen Hehl machen.

In den USA steht Donald Trump in den Startlöchern und beeinflusst schon vor Amtsantritt die Handels- und Finanzwelt. Die Kryptowährungen erleben einen ungekannten Aufschwung – wohin auch immer, denn handgreifliche Werte stehen nicht dahinter. Nun gut, das tun sie beim größten Teil unserer konventionellen Währungen auch nicht, aber die werden dann wenigstens staatlich kontrolliert.

Genau das aber wollen immer mehr Politiker abschaffen – Elon Musk und Argentiniens Präsident Javier Milei, der mit der Kettensäge regiert, sind da Vorbilder.

Was tun? Warten, bis die Welt im- oder explodiert? Oder doch vielleicht lieber auf das setzen, was sich seit Jahrzehnten als Friedenseinrichtung bewährt hat? Ja, die EU ist in die Jahre gekommen. Da liegt viel im Argen. Die Einstimmigkeit, die in vielen Bereichen gefordert ist, gibt Ungarn, bald vielleicht auch Rumänien oder der Slowakei ein Veto-Instrument in die Hand. Die, die sich gegen die Werte der EU vergehen, kann man nicht einfach herauswerfen. Dazu fehlt das Instrumentarium.

Aber trotzdem kann und muss die EU ein Rettungsanker werden, ein Lichtblick in dunklen Zeiten sein.

Wir haben so viel mit ihr erreicht. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen, das zu erhalten und positiv zu verändern. Demokratie, Menschenrechte, Sozialpolitik, Umweltpolitik, Sorge um die Schwachen, Bildung und Kultur für alle. Das brauchen wir. Keine Kettensägen.

Es bleibt dabei: Gemeinsam sind wir stärker. Das haben auch die früher notorisch EU-skeptischen Däninnen und Dänen erkannt, die mittlerweile zu denen gehören, die von der EU am meisten halten. Damit können wir weiter arbeiten. Eine der ausgesprochensten pro-europäischen Parteien ist übrigens die Schleswigsche Partei. Das ist gut.

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