Gastkommentar

„Kultur schützt die Demokratie“

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Kultur ist mehr als Oper, Theater oder Museum, ist Claudia Knauer überzeugt. Kultur hat die Kraft, Menschen unmittelbar und authentisch zu erreichen.

Nicht wenige hören das Wort Kultur und denken an Oper, Theater oder Museen. Das ist nicht falsch, aber umfasst bei weitem nicht das, was Kultur bietet. Wie schon, auch von anderen Autoren/innen, an dieser Stelle immer wieder betont: Kultur kann so viel. Zum Beispiel Veranstaltungsräume füllen und Begeisterung auslösen, wie jüngst beim „Duett Duell“, das der Kulturkonsulent des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Uffe Iwersen, auf die Bühne gebracht hat. Hier traf Klassik auf Pop und das Publikum liebte es.

Ganz anders und in weiten Strecken viel ernster ging es zu, als die Ukrainer/in Iryna Lazer alias Mavka und Ivan Doan die musikalische Tragikomödie "Shalene / ver-rückt" auf Einladung der Deutschen Zentralbücherei Apenrade im Deutschen Gymnasium für Nordschleswig am Donnerstagabend aufführten. Möglich gemacht wurde die Anreise der in Berlin und Kyjiw (Kiew) lebenden Schauspieler/in und Musikerin durch die Kulturvereinbarung für Sønderjylland-Schleswig, die im jetzt laufenden Zeitraum bis 2028 einen Schwerpunkt auf Demokratie legt.

Wie kann man in einem demokratischen Land seinen Alltag leben, wenn der wirklich böse Nachbar das nicht will und das Land überfällt? Bewertungen wie „gut“ oder „toller Abend“ passen hier nicht. Die vielen Besucher, etliche davon mit ukrainischem Hintergrund und, wie von der Kulturvereinbarung gewünscht, auch aus dem nördlichen Schleswig-Holstein, gingen bewegt und bis ins Mark getroffen nach Hause, nachdem sie das multimedial dargestellte Erlebnis zweier Großmütter von Beschuss und Einnahme ihres Dorfes durch russische Soldaten verfolgen konnten. Das Stück basiert auf Interviews mit realen Menschen, die diesen Krieg genauso am eigenen Leib erlebt haben.

Das kann Kultur – berühren, aufklären, die Menschen unmittelbar und authentisch erreichen. Der Krieg kann auch zu euch kommen, warnte Ivan Doan während der intensiven Debatte, die sich dem Stück anschloss, und bat die Gäste: „Berichtet weiter über die Ukraine, erklärt die Fakten, nehmt Stellung.“

Aus genau diesem Grund, weil Kultur so viel kann, haben 31 Staaten, darunter auch die Ukraine und fast die gesamte EU (ohne Ungarn!) jüngst die „Declaration on the necessity of culture and media as a safeguard for our European democracies“ unter der dänischen EU-Ratspräsidentschaft unterschrieben. Weil Kultur unsere Demokratie schützt. Das wurde nach diesem Abend noch einmal mehr als deutlich. Wir können hier Kultur noch ausleben, sehen, in freien Medien darstellen und kommentieren. Sorgen wir dafür, dass es so bleibt und nicht ein böser Nachbar kommt, der nichts Gutes im Sinne hat – schon gar nicht mit der Kultur.