KOMMENTAR

„Ein Klassenerhalt, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war“

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Die Sønderjyske-Kicker dürfen über den Klassenverbleib jubeln.

Für den Landesteil ein gutes Gefühl, dass der Überlebensinstinkt nur in den zwei dunklen Jahren mit amerikanischen Eigentümern den Sønderjyske-Fußballern kurzzeitig abhandengekommen war. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Sønderjyske spielt auch in der kommenden Saison in der Fußball-Superliga. Der Klassenerhalt ist für den Aufsteiger bereits am drittletzten Spieltag in trockenen Tüchern.

Die Hellblauen waren in Silkeborg nicht in der Lage, die letzten Meter über die Ziellinie zu laufen, der Ausrutscher von AaB brachte Sønderjyske dennoch ins Ziel. Von Schützenhilfe zu sprechen, wäre aber völlig daneben.

Das kleinste Budget der Liga

Die Sønderjyske-Kicker haben aus eigener Kraft und in beeindruckender Manier die Dauerkarte im Oberhaus erneuert.

Eine bemerkenswerte Leistung eines Aufsteigers, der mit dem vermutlich kleinsten Budget aller Superliga-Klubs in die Saison gegangen war. Das darf man nicht vergessen.

Vier Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen lautet in der Abstiegsrunde die Bilanz für die Mannschaft, die auf einem Abstiegsplatz in die Abstiegsrunde gegangen war, aber als es darauf ankam, die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf im Griff hatte und auch besiegte.

Der alte Krieger hat Siegermentalität eingehaucht

Und das, obwohl Sønderjyske nach einer ordentlichen ersten Saisonhälfte im Winter in die Krise rutschte. Nach einer verkorksten Saisonvorbereitung folgte eine längere Phase, in der Sønderjyske wie ein Absteiger aussah, zumindest weitaus schwächer als noch in der ersten Saisonhälfte. Auch weil Sportchef Casper Daather im Wintertransferfenster nicht immer eine glückliche Hand hatte.

Die größte Verstärkung im Winter war die „Reaktivierung“ von Marc Dal Hende. Der 34-Jährige war im letzten Jahr seiner Sønderjyske-Zeit in eine Rolle als Mentor und Kulturträger gerutscht, der nur in der Umkleidekabine und auf dem Trainingsplatz weiter von großer Bedeutung war, aber in der Superliga nur noch zu Kurzeinsätzen kam.

Aus der Not heraus musste er wieder ran, und der alte Krieger hauchte einer verunsicherten Mannschaft die Siegermentalität ein, die am Ende zum unerwartet sicheren Klassenerhalt führte.

Der große Triumph des Trainers

Über die ganze Saison betrachtet, sticht aber ein anderer Name heraus: Thomas Nørgaard. Der Trainer hat mit einem festen Konzept einen Aufsteiger in eine Mannschaft verwandelt, die gegen höher einzustufende Gegner nicht nur bestehen, sondern einige davon auch hinter sich lassen konnte. Und er war sich auch nicht zu schade, sein Konzept mit Ballbesitz-Fußball ein klein wenig zu justieren, als dies in der Abstiegsrunde erforderlich war.

Der Erfolgstrainer wird über das Saisonende hinaus nur schwer zu halten sein, obwohl er noch bis 2027 einen Vertrag besitzt. Er ist für größere Adressen ein attraktiver Trainer. Thomas Nørgaard dürfte bei einem Traditionsklub wie OB ganz weit oben auf der Liste stehen, wenn sich der Superliga-Rückkehrer nach einer holprigen Aufstiegssaison für eine Trennung von Søren Krogh entscheiden sollte. Hier fehlte zuletzt das Bekenntnis zum Trainer.

Ob OB oder nicht. Die Frage ist, ob Thomas Nørgaard sich bei Sønderjyske eine weitere Saison mit Abstiegskampf antun will, noch einmal mit einer Sønderjyske-Mannschaft über sich hinauswachsen? Denn auch nach dem beeindruckenden Klassenerhalt im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg wird Sønderjyske in der neuen Saison wieder zu den größten Favoriten auf den Abstieg gehören, nach dem FC Fredericia vielleicht sogar der zweitgrößte.

Sønderjyske muss als Klub wachsen

Für das Fußball-Flaggschiff des Landesteils war der Klassenerhalt der nächste wichtige Schritt beim Wiederaufbau des Klubs. Sønderjyske muss aber weiter zulegen, als Klub wachsen, denn die nächste Saison wird keineswegs einfacher. Und das mit einem Kader, der auf einigen Positionen mit Sicherheit verändert wird und neu aufgebaut werden muss, denn einige Stammspieler werden vermutlich nicht zu halten sein.

Das ist aber alles Zukunftsmusik. Jetzt wird erst einmal gefeiert, und das nicht zu knapp.

Bei Sønderjyske werden die Klassenerhalte traditionell wie eine Meisterschaft gefeiert, und mit diesem bemerkenswerten Klassenerhalt war nicht unbedingt zu rechnen.

Für den Landesteil ein gutes Gefühl, dass der Überlebensinstinkt nur in den zwei dunklen Jahren mit amerikanischen Eigentümern den Sønderjyske-Fußballern kurzzeitig abhandengekommen war.