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„Abstieg dürfte für Sønderjyske kein Thema mehr werden“

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Erfolgreiche Defensivaktionen wurden wie Torerfolge gefeiert.

Den Überlebensinstinkt gibt es bei Sønderjyske anscheinend immer noch. Die Sønderjyske-Fußballer haben mit starker Mentalität neun Punkte innerhalb von sieben Tagen geholt und sind aus dem Gröbsten heraus. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Die Sønderjyske-Fußballer fielen sich beim Schlusspfiff gegenseitig um den Hals oder ließen sich erschöpft auf den Rasen fallen, voller Freude oder Erleichterung.

Der 3:2-Sieg beim Tabellennachbarn AaB bedeutete nicht nur drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, sondern war ein großer, wenn nicht sogar vorentscheidender Schritt. Das darf jetzt nicht mehr schiefgehen, das wird jetzt auch nicht mehr schiefgehen.

Der Abstieg dürfte kein Thema mehr werden für eine Sønderjyske-Mannschaft, die nun aus dem Gröbsten heraus ist und zum richtigen Zeitpunkt die Superligaklasse unter Beweis stellen konnte. Drei Siege innerhalb von sieben Tagen gegen die drei direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Eine perfekte Osterwoche, in der die Hellblauen beim Eiersuchen alles abgeräumt haben. Das ist schlichtweg klasse, Sønderjyske!

Es gibt ihn offenbar immer noch, den Überlebensinstinkt, der Sønderjyske über viele Jahre in der Superliga hielt, obwohl Budget und Spielermaterial dagegen sprachen.

Sefer Emini hängt sich voll rein.

Nur wenige Spieler aus dem aktuellen Kader haben diese Zeiten miterlebt. Ausnahmen sind Rasmus Vinderslev und Marc Dal Hende. Der verletzte Kapitän Vinderslev ist mit seiner Dynamik und Laufbereitschaft eine sehr wichtige Figur, aber es gibt keinen Spieler, der den Überlebensinstinkt vergangener Sønderjyske-Tage so sehr verkörpert wie Marc Dal Hende.

Die Kriegermentalität von Dal Hende ist unübertroffen, und es ist kein Zufall, dass die Sønderjyske-Mannschaft seit seinem Saisondebüt in der Startelf Anfang März gegen den FCK ein anderes Gesicht zeigt.

Der 34-Jährige, der zum Saisonende Sønderjyske verlassen wird, hat die Mentalitätsänderung vorangetrieben, die bei Mannschaftsgesprächen vor dem FCK-Spiel geformt wurde. Es ist die Mentalitätsänderung, die für den Aufschwung der vergangenen Wochen gesorgt hat.

Sønderjyske schien sich in den ersten Spielen des neuen Jahres zum Abstiegskandidaten Nummer eins zu entwickeln. Es war nach einem Sechs-Punkte-Vorsprung in der Winterpause eine gewisse Selbstzufriedenheit zu spüren, die Saisonvorbereitung verlief schlecht, und die Formkurve zeigte nach unten, doch der Ernst der Lage ist den Hellblauen noch rechtzeitig klar geworden.

Daniel Gretarsson war wieder der Fels in der Brandung und diesmal auch in der Rolle des Torschützen.

Es haben aber viele zum Aufschwung beigetragen. Die Siegermentalität ist auch bei Typen wie Daniel Gretarsson, Tobias Sommer oder Marcus Bundgaard nicht zu übersehen. Der Torwart hat sich nach anfänglichen Unsicherheiten immer mehr steigern können. Nicht zu vergessen ist auch die Vielseitigkeit von Andreas Oggesen, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und überall dort Löcher stopft, wo Bedarf ist.

Gefeiert wurden zuletzt nicht nur die Tore, gefeiert wurden auch die Rettungsaktionen im eigenen Strafraum. Bestes Beispiel waren Marcus Bundgaard und Marc Dal Hende, die in Aalborg in der Anfangsphase gleich doppelt auf der Torlinie klärten und einen frühen Rückstand verhinderten.

Das eigene Tor wurde zuletzt mit Leib und Seele verteidigt, furchtlos haben sich die Hellblauen in die Torschüsse des Gegners geworfen. Mit dieser Mentalität kommt man im Abstiegskampf weit.

Es sitzt zudem auf der Sønderjyske-Bank ein Taktik-Fuchs, der aus dem niedrigsten Budget der Liga eine Einheit geformt hat, die meistens besser aussah, wenn es gegen die Konkurrenz im Abstiegskampf ging. Auch wegen der taktischen Überlegenheit von Trainer Thomas Nørgaard.

Lirim Qamili kehrte nach einem Formtief in den ersten Spielen des Jahres in die Rolle des Torschützen zurück.

Noch ist Sønderjyske allerdings nicht am Ziel. Fünf Spieltage stehen für die Hellblauen noch aus, doch die Sønderjyske-Fußballer haben mit vier Siegen aus den ersten fünf Begegnungen der Abstiegsrunde den Grundstein für eine weitere Saison in der Superliga gelegt.

AaB - Sønderjyske (0:2) 2:3

0:1 Lirim Qamili (20.), 0:2 Lirim Qamili (43.), 1:2 Nicklas Helenius (65.), 1:3 Daniel Gretarsson (72.), 2:3 Kasper Jørgensen (79.)

AaB: Vincent Müller – Kasper Jørgensen, Lars Kramer, Bjarne Pudel, Andreas Bruus (55.: Nóel Atli Arnórsson – Mads Bomholt, Travis Hernes (55.: Nicklas Helenius), Melke Widell – Andres Jasson (73.: Isak Hansen-Aarøen), Oliver Ross (84.: Mylian Gimenez), Mathias Jørgensen.

Sønderjyske: Marcus Bundgaard – Andreas Oggesen, Maxime Soulas, Daniel Gretarsson, Marc Dal Hende – Sefer Emini (80.: Mohamed Cherif), Tobias Sommer, Lukas Björklund (46.: Tobias Klysner) – Lirim Qamili (67.: Kristall Mani Ingason), Alexander Lyng (80.: Ivan Djantou), Olti Hyseni (67.: Ebube Duru).

Gelbe Karten: Lars Kramer – Tobias Sommer, Ivan Djantou.

Schiedsrichter: Simon Duerlund Rasmussen. VAR-Schiedsrichter: Michael Tykgaard.

Zuschauende: 7.059.