Mobilität

Lobbyverband: Brücke von Alsen nach Fünen sollte Radweg haben

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So könnte ein Radweg auf der geplanten Alsen-Fünen-Brücke aussehen. Noch ist offen, ob eine Brücke überhaupt realisiert wird.

Ein elf Kilometer langer Radweg auf der geplanten Alsen-Fünen-Brücke über den Kleinen Belt wäre nicht weniger als ein neues touristisches Highlight – es wäre die längste Fahrradbrücke der Welt. Die Idee ist nicht neu, doch der Radfahrendenverband fordert nun bei der Planung mit Nachdruck, einen entsprechenden Radweg zu berücksichtigen. Derweil ebbt auch die Kritik an dem Gesamtprojekt nicht ab.

Noch ist nicht einmal sicher, dass eine Brücke von Alsen nach Fünen überhaupt gebaut wird. Der Radfahrendenverband „Cyklistforbundet“ fordert in einer Pressemitteilung jedoch, dass eine Verbindung, wenn sie beschlossen wird, aus Gründen der Nachhaltigkeit unbedingt einen Radweg haben sollte.

Die Alsen-Fünen-Brücke wäre die erste Brücke dieser Größenordnung, die über einen Radweg verfügt – denn weder die Großer-Belt-Brücke noch die Öresund-Brücke haben einen. Der Lobbyverband hofft, dass man nicht die Sünden der Vergangenheit wiederholt, nur um ein wenig Geld zu sparen.

Kenneth Øhrberg Krag, Chef vom Cyklistforbund, sagt: „Es war immer Tradition in Dänemark, Brücken mit Radwegen zu bauen – die haben die allermeisten.“ Er verweist etwa auf die Brücke über den Svendborgsund, die alte Kleiner-Belt-Brücke und die kommende Storstrøms-Brücke, die Falster und Seeland auf vier Kilometern Länge verbinden und somit Dänemarks drittgrößtes Brückenbauwerk werden wird.

Der Verein „Als-Fyn-Broen“ arbeite an einer nachhaltigen und klimaneutralen Brücke, und schlage daher ebenfalls einen Radweg vor, so Kenneth Øhrberg Krag. Tatsächlich ist die Idee nicht neu. Der Verein und der Verband für Fahrradtourismus, Dansk Cykelturisme, haben bereits 2021 untersucht, wie eine feste Querung zwischen Nordschleswig und Südfünen auch für Radfahrende attraktiv sein kann.

Längste Fahrradbrücke der Welt als Touristenmagnet

Kenneth Øhrberg Krag
Kenneth Øhrberg Krag, Direktor des Radfahrerverbands (Cyklistforbundet)

Es würde in jedem Fall mit elf Kilometern Länge die längste Fahrradbrücke der Welt werden, was Touristinnen und Touristen von nah und fern anziehen würde.

Kenneth Øhrberg Krag

Die Beraterfirma Cowi hat einen Bericht ausgearbeitet, der zu dem Schluss kommt, dass eine Brücke mit Radweg jährlich 8.500 zusätzliche Fahrradtouristinnen und -touristen in die Regionen Nordschleswig und Südfünen locken könnte. Zudem würden zwischen 38.000 und 230.000 Radfahrende pro Jahr die Brücke nutzen. Die Mehreinnahmen für den Tourismus könnten in einer Größenordnung zwischen 10 und 50 Millionen Kronen liegen.

Die Kommune Sonderburg (Sønderborg) ist einer der Partner hinter dem Verein „Als-Fyn-Broen“, und Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) zeigte sich schon vor vier Jahren von der Idee einer Fahrradbrücke begeistert. „[...] Wenn wir zugleich die längste Fahrradbrücke der Welt bauen können, dann würde das unserer Tourismusbranche einen gewaltigen Schub geben.“

Auch beim hiesigen Tourismusverband Destination Sønderjylland zeigte man sich damals begeistert: „Es herrscht kein Zweifel, dass eine Fahrradbrücke jede Menge Wow-Effekt haben würde und unsere Gegend noch attraktiver für Fahrradtouristen macht“, sagte Direktor Karsten Justesen.

Eine Möglichkeit sind Pausen- und Aussichtsplattformen unter dem Brückenkörper.

Kenneth Øhrberg Krag, der 2024 in das Komitee des Vereins eingetreten ist, um sich für eine Radverbindung starkzumachen, bringt das Thema nun wieder auf die Tagesordnung. „Technisch ist es klar möglich, und vieles deutet darauf hin, dass die Brücke einen Tourismuseffekt haben würde. Sie würde in jedem Fall mit elf Kilometern Länge die längste Fahrradbrücke der Welt werden, was Touristinnen und Touristen von nah und fern anziehen würde“, sagt der Direktor des Fahrradverbands.

Bis zu 900 Millionen Kronen Mehrkosten für Radweg

Die Mehrausgaben für einen Radweg bezifferte Cowi 2021 je nach Ausführung auf 500 bis 900 Millionen Kronen. Laut Schätzungen der Firma Rambøll sollte das Brückenprojekt 2021 insgesamt zwischen 4 und 5 Milliarden Kronen kosten. Mittlerweile laufen die Budgetierungen wegen der Kostensteigerungen der vergangenen Jahre auf rund 22 Milliarden Kronen hinaus. Ein Radweg würde 4 Prozent der Kosten verursachen.

Der Ball liegt derzeit beim dänischen Parlament. Es muss entscheiden, ob eine gründlichere Untersuchung in Form einer Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden soll. Es bleibt jedoch abzuwarten, welchen Standpunkt die Regierung einnehmen wird.

Brücke wäre nachhaltig umsetzbar

Eine zusätzlich vom Verein „Als-Fyn-Forbindelsen“ in Auftrag gegebene Nachhaltigkeitsanalyse zeigt, dass das Projekt auch nahezu klimaneutral umgesetzt werden könnte. Auswirkungen auf die Natur hätte es trotzdem. In dem 193 Seiten starken Bericht heißt es: „Übergeordnet bewerten wir, dass es mit einem zusätzlichen Einsatz möglich ist, eine Alsen-Fünen-Verbindung zu bauen, ohne dem Klima zu schaden und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für die Natur an mehreren Stellen im Vergleich zum Ist-Zustand zu verbessern.“ Lediglich beim eigentlichen Bau der Brücke können die Auswirkungen auf die Meeresumwelt nicht abgeschätzt werden. Dabei geht es in erster Linie um den Lärm unter Wasser.

Nordschleswig und Fünen schneller verbinden

So könnte die Brücke einmal aussehen.

Derzeit besteht zwischen Bøjden und Fünenshaff eine Fährverbindung. Die Überfahrt dauert 50 Minuten. Eine Brückenüberfahrt würde ersten Analysen nach rund 7 Minuten dauern. Wäre die Brücke zwischen 2035 und 2038 fertig, sollen täglich 17.000 Fahrzeuge über sie rollen. Die Fährverbindung nutzen aktuell 350 Fahrzeuge täglich.

Die Anlage wird voraussichtlich über die Nutzenden refinanziert. Bei einer Gebühr von 102 Kronen für Pkws und 269 Kronen für Lkws würden im ersten Jahr 560 Millionen Kronen eingenommen. Eine staatliche Mitfinanzierung wäre notwendig.

Verein will Brückenbau verhindern

Doch nicht alle sind begeistert von einer Verbindung zwischen Alsen und Fünen. Der Verein „Sydfyns fremtid“ hat das primäre Ziel, einen Bau zu verhindern. Die Verantwortlichen fürchten nicht nur einen Verlust von Kulturlandschaften und Kulturerbe, sondern sehen auch mehrere Natura-2000-Schutzgebiete gefährdet, in denen geschützte Pflanzen- und Tierarten leben. Zudem sehen sie die Gesundheit der Menschen in Gefahr, die entlang der geplanten Route leben. Denn Lärm und Luftverschmutzung würden bei einem Ausbau der Verkehrsverbindungen im Hinterland zunehmen.

Kritikerinnen und Kritiker der Verbindung vernetzen sich unter anderem in Facebook-Gruppen wie „Sydfyns fremtid – Als-Fyn bro og motorvej nej tak“ oder im „Diskussionsforum Als-Fyn broen“.