Glaube

„Das Wort zum Sonntag, 6. April 2025“

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Das Wort zum Sonntag, 6. April 2025, von Pastorin Bettina Sender, Pastorin in Hadersleben

Schaffe mir Recht bedeutet: Judika, so das lateinische Wort für diesen Sonntag

Ein Schrei: Schaffe mir Recht! Adressat: Gott! Der Hintergrund: Es geschieht Unrecht! Die Erwartung: Gott kann und wird Recht schaffen! Oh ja, es geschieht vielen Menschen nicht „Recht“. Es gibt tatsächlich himmelschreiendes Unrecht. Das kann man nicht übersehen, und man darf es auch nicht schönreden. Es muss benannt werden, und wir müssen hinsehen, auch wenn es wehtut. Dazu ermutigt uns die Passionszeit. Sinnloses Leid und zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit – das ist das, was auch die Passion, das Leiden Jesu, ausmacht. Als Christinnen und Christen schauen wir hin und sehen in dem Leiden Jesu nicht nur den Kreuzweg Jesu, sondern damit auch auf das Leid in der Welt. Scheinbar ohnmächtig wird Jesus sein Kreuz nach Golgatha schleppen und sich ans Kreuz schlagen lassen. Scheinbar ohnmächtig wird er sich verspotten lassen müssen: Hilf dir selbst! Die Fratze der Gewalt und Gleichgültigkeit zeigt sich in ihrer vollen Brutalität. Wie an so vielen Orten zu so vielen Zeiten. Ohnmächtig kann man sich da fühlen – wie soll das alles weitergehen? Wohin wird das führen? Aber wir schauen hin, und das können wir, weil Gott sich vom Leid nicht nur berühren lässt, sondern es selbst trägt – mit uns! Über der Sammelaktion für die Danske Nødhjelp stand das Motto: Wir glauben an ein Leben vor dem Tod! Dieses Leben ist ein Recht auf Leben. Wir können den Leidenden unsere Stimme geben, wenn wir uns nicht abfinden, sondern mit dem Psalmbeter des 43. Psalms rufen: „Schaffe mir Recht, Gott und führe Du meine Sache … Denn Du bist der Gott meiner Stärke“. Die Bitte: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten“. Ein Psalmbeter, der uns zeigt: Es gibt eine Adresse für unsere Klage, und er nimmt uns mit hinein in seine Erwartung: „Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist!“ Es gibt auch ein Leben vor dem Tod – und es gehört nicht den Spöttern, sondern denen, denen Gott es schenkt. Seine Kraft ist (auch) in den Schwachen mächtig! Und so ziehen wir aus Gottes Weg mit uns die Kraft, der Gewalt und Gleichgültigkeit Contra zu geben!