Mensch & Natur

Vogelzug: Es gibt etwas zu sehen – und zu hören

Veröffentlicht Geändert
Ein Seeadler, fotografiert an der dänischen Westküste (Symbolfoto)

Drosseln ziehen im Schutz der Dunkelheit, Seeadler zeigen sich am hellen Tag. Im Herbst ist einiges los am Himmel Nordschleswigs – auch ohne Drohnen. Der Dänische Ornithologische Verein weiß, wer derzeit unterwegs ist.

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der der eine oder andere unbekannte Laut vom Himmel schallt und das Auge ein unbekanntes Federkleid erblickt. Es ist die Zeit der Vogelzüge mit Gästen aus dem hohen Norden. Wie der Dänische Ornithologische Verein, DOF, schreibt, ziehen die einen, etwa Gänse, meist tagsüber. Die anderen suchen sich die Nacht aus, um ihre Reise in wärmere Gefilde fortzusetzen.

Sozusagen Nachtzügler, keine Nachzügler. Hier nennt DOF drei Drosselarten: Wacholderdrosseln, Amseln und die Rotdrossel, die derzeit im Dunklen in den Süden ziehen. Wer einen Abendspaziergang macht und ein lang gezogenes, hohes Pfeifen in der Luft vernimmt, weiß nun, dass über ihm eine Rotdrossel ihren Artgenossen mitteilt, wo sie gerade fliegt. Keine schlechte Idee in der Dunkelheit!

Aber in der Dunkelheit droht Gefahr. Wie kürzlich „tagesschau.de“ berichtete, können sich Singvögel auf ihrem nächtlichen Flug in den Süden nicht sicher wähnen, da eine europäische Fledermausart es gelegentlich vermag, einen kleinen Vogel im Flug in der Dunkelheit zu schnappen. 

Seeadler an der Westküste

Doch auch dem Auge wird etwas geboten. Derzeit können Vogelfreunde in Nordschleswig auffallend viele Seeadler beobachten. Kim Skelmose, der das Seeadlerprojekt des Vereins leitet, freut sich über eine besonders gute Brutsaison. Landesweit haben 181 Brutpaare 231 Junge großgezogen. In Nordschleswig waren es 14 Junge.

Besonders gute Chancen, das imposante Tier zu Gesicht zu bekommen, bietet das Grenzgebiet an der Westküste, etwa im Margrethe Koog. „Dort gibt es derzeit viel Nahrung für die Adler“, sagt Kim Skelmose mit Blick auf die vielen Zugvögel, wie etwa Gänse, die dort eine Rast einlegen und fressen. 

Dabei zeigen GPS-Daten, dass die Adler sich nicht um die Grenze scheren. Es gebe einen regen Austausch zwischen „deutschen“ und „dänischen“ Seeadlern, erzählt Skelmose. Kein Wunder: „Sie reisen über weite Strecken“, berichtet der Adlerexperte.

Ihm zufolge haben viele Menschen den Seeadler in ihr Herz geschlossen und engagieren sich für den Erhalt der Art. So glückte es, aus wenigen verbliebenen Tieren innerhalb von 30 Jahren 181 erfolgreiche Brutpaare zu machen.

DOF hält einen Bestand von 200 bis 250 Brutpaaren in Dänemark im Laufe der kommenden Jahrzehnte für realistisch.