Grüne Umstellung

Apenrade stoppt Brauchwasser-Projekt – doch die Energiewende geht weiter

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Die PtX-Anlage in Kassö (hier ein Archivfoto vom April 2024) ist bereits in Betrieb; eine weitere Anlage ist in Pattburg geplant. Solche Anlagen benötigen bei der Produktion ultrareines Brauchwasser.

Wegen Verzögerungen müssen die Kommune Apenrade und die Versorgungsgesellschaft Arwos ihr gefördertes Brauchwasser-Projekt annullieren. Doch neue Entwicklungen im Wasserstoffsektor sorgen für Zuversicht. Sie werden Milliardeninvestitionen in die Region locken, sagt Bürgermeister Riber Jakobsen voraus.

Im Dezember 2024 hatte die staatseigene „Stiftung für Gerechte Umstellung“ (Fonden for Retfærdig Omstilling) 35 Millionen Kronen für ein gemeinsames Projekt der Kommune Apenrade und der Versorgungsgesellschaft Arwos bewilligt. Es ging um die Entwicklung einer Brauchwasser-Anlage. Sie sollte ultrareines Wasser für die großflächige Power-to-X-Produktion liefern.

Das Projekt wird nun annulliert, da mehrere Faktoren dazu führen, dass der dreijährige Zeitrahmen – eine Voraussetzung für die Förderung – nicht eingehalten werden kann.

„Leider können wir den Zeitplan nicht einhalten und müssen deshalb einen ansonsten sehr spannenden Vertrag annullieren“, sagt Arwos-Direktor Ole Damm. Die Arbeiten an der Wasserstoffinfrastruktur haben sich verzögert, wodurch es unmöglich sei, das Projekt innerhalb des vorgesehenen Zeitraums abzuschließen. „Wir werden es einfach innerhalb der drei Jahre nicht schaffen, 22 Kilometer Rohrleitungen zu verlegen“, sagt Damm in einem Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Fristverlängerung nicht möglich

Ole Damm ist seit gut sechs Jahren Direktor der Apenrader Versorgungsgesellschaft (Archivfoto).

Selbstverständlich habe man versucht, eine Verlängerung des Zeitrahmens zu erwirken, aber das sei bei dieser Art Fördermittel ungünstigerweise nicht möglich, wie der Arwos-Direktor hinzufügte.

„Ich bedauere es sehr, dass wir diesen Schritt gehen müssen, aber ich bin mir auch bewusst, dass es besser ist, sich jetzt zurückzuziehen, anstatt in einer unrealistischen Zeitspanne etwas Halbfertiges umzusetzen“, so der Arwos-Direktor.

Der Grund für die Verzögerungen liegt laut Ole Damm nicht allein bei der Apenrader Versorgungsgesellschaft. Man sei auch vom Netzausbau durch den dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet in der Region abhängig. Auch der laufe „langsamer als erwartet“, wie Ole Damm feststellt.

Zentralisierung der Abwasserbehandlung nicht betroffen

Die Zentralisierung der kommunalen Abwasserbehandlung soll wie geplant durchgeführt werden.

Die Annullierung bedeutet zu seinem Leidwesen auch, dass die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dänemark (DTU) vorerst nicht weitergeführt wird.

Ole Damm betont jedoch, dass die vor wenigen Monaten präsentierte Zentralisierung der Abwasserbehandlung nicht betroffen sein wird. „Dieses Vorhaben wird wie geplant durchgeführt“, sagt er.

Auf Sicht soll die gesamte Abwasserbehandlung der Kommune Apenrade zentral im Klärwerk am Stegholt geschehen. Die Klärwerke in Gjenner (Genner), Brøde, Bau (Bov) und Kollund sollen geschlossen werden. Gaardeby (Gårdeby) bei Tingleff (Tinglev) und Stenneskær auf der Halbinsel Loit (Løjt) bleiben vorerst erhalten.

Große Freude über Wasserstoff-Pipeline

Auch wenn dies alles für die Kommune Apenrade, die in der dänischen Energiewende eine Vorreiterrolle einnimmt, einen gehörigen Dämpfer darstellt, so führt eine aktuelle Nachricht vom dänischen Energie- und Klimaministerium zu großer Freude in Apenrade. Auf Christiansborg haben sich die Regierungsparteien nämlich unter anderem darauf verständigt, dass die schon länger diskutierte deutsch-dänische Wasserstoff-Pipeline nun doch spätestens 2030 kommen soll. „Als ich davon hörte, bin ich extra nach Hause gefahren, um mir das live am Fernsehen anzusehen“, gesteht ein schmunzelnder Ole Damm.

Bürgermeister: Investitionen in Milliardenhöhe

Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen ist in Sachen Energiewende äußerst aktiv.

Auch Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Kons.) hat die aktuelle Nachricht aus Kopenhagen sofort an die Tastatur seines Computers getrieben. „Eine Wasserstoff-Pipeline durch die ganze Kommune Apenrade wird dazu führen, dass das Investitionsniveau in die grüne Industrie und zugehörige Unternehmen deutlich ansteigt. Für unsere Kommune bedeutet dies nicht nur Investitionen in Milliardenhöhe, sondern auch das Interesse neuer Unternehmen, die Schaffung lokaler Arbeitsplätze und eine erhöhte Wohnattraktivität“, drückt Jakobsen in einem Facebook-Post seine Freude aus.

Apenrade bleibt am Ball

Dennoch bleibt man auch im Apenrader Rathaus weiter am Ball, was die Brauchwasser-Anlage angeht. „Wir hoffen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Förderung erhalten können“, sagt Kommunaldirektor Tom Ahmt laut offizieller Pressemitteilung. Dort heißt es weiter: „Wir arbeiten weiterhin intensiv an Lösungen, damit wir technisches Wasser und Ressourcen für Unternehmen bereitstellen können, die in der Kommune Apenrade im Bereich erneuerbare Energien tätig werden möchten.“