Deutsche Minderheit

Zwischen Übergabe und Aufbruch: Schulrätin Catarina Bartling bereitet den Weg für ihre Nachfolge

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Erfahren, gelassen, engagiert: Catarina Bartling begleitet die deutschen Schulen noch einmal durch einen wichtigen Übergang.

Sie ist eingesprungen, wo Verantwortung gebraucht wurde – und zeigt, was die Zukunft bringt: Catarina Bartling hat vor ihrem Ruhestand das Schulratsamt der deutschen Minderheit übernommen. Ein Job mit viel Verantwortung und Gestaltungsspielraum.

Gut 26 Jahre lang drehte sich für Catarina Bartling alles um ihre DPA – die Deutsche Privatschule Apenrade. 1998 kam die ausgebildete Gymnasiallehrerin an die Schule, die sie zuletzt 17 Jahre lang leitete. Doch kurz vor dem Renteneintritt winkte noch einmal eine neue Herausforderung: die Leitung aller Schulen der deutschen Minderheit in Nordschleswig als Schulrätin.

Während der Abschied ihrer Vorgängerin Anke Tästensen viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, verlief der Wechsel im Amt vergleichsweise leise. Nach außen wirkt es, als drehe sich das Rad einfach weiter – ganz im Sinne von Catarina Bartlings ruhiger, unaufgeregter Art.

Vom Schulleben in Apenrade zur Verantwortung für 13 Schulen

Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ Anfang Februar erzählt sie fast beiläufig von ihrem Arbeitsalltag – als sei es das Selbstverständlichste der Welt, die Geschicke von 13 Schulen unter dem Dach des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) zu lenken. Und das nur für eine Übergangszeit – denn bis zum Sommer soll ihre Nachfolge feststehen. Wer das sein wird, ist noch offen, wie DSSV-Vorsitzender Welm Friedrichsen bestätigt.

Die Stellenausschreibung läuft über das Land Schleswig-Holstein. „Es sind Bewerbungen eingegangen“, weiß Friedrichsen. Bis Bewerbungsgespräche geführt sind und eine Auswahl stichfest auch offiziell verkündet werden darf, werden noch einige Wochen vergehen. „Wir rechnen mit der Bekanntgabe im Laufe des Mai oder Juni.“

Schnittstelle zwischen Schulen, Schleswig-Holstein und Kopenhagen

Aber was genau macht der oder die Schulrätin eigentlich? Nach den ersten Monaten im Amt beschreibt Catarina Bartling ihre Aufgabe als Bindeglied zwischen den einzelnen Schulen und dem Land Schleswig-Holstein bzw. dem Unterrichtsministerium in Kopenhagen.

Bei der Schulrätin laufen die Fäden aus allen Richtungen zusammen. „Ich bin Ansprechpartnerin und Sparringspartner für die Schulleitungen“, beschreibt sie ihre Rolle bei den individuellen Themen, die die einzelnen Schulen bewegen. „Und der Schulrat ist eine Landesbeamtenstelle aus Schleswig-Holstein. Das heißt, ich bin zuständig für die Beamten hier und auch die Verbindung nach Schleswig-Holstein.“

Aber sie muss ihre Ohren auch in Richtung Kopenhagen aufsperren. „Wir orientieren uns am fælles mål“, leitet Bartling ein aktuelles Beispiel ein, das sie und die Schulleitungen aktuell beschäftigt. Die Regierung hat im vergangenen Jahr 33 Initiativen beschlossen, die die Regierung zur Reduzierung der zentral gesteuerten Vorgaben an die Schulen vorsehen – also weg von dem dänischen Lehrplan. „Da beschäftigen wir uns mit der Frage, inwieweit das in unseren Schulen zum Tragen kommt.“

Zwischen Zahlen, Schulhöfen und Minderheitenfragen

Als Friskoler haben auch die deutschen Schulen Freiheiten, die es ihnen ermöglichen, fachlich auf einer Höhe zu sein mit den Folkeskoler und trotzdem ihr Profil auf ihre Minderheiten-Identität zu schärfen. Bartlings Vorgängerin Anke Tästensen hat die Auseinandersetzung der Schulen mit ihrer eigenen Minderheiten-Identität stark geprägt. Dass das weitergeführt wird, ist auch Bartling eine Herzensangelegenheit. „Es macht unheimlich viel Spaß, gemeinsam zu überlegen, wie wir die Minderheit und die Frage, wo jeder Einzelne sich in ihr verortet, in den Unterricht einfließen lassen können.“ Zumal die Minderheit sich immer wandelt. „Heute läuft niemand mehr über den Schulhof und ermahnt die Kinder, Deutsch zu sprechen“, so Bartling. „Das war früher anders.“

Zu erfassen, wie die Minderheit tickt und welche Bedeutung es hat, wenn man sich als Teil einer Minderheit versteht, sei in ihrer Rolle als Schulrätin besonders wichtig.

Seit Catarina Bartling Schulrätin ist, gibt es an der Spitze des DSSV geteilte Aufgaben: die Geschäftsführung und die Schulrätin. „Ich halte das für absolut sinnvoll. Ich – und das wird meine Nachfolge auch sein – bin Lehrerin. Ich bin für das Schulische zuständig, und ich halte es für die richtige Entscheidung, dass sich die Person in der Funktion des Schulrates nicht noch um die Zahlen kümmern muss.“ Ein gewisses Grundverständnis sei jedoch trotzdem unabdingbar: „Wir müssen ja bei allem, was wir an den Schulen tun, und bei allem, was wir uns wünschen, immer auch die Zahlen berücksichtigen.“ Daher sei der Austausch zwischen Schulrätin bzw. Schulrat und der Geschäftsführung sehr eng.

Neben all den Anforderungen kann Catarina Bartling aber auch verraten: „Es ist kein Bürojob.“ Am Schreibtisch zu sitzen gehöre auch dazu. „Ich bin viel an den Schulen unterwegs, auch zu schönen Anlässen.“ Die Range der Aufgaben reicht von Bildungspolitik und der Auseinandersetzung mit neuen Gesetzen bis zu einem Empfang zum Dienstjubiläum einer Lehrkraft. „Man kommt so viel rum.“

Bartling bleibt noch bis zum 31. Juli Schulrätin, dann geht es in den Ruhestand. „Die Stelle soll ja so früh wie möglich besetzt werden und ich werde meine Nachfolge einarbeiten.“ Notfalls auch ein wenig aus der Rente heraus. „Ich bin ja ein Workaholic, das mache ich gern.“