Katastropenschutz

Jugendliche der Nachschule im Erdbebengebiet: Internationale Übung in Tingleff

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Einsatzkräfte aus ganz Europa proben in Tingleff wieder den Ernstfall (Archivfoto)

Rettungskräfte aus ganz Europa trainieren drei Tage lang in Tingleff, um die internationale Zusammenarbeit im Katastrophenfall zu stärken. Zentrum der Großübung ist einmal mehr die Ruinenstadt der Bereitschaftsschule. Als fiktive Opfer eines Erdbebens stellen sich Jungen und Mädchen der Deutschen Nachschule zur Verfügung. Auf sie kommt einiges zu.

Wenn am Wochenende einschließlich Freitag Rauch am Nørremarken emporsteigt, Sirenen heulen, Einsatzfahrzeuge herumfahren und viele Rettungskräfte mit unterschiedlichen Uniformen zu erblicken sind, brauchen Ortsansässige und Durchfahrende nicht beunruhigt zu sein. 

Die Bereitschaftsschule „Center for Uddannelse“ in Tingleff und deren Übungsgelände sind erneut Dreh- und Angelpunkt einer internationalen Katastrophenübung.

Erdbeben mit Verschütteten

Im Mittelpunkt steht erneut ein Erdbeben, das Nordschleswig erfasst. Laut einer Mitteilung der Bereitschaftsbehörde werden bei dem Szenario Menschen verletzt und unter Trümmern verschüttet. Für die internationalen Einheiten gilt es, darauf zu reagieren und möglichst optimal zusammenzuarbeiten.

Mehr als 350 Rettungskräfte aus über 20 EU-Ländern werden an der dreitägigen Übung teilnehmen. Ziel ist es laut Mitteilung der Bereitschaftsbehörde, die Zusammenarbeit internationaler Einheiten bei derartigen Großeinsätzen zu trainieren und zu optimieren. 

„Wenn große Rettungseinheiten die Grenzen überschreiten, um einem anderen Land zu helfen, ist Koordination ganz wichtig. Deshalb trainieren wir die gesamte Kette – von der Ankunft an der dänisch-deutschen Grenze über die Einrichtung eines Lagers, die Versorgung und die grenzüberschreitende Kommunikation bis hin zur Koordination mit dem Gastland“, erklärt Allan Kirk Jensen, Leiter des Ausbildungscenters in Tingleff.

Realistisches Szenario mit Freiwilligen

„Wir erleben stets große Hilfsbereitschaft bei den Bürgerinnen und Bürgern. Dieses Mal nehmen rund 65 Mitglieder von Seniorenvereinen sowie Nachschülerinnen und Nachschüler als Statisten teil, was die Realitätsnähe der Übung enorm steigert. Dafür sind wir sehr dankbar“, ergänzt der Centerleiter.

20 Jugendliche der Deutschen Nachschule haben sich als Komparsen für die dreitägige Übung gemeldet, wie Abteilungsleiterin Karin Warm von der Nachschule am Grønnevej auf Anfrage bestätigt. Laut ihrer Anwesenheitsliste fürs Wochenende werden die Schülerinnen und Schüler sogar im Übungsszenarium einquartiert.

Trainiert wird in Tingleff auch dieses Mal die Bergung von Verschütteten.

Die internationalen Einheiten in Tingleff sind Teil der gemeinsamen EU-Einsatztruppe. Sie muss laut Bereitschaftsbehörde ganzjährig innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit sein und bis zu zehn Tage lang völlig autark agieren können. Daher liegt der Fokus bei der Übung nicht nur auf der Rettungsarbeit, sondern auch auf allen notwendigen Vorbereitungen für den Einsatz.

Kooperation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg

„Wir trainieren, im Ernstfall besser gerüstet zu sein. Das erfordert sowohl technisches Können als auch eine enge Zusammenarbeit über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg“, ergänzt Kirk Jensen in der Mitteilung.

Das Ausbildungscenter in Tingleff und dessen Übungsareal – die sogenannte Ruinenstadt – sind zum fünften Mal Austragungsort für eine Übung der europäischen Einheit. Die Ruinenstadt mit Gebäuden und Fahrzeugwracks gilt als Nordeuropas größtes Übungsgelände.

Ist als Chef des Ausbildungscenters in Tingleff wieder Gastgeber einer internationalen Katastrophenübung: Allan Kirk Jensen (Archivfoto).

„Dass die EU erneut Dänemark als Austragungsort für eine Übung gewählt hat, ist eine Anerkennung unserer Einrichtungen und unserer Mitarbeitenden. Wir verfügen über einzigartige Rahmenbedingungen, die realistische Übungen in diesem Umfang ermöglichen“, so Allan Kirk Jensen.

• Die Übung beginnt am Freitagnachmittag und endet am Sonntag. Sie läuft rund um die Uhr.
• Rettungsteams aus Litauen, Ungarn, Polen und Frankreich nehmen teil.
• Außerdem sind ein Drohnenteam aus Kroatien und ein spezialisiertes Ingenieurteam aus Spanien beteiligt.
• Die 250 ausländischen Teilnehmenden sind Teil der gemeinsamen EU-Katastrophenschutzeinheit und müssen innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit sein.
• Die dänische Katastrophenschutzbehörde und die EU stellen rund 100 Personen für die Durchführung und Auswertung der Übung bereit.
• Etwa 65 Personen von Seniorenvereinen und der Deutschen Nachschule nehmen als Statisten teil.
• Die Übung wird von der EU finanziert und im Rahmen der MODEX-Kooperation durchgeführt.