Deutsche Minderheit

Frank Clausen hat seinen letzten Brief ausgetragen

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Seine Postuniform hat Frank Clausen zum Jahresende an den Nagel gehängt.

Frank Clausen hat Generationen von Menschen ihre Post gebracht. Seine Tätigkeit war oft mit einem Schnack, und in früheren Jahren auch mit einem Kaffee oder einer Anekdote verbunden. Mit dem Ende der Briefzustellung bei Postnord schlägt er mit Gelassenheit, Humor und vielen Erinnerungen ein neues Kapitel auf.

„Morgen ist Schluss. Es ist schon merkwürdig, daran zu denken“, sagt der Tonderner Postbote Frank Clausen nach seinem vorletzten Dienst an einem der letzten Dezembertage.

Er gehört zu den Mitarbeitenden, die bei dem staatlichen Logistik- und Postunternehmen Postnord ihren Job verlieren. Wegen des massiven Rückgangs der Briefsendungen stellte das Unternehmen zum Jahreswechsel das Zustellen von Briefen ein. Dies wurde durch die Postgesetzgebung vom 1. Januar 2024 möglich, die Postnord von der bisherigen Beförderungspflicht entbindet. 

„Es ist, wie es ist. Ich habe es ja bereits eine Zeit lang gewusst. Und da es sich nicht ändern lässt, bin ich froh, dass ich meinen Vertrag als Postbeamter habe“, sagt der 63-jährige Clausen.

Von Postnord bezieht er drei Jahre lang sein Gehalt, obgleich er nicht mehr arbeitet. Während dieser Periode mit Wartestands-Bezügen (rådighedsløn) muss er formell verfügbar sein.

„Theoretisch könnte ich eingesetzt werden. Sie haben mich aber nicht umplatzieren können, da meine Dienststelle nur 40 Kilometer von Tondern entfernt sein darf“, so Clausen, der im Januar 64 wird. Zudem war für ihn klar, dass er dann auch zugunsten jüngerer Kolleginnen und Kollegen aufhören wollte.

Postnord sei gegenwärtig der größte Zusteller von Paketen. „Diese Position werden sie wohl im Wettstreit mit Dao und GLS ausbauen wollen. Das sei ihnen erlaubt. Es wird aber ohne mich passieren“, so Clausen mit einem Lachen.

Mit dem Onkel als beruflicher Wegweiser

Ob Pakete oder Briefe, Frank Clausen liefert nichts mehr (Archivfoto).

Dass er vor 46 Jahren und drei Monaten bei der dänischen Post landete, war eher dem Zufall geschuldet, als dass es seinerzeit sein Traumberuf war. 

Nach seinem Volksschulabschluss an der Ludwig-Andresen-Schule 1979 wusste der 17-jährige gebürtige Westerterper nicht so richtig, wo es beruflich für ihn langgehen sollte. Während er erstmal auf dem elterlichen Hof anpackte, inspirierte ihn ein Onkel dazu, bei der Post sein Glück zu versuchen. 

Der Onkel, der Postbote in Sonderburg (Sønderborg) war, wollte an seiner Arbeitsstelle ein gutes Wort für den jungen Clausen einlegen. Das war Frank Clausen aber zu weit ab von der Heimat. Also wurde er beim damaligen Postmeister Nielsen in Lügumkloster (Løgumkloster) vorstellig.

„Er teilte mir gleich mit, dass die Chancen nicht besonders groß waren, und verwies mich an Tondern.“ Dort stieß der junge Anwärter auf dem Moped zwar auf ein offenes Ohr, wurde aber auf das kommende Frühjahr vertröstet, wenn er das erforderliche Alter von 18 Jahren erreichen würde. 

„Ich erhielt aber bereits 14 Tage später einen Anruf, ob ich für eine Poststrecke in Tondern einspringen wollte, da der zuständige Briefträger für längere Zeit krankgeschrieben war. Frank Clausen wollte. Und somit schwang sich der junge Postmitarbeiter auf das Fahrrad, um unter anderem am Ribelandevej, Kastaniealle und benachbarten Straßen die Post auszutragen. 

„Ich war auch am Nordre Industrivej unterwegs, wo das Industriegebiet weit weniger ausgebaut war als heute“, so Frank Clausen. 

Eine Postbotin, die zu mehr als eine Kollegin wurde

Damals wusste er noch nichts davon, dass er bei der Post auch die Grundlage für sein späteres Familienglück finden würde. Die Postbotin Vivi-Ann wurde seine Ehefrau. Sie waren zudem 38 Jahre lang Kollegin und Kollege, bevor Vivi-Ann gesundheitsbedingt aufhören musste.

Frank Clausen hat während seiner langjährigen Ära bei der Post einen großen Wandel mitgemacht. Die erste morgendliche Anlaufstelle war aber stets das Posthaus an der Ecke Vestergade/Kongevej.

„Die größte Veränderung war, als das Sortieren der Briefe in den 1990er-Jahren auf eine maschinelle Lösung umgestellt wurde. Vorher habe ich die Briefe noch manuell sortiert“, veranschaulicht Clausen diesen Prozess mit gespreizten Fingern. „Wir setzten die Briefe in der richtigen Reihenfolge zwischen den Fingern, bevor wir sie in den Fächern einordneten.“

„Seinerzeit war die Wiedaustadt in 23 Distrikte eingeteilt, heute sind es neun. Früher waren wir acht Leute in Tondern auf dem Fahrrad unterwegs, gegenwärtig bin es nur ich“, so der Vater von zwei inzwischen erwachsenen Töchtern.

Freude am zwischenmenschlichen Kontakt

Vivi-Ann und Frank Clausen bildeten nicht nur beruflich ein Paar, sondern engagieren sich in ihrer Freizeit auch als Weihnachtsfrau und Weihnachtsmann (Archivfoto).

„Am besten hat mir der Schnack und der Kontakt mit den Menschen gefallen. Ich habe es immer genossen, in der Fußgängerzone unterwegs zu sein. Mit den Paketen gibt es auch viel Kundenkontakt.“

Für Frank Clausen ist es in den vielen Jahren nie aktuell gewesen, sich nach einem anderen Job umzusehen. „Es war mir auch wichtig, dass ich immer draußen war. Eine Tätigkeit im Büro oder einer Fabrik war nichts für mich“. 

Früher auf dem Land als Briefträger unterwegs zu sein, sei etwas ganz Einzigartiges gewesen. Wenn die Landwirte per Girokarte ihre Rechnungen beglichen, konnte der Postbote große Schecks in seiner Posttasche mit retour haben.

Postgeschäfte mit Kaffee und Torte

Clausen erinnert sich daran, wie eine Bauersfrau auf der Route Tüchschau/Högslund (Tyvse/Høglund) ihm auftrug, das Auto abzustellen, um eine Einzahlung entgegenzunehmen. Auf dem Hof hatte es Gäste gegeben und es gab süße Reste.

Mit den Worten: „Du siehst gesund aus“, schob die Frau ihm einen Teller mit einer halben Torte und einem Löffel hin. „Ich wusste, du bist gesund“, lautete ihre Bemerkung, als der gehorsame Postbote den Kuchen verputzt hatte.

„Sie lebt jetzt in Tondern, und wir haben oft gemeinsam über diese Episode gelacht“, erzählt er.

Wenn der Postbote hupt

Was für Frank Clausen vor vielen Jahren bei der Post auf dem Fahrrad anfing, endete auf dem Elektroroller (Archivfoto).

In Gallehuus (Gallehus) hupte Clausen, wenn er ins Dorf hineinfuhr und das Haus des alten Milchmanns passierte. Dieser winkte dann mit erhobener Hand hinter dem Fenster. 

„Wenn ich meine Runde im Dorf gemacht hatte, warteten dann dort auf dem Rückweg der Kaffee und ein belegtes Stück Weißbrot auf mich“. Frank Clausen erinnert sich gerne an die vielen lustigen Erlebnisse.

Dazu gehört auch die Geschichte von einem Schäferhund in Gallehuus, der immer ein Stückchen im Postauto mitfuhr. „Wenn ich dann die Autotür öffnete, und er mich anknurrte, wusste ich, dass die Strecke zu kurz war und nahm ihn ein Stückchen weiter mit“, so Clausen lachend.

Zwischen Handballsport und Gartenarbeit

Eine konkrete Route für sein neues Lebenskapitel hat Frank Clausen noch nicht ausgearbeitet. Seine augenzwinkernde Aussage, dass er dann Vollzeit auf dem Sofa liegen wird, kauft man dem früheren Handballspieler und Marathonläufer nicht ganz ab.  

„Die Handballsaison läuft ja noch bis April“, so Clausen, der seit vielen Jahren bei der ersten Herrenmannschaft von TM Tønder Teamleiter ist. Er könnte sich vorstellen, bei TMT noch aktiver zu werden.

„Im Frühjahr kann ich dann endlich meinen Garten richtig bestellen, oder bei anderen im Garten aushelfen; das habe ich bereits früher gemacht“. Der Bauernsohn von einst hat weiterhin gerne Erde unter den Fingernägeln, da er Gemüse anbaut. Begeisterte „Kundschaft“ im Gewächshaus von „bedstefar“ sind die fünf Enkelkinder.

Frank Clausen fährt einer neuen Zukunft entgegen (Archivfoto).

Wer weiß, vielleicht rückt er zukünftig auch werktags gemeinsam mit seiner Frau nach Fünen aus, wenn bei den Töchtern Randi in Nyborg oder Vicki in Odense bei den Enkeln Bedarf für großväterliche Unterstützung herrscht.