Leitartikel

„Die SP ergreift Partei für Nordschleswig“

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Kommunalwahl: Die Schleswigsche Partei ruft immer wieder zur Zusammenarbeit in Nordschleswig auf. Warum das kein Zufall ist, darüber schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen in seinem Leitartikel.

Folkemøde

Neu ist das eigentlich nicht. Die SP hat sich schon immer als grenzüberschreitende Partei verstanden, die versucht, die vier Kommunen in Nordschleswig und die Grenzregion enger zusammenzubinden. Bei anderen Parteien geht die Verbundenheit dagegen oft über die Parteizentrale in Kopenhagen. Bei der SP laufen die Fäden lokal in Apenrade (Aabenraa) zusammen – im Haus Nordschleswig, der Zentrale der deutschen Minderheit.

Die Interessen der Minderheit hören eben nicht an der Grenze der Kommunen auf. Daher sind Lösungen, die alle vier Kommunen in Nordschleswig mit einbeziehen, logisch und vernünftig. Zu der selbst ernannten Rolle der Schleswigschen Partei als überregionale Kraft gehören neben Visionen und Gedanken aber auch Taten. Es reichen nicht nur Worte im Parteiprogramm und eine mediale Vermarktung.

Die Strategie trägt eindeutig die Handschrift von Stephan Kleinschmidt. Der Vizebürgermeister in Sonderburg kandidiert zwar nicht mehr für die SP, steht aber Parteisekretärin Ruth Candussi als Wahlhelfer zur Seite. Aber nicht nur politisch, auch in seiner vielleicht zukünftigen Rolle als Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) ergibt der regionale Fokus Sinn. Kleinschmidt kandidiert bekanntlich im Mai 2026 für den Vorsitz und hat bisher als Einziger seine Kandidatur bekannt gegeben.

Was sich Kleinschmidt und die SP aber fragen müssen, ist, ob man mit dem regionalen Ansatz punkten – beziehungsweise Stimmen holen – kann. Zwar bezeichnen sich viele im Landesteil als überzeugte Nordschleswiger oder Nordschleswigerinnen, aber letztendlich ist den meisten wichtig, was vor der Haustür in der eigenen Kommune passiert – und nicht, wie zwischen den Kommunen zusammengearbeitet wird. Das darf man wohl als Bürgerin und Bürger erwarten, dass die Kommunen effizient arbeiten und, wenn es das erfordert, eben auch über die Grenzen der Kommunen hinweg.

Dennoch sind die Initiativen der Schleswigschen Partei ein wichtiges und richtiges Signal. Was übrigens auch die liberale Partei Venstre eingesehen hat: Auch sie hat mehr Zusammenarbeit zwischen den Venstre-Bürgermeistern und -Bürgermeisterkandidaten angekündigt. Das regionale Spielfeld, auf dem die SP bisher allein war, füllt sich also langsam, und die Zusammenarbeit in Nordschleswig ist längst kein Alleinstellungsmerkmal.

Potenzial steckt aber allemal in einer besseren Vernetzung und Kooperation zwischen den vier nordschleswigschen Kommunen, und die Themen stehen Schlange: Tourismus, Wirtschaft, Klima, Kultur – um nur einige Bereiche zu nennen. Solange soll die SP auch weiterhin Druck machen und ihre Visionen in die Öffentlichkeit tragen. An der Umsetzung müssen sich allerdings auch andere Parteien beteiligen.