Deutsche Minderheit

14 Millionen Euro aus Berlin: „Campus Apenrade“ kann gebaut werden

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Deutschen Gymnasium für Nordschleswig
Rund um das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig (DGN) wird bis 2030 der „Campus Apenrade“ entstehen.

Das Campus-Projekt in Apenrade stand zuletzt auf der Kippe. Doch jetzt ist klar: Durch einen historisch hohen Zuschuss steht dem Neubau von Kindergarten, Küche und Internat jetzt nichts mehr im Wege.

Die deutsche Minderheit kann den geplanten Campus Apenrade bauen. Aus dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages wurde in der Nacht zum Freitag bekannt, dass die deutsche Minderheit in Nordschleswig 14 Millionen Euro (rund 104,5 Millionen Kronen) für das Projekt erhält. Ein historisch einmaliger Betrag für die Minderheit, den es in der Höhe noch nie gegeben hat.

„Heute ist der gordische Knoten geplatzt“, sagt Hinrich Jürgensen gegenüber dem „Nordschleswiger“. „Die Freude ist riesengroß.“

Der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), die Dachorganisation der deutschen Minderheit, hatte am Donnerstag eine Pressemitteilung bekommen. Darin stand, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages in seiner Bereinigungssitzung, also der letzten Sitzung, bevor der Haushalt ins Parlament kommt, für das Projekt Campus Apenrade 14 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre bewilligt hat.

Kita, Internat und Küche

Damit kann das Campus-Projekt auf dem Grundstück des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) in Apenrade so gebaut werden, wie es ursprünglich mal geplant war. 

Die beiden Kindergärten in der Stadt (Jürgensgard und Margrethenweg) werden in einem neuen Gebäude zusammengelegt, eine neue gemeinsame Küche soll entstehen, und der Internatstrakt wird neu gebaut, mit dann 100 Plätzen. Das jetzige Internat ist marode. 

Außerdem entstehen derzeit zwei neue Klassenzimmer am DGN, die auch Teil des Campus-Projekts sind. Diese werden mit Mitteln aus dem dänischen Folketing finanziert. 

Voll finanziert ist das Projekt damit jedoch nicht, wie Uwe Jessen, Generalsekretär des BDN betont. „Aber das entspricht genau dem, was wir beantragt haben.“

Der Neubau, der ans Gymnasium angeschlossen wird, soll Platz bieten für ein modernisiertes Internat, einen Kindergarten, eine neue Küche samt Kantine sowie weitere Klassenräume für das DGN.

Beim BDN war man sicher, dass man den Campus für 18 Millionen Euro (134,4 Millionen Kronen) bauen kann. „Die Restfinanzierung kommt aus den neuen dänischen Mitteln. Da bekommen wir 5,1 Millionen Kronen pro Jahr vom dänischen Staat.“ Dies refinanziert die restlichen 30 Millionen Kronen mit einem zusätzlichen Darlehen. 

Projekt muss europaweit ausgeschrieben werden

Uwe Jessen und Hinrich Jürgensen
Uwe Jessen (links) und Hinrich Jürgensen haben über Jahre für das Campus-Projekt gekämpft.

„Es kann jetzt losgehen mit der Planung“, freut sich Uwe Jessen. Bis die ersten Mauersteine liegen, wird es aber noch mindestens eineinhalb Jahre dauern. „Das Projekt ist so groß, dass es in die EU-Ausschreibung muss.“ 

2030 soll der neue Campus dann stehen, so der aktuelle Planungsstand.

„Es bedeutet richtig viel“, sagt Hinrich Jürgensen. „Wir kämpfen seit mindestens fünf Jahren dafür und waren immer wieder kurz vor der Ziellinie. Dann wurde es wieder abgesetzt.“ Danach folgten der Zusammenbruch der Ampel-Koalition in Berlin, Neuwahlen und eine neue Regierungsbildung. 

„Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben“, so Jürgensen. 

Ein Besuch am vergangenen Mittwoch in Berlin sei quasi schon „die letzte Chance“ gewesen, sonst hätte man das Campus-Projekt anders machen und anders finanzieren müssen. Denn die Probleme am Internat und an den beiden Kindergärten hätten trotzdem irgendwie gelöst werden müssen.

Brief von Jesper Petersen machte Eindruck

Die ersten Gespräche seien vorige Woche wenig vielversprechend gewesen, weil der Bund 30 Milliarden Euro einsparen will und der Haushalt bereits steht. 

Die Delegation des Bundes Deutscher Nordschleswiger habe aber dennoch auf den Investitionsstau von 40 Millionen Euro in der deutschen Minderheit aufmerksam gemacht.

Außerdem hatten die BDN-Vertreter auf die Unterstützung der dänischen Regierung hingewiesen, die mittlerweile die deutsche Minderheit mit mehr als 70 Prozent finanziert, während der bundesdeutsche Anteil stetig sinkt.

Ein Missverhältnis, auf das das Folketingsmitglied Jesper Petersen (Sozialdemokratie) kürzlich in einer Rede beim Deutschen Tag der Minderheit in Tingleff aufmerksam gemacht hatte. 

Jesper Petersen, der Vorsitzender des Folketingsausschusses für die deutsche Minderheit ist, hatte außerdem einen Brief nach Berlin geschrieben – genauer gesagt an den Minderheitenbeauftragten Bernd Fabritius. 

Jesper Petersen (Soz.) mit Uwe Jessen und Hinrich Jürgensen bei einer Ortsbegehung am Campus in Apenrade

„Das hat Eindruck gemacht“, sagt Jürgensen. Dass die Finanzierung der Minderheit es in die Bereinigungssitzung geschafft habe, sei „ein Riesenerfolg“, so Jürgensen. „Wir haben selbst fast nicht dran glauben können, aber jetzt ist es geglückt.“

Ein Erfolg von vielen Beteiligten

Der Brief hat tatsächlich Wirkung gehabt.

Uwe Jessen

Es sei nicht nur ein Erfolg des neuen Folketingsausschusses, sondern von ganz vielen, sagt Uwe Jessen. So wäre der Brief von Jesper Petersen auch nicht ohne den Kopenhagener Sekretariatsleiter und BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann zustande gekommen. „Der Brief hat tatsächlich Wirkung gehabt.“

Aber auch das Vierergespann aus Hinrich Jürgensen, Bernd Søndergaard, Harro Hallmann und ihm habe immer wieder überall versucht, das Thema auf die Tagesordnung zu bringen – durch viele Gespräche mit Politikerinnen und Politikern. Kontakte seien unfassbar wichtig, sagt Jessen, sei es in Berlin, in Kiel, im dänischen Folketingsausschuss, in den Botschaften oder im Nordschleswiggremium, in dem deutsche Politikerinnen und Politiker sitzen. 

Auch die Treffen mit Außenminister Johann Wadephul und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) seien ein wichtiges Zahnrad gewesen. 

SPD-Politikerin „glücklich“

Bettina Hagedorn, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ostholstein und seit 23 Jahren Mitglied des Haushaltsausschusses, freut sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Truels Reichardt aus Nordfriesland ebenfalls über den Erfolg im Haushaltsausschuss. 

Sie selbst habe sich immer wieder für eine finanzielle Unterstützung des Projekts eingesetzt, schreibt sie in einer Pressemitteilung.

„Jetzt bin ich glücklich, dass wir der deutschen Minderheit mit einer Förderzusage von 900.000 Euro für 2026 und 13,1 Mio. Euro für die Jahre 2027 bis 2030 eine verbindliche Finanzierung für das großartige Projekt für einen modernen Bildungscampus von der Kita bis zur Internatsausbildung für die Jugend unter einem Dach zusagen können“, so Hagedorn. 

Die Zusage über 14 Millionen Euro für den Bau des Campus in Apenrade sei eine großartige Würdigung für die wichtige Arbeit der Nordschleswiger und sicherlich ein Grund zum Feiern, sagt die SPD-Politikerin.

Das ist ein Quantensprung für das deutsche Gymnasium.

Uwe Jessen

Seidler: Starkes Bekenntnis

„Das ist ein starkes Bekenntnis des Bundes für die Minderheiten im Grenzland und ein wichtiges Zukunftsprojekt für die deutsche Minderheit in Nordschleswig“, sagt Stefan Seidler vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW).

Er ist Mitglied des Haushaltsausschusses und dort Berichterstatter für das Bundesministerium des Innern, zu dem auch die Minderheitenpolitik gehört.

Um 3.56 Uhr nachts schrieb er dem „Nordschleswiger“: „So, in diesem Augenblick ist es ganz offiziell. Es sind gerade 14 Millionen Euro für den Campus Apenrade genehmigt worden. Tillykke!“

Weitere deutsche Politikerinnen und Politiker hätten sich für die Minderheit eingesetzt, so Jessen und Jürgensen.

Investitionsstau wird halbiert

„Ich sage scherzhaft: Steter Tropfen höhlt die Leber. Aber diesmal den Stein, und daraus werden jetzt Steine“, so Jürgensen. „Ich freue mich wahnsinnig für das Gymnasium, für den Deutschen Schul- und Sprachverein und für die Kindergärten in Apenrade.“

„Das ist ein Quantensprung für das deutsche Gymnasium und die Kindergärten in Apenrade“, sagt auch Jessen. Mit dem Geld wird die Hälfte des Investitionsstaus abgebaut. Das gebe auch ein wenig Hoffnung für die Zukunft.

Kein Einfluss auf Schließungspläne

Auf die geplanten Schließungspläne der Kindergärten und Schulen in Rapstedt (Ravsted) und Lunden haben die Millionen aus Berlin zunächst keinen Einfluss, da es sich um projektbezogene Mittel für den Campus Apenrade handelt, so Uwe Jessen, der neben seiner Rolle als BDN-Generalsekretär derzeit auch die Geschäftsführung im DSSV innehat.

Das Geld entlaste zwar die Liste des Investitionsstaus, aber nicht den laufenden Haushalt. „Da müssen wir ehrlich sein“, sagt er.

Die Zusammenlegung der Kindergärten in Apenrade werde den DSSV-Haushalt in einigen Jahren jedoch deutlich entlasten. Auch die Anmietung von Wohnungen für Praktikantinnen und Praktikanten und Studierende werde dann wegfallen. 

„Da wird es wirklich Einsparungen geben.“

Mehr Geld auch für friesische Volksgruppe

Auch die friesische Volksgruppe kann sich über einen Zuschuss freuen. Die Förderung dauerhaft um 220.000 Euro pro Jahr ab 2026 auf 590.000 Euro anzuheben, wurde ebenfalls beschlossen.

Gleichzeitig ist die im Regierungsentwurf vorgesehene Kürzung der Förderung der dänischen Minderheit durch das Parlament abgewendet worden. „Einsparungen würden wichtige Strukturen bei uns kaputt machen“, betont Seidler.

Der Bund sende mit diesem Haushalt ein wichtiges Signal der Unterstützung an unsere nationalen Minderheiten und das demokratische Miteinander in unserem Land, so Seidler. 

Der Artikel wurde um 6.36 Uhr mit den Kommentaren von Stefan Seilder ergänzt.