Bildung

Wunsch nach mehr alltagsrelevanten Themen im Schulunterricht

Wunsch nach mehr alltagsrelevanten Themen im Schulunterricht

Wunsch nach alltagsrelevanten Themen im Schulunterricht

Lorcan Mensing
Apenrade/Aabenraa
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Laut Schulrätin Anke Tästensen ist es wichtig, dass Lehrkräfte motivierende Unterrichtsmethoden anwenden. Foto: Volker Heesch

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Laut einer neuen Studie wünschen sich viele Kinder in Südjütland und Nordschleswig mehr alltagsrelevante Themen im Schullehrplan. DSSV-Schulrätin Anke Tästensen hat sich daher der Frage gestellt, ob Lehrkräfte der deutschen Schulen in Nordschleswig die Neugier und innere Motivation ihrer Schülerinnen und Schüler noch stärker fördern müssten.

Viele Schülerinnen und Schüler wünschen sich bezüglich der Lehrinhalte ihrer Schulfächer eine größere Relevanz für den eigenen Alltag. Dies ist zumindest das Ergebnis einer neuen landesweiten Studie von „Epinion“ und „Alinea+“. Fast Zweidrittel der befragten 0.- bis 10.-Klässlerinnen und -klässler in Südjütland und Nordschleswig gaben der Studie zufolge an, mehr darüber lernen zu wollen, wie man im zukünftigen Erwachsenenleben auf eigenen Beinen steht.

Großes Interesse an privater Finanzorganisation

Während in Südjütland und Nordschleswig unter 20 Prozent der Kinder angaben, begeistert von Mathematik- und Fremdsprachenunterricht zu sein, wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten, sich in der Schule mit der privaten Finanzorganisation auseinanderzusetzen, um zu lernen, mit dem eigenen Geld umzugehen.

Bildungskritikerinnen und -kritiker wie Richard David Precht, John Hattie oder Jesper Juul plädieren schon seit vielen Jahren für ein Aufbrechen „veralteter“ Strukturen in den Bildungssystemen. Ihnen zufolge müssen Inhalte gelehrt werden, die Kinder interessieren, um Kreativität und Leistungsbereitschaft anzuspornen. Es stellt sich die Frage, wie es im dänischen Schulsystem aussieht: Wird zu wenig Wert auf die intrinsische (innere) Motivation der Kinder gelegt? Und wie ist es an den Schulen der deutschen Minderheit?

An unseren Schulen haben die Kinder Mitspracherecht. Sie können ihre Ideen einbringen, und das tun sie auch.

Anke Tästensen, Schulrätin des DSSV

Anke Tästensen, Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV), ist ebenfalls der Meinung, dass sich Kinder an Schulen mit Themen auseinandersetzen sollten, die sie interessant finden und durch deren Lerninhalte sie die Anforderungen der zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt erfüllen können werden. Gleichzeitig ist sie davon überzeugt, dass Lehrkräfte der Minderheitenschulen bereits auf die Wünsche der Schülerinnen und Schüler eingehen und alltagsrelevante Themen im Unterricht aufgreifen.

Neue Themenbereiche in bestehenden Fächern

„Grundsätzlich finde ich es gut, Wünsche der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen und diese Themen in bestehenden Fächern unterzubringen. Das macht absolut Sinn“, meint Anke Tästensen, laut der die Verantwortung bezüglich des Erlernens, mit dem eigenen Geld haushalten zu können, aber vor allem bei den Eltern der Schülerinnen und Schüler liegt.

Viele Schülerinnen und Schüler wünschen sich, in privater Finanzorganisation unterrichtet zu werden. Foto: dpa

„Die Verantwortung, wie Kinder mit dem eigenen Geld umgehen, liegt zunächst einmal bei den Eltern. Aber auch das könnte in verschiedenen Schulfächern untergebracht werden, wenn Kinder das beispielsweise vor ihren Klassenlehrerinnen und -lehrern ansprechen. An unseren Schulen haben die Kinder Mitspracherecht. Sie können ihre Ideen einbringen, und das tun sie auch“, meint die DSSV-Schulrätin, die sich daher keine großen Sorgen macht, dass den Kindern an den deutschen Schulen in Nordschleswig bezüglich des Lehrstoffes die persönliche Relevanz und das Interesse fehlen könnten.

Lehrkräfte für motivierende Unterrichtsmethoden verantwortlich

„Wichtig ist, dass die Lehrkräfte motivierende Vorgehensweisen und Unterrichtsmethoden anwenden, damit das Fach auch spannend ist. Ich habe den Eindruck, dass das an unseren Schulen passiert“, sagt Tästensen.

Auch Projektarbeiten zu Themengebieten, die Schülerinnen und Schüler interessieren, sind an den Einrichtungen der deutschen Minderheit laut Tästensen möglich, weswegen neue Fächer derzeit nicht erforderlich seien.

„Wir sind an die dänische Schulgesetzgebung gebunden, und neue Fächer lassen sich nicht so schnell einführen, aber es macht schon Sinn, neue Themenbereiche in bestehende Fächer einzubinden. Ich bin sehr dafür, Schulentwicklung zu betreiben und finde es gut, wenn auch projektorientiert gearbeitet wird“, so die DSSV-Schulrätin.

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