Deutsche Minderheit

Nordschleswigsche Gemeinde: „Die Kosten fliegen uns weg“

Nordschleswigsche Gemeinde: „Die Kosten fliegen uns weg“

Nordschleswigsche Gemeinde: „Die Kosten fliegen uns weg“

Tingleff/Tinglev
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Bilder aus dem vergangenen Jahr begleiteten den Jahresbericht von Senior Matthias Alpen – hier die Konfirmandenfreizeit auf dem Knivsberg. Foto: Marlies Wiedenhaupt

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Es war ein Abend der Gegensätze. Sorgen bereiten der Nordschleswigschen Gemeinde die steigenden Energiekosten und die hohe Inflationsrate. Aber bei der Kirchenvertretertagung am Mittwoch war auch Vorfreude auf den 100. Geburtstag im kommenden Jahr zu spüren. Und noch viel Positives mehr.

Die bittere Pille hatten die Kirchenvertreterinnen und -vertreter direkt nach der süßen Sahnetorte zu schlucken. Im Budget für das kommende Jahr gibt es einen Unterschuss von knapp einer halben Million Kronen (489.000 Kronen). Was die Vorsitzende der Nordschleswigschen Gemeinde (NG), Mary Tarp, und Senior Matthias Alpen bereits in ihren Berichten angesprochen hatten, wurde in den Zahlen, die NG-Geschäftsführer Gerd Lorenzen präsentierte, dann konkret.

Noch gibt es Rücklagen

Doch welche Konsequenzen bringt das mit sich? „Wenn das so eintrifft, wie veranschlagt, dann können wir unseren Haushalt höchstens noch zwei Jahre mit unseren Rücklagen ausgleichen“, sagte Lorenzen dem „Nordschleswiger“ am Ende der Kirchenvertretersitzung am Mittwochabend in der Deutschen Nachschule Tingleff.

Vorsitzende Mary Tarp sprach in ihrem Tätigkeitsbericht unter anderem die Energiekosten an. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Hoffnung gebe es zwar, dass – wie in den vergangenen Jahren auch – beispielsweise mehr Mitgliedsbeiträge in die Kasse kommen, aber sicher sei das nicht. Und reichen würde das auch nicht.

Denn natürlich ist auch die Nordschleswigsche Gemeinde von der Inflation und den steigenden Energiepreisen betroffen.

„Die Kosten fliegen uns weg“, bedauerte Matthias Alpen.

Sanierungen stehen an

Sparmaßnahmen seien in absehbarer Zeit nicht ausgeschlossen. Wie in mehreren anderen Bereichen der deutschen Minderheit leide auch die NG unter einem Investitionsstau: Mehrere Gebäude müssten dringend saniert werden.

Gerd Lorenzen ist aus dem Vorstand des BDN-Ortsvereins Saxburg-Bülderup ausgetreten, bleibt dem Verein aber verbunden und möchte zu dessen Erhalt beitragen (Archivfoto). Foto: Marlies Wiedenhaupt

Da passten die anderen Themen der Kirchenvertretertagung schon besser zur Sahnetorte. Denn im Jahr 2023 feiert die Nordschleswigsche Gemeinde ihr 100-jähriges Bestehen.

„Das ist schon eine große Nummer“, sagte Matthias Alpen, der der Versammlung einige feststehende Termine nannte, wie etwa den zentralen Gottesdienst am 26. März. „Die Grundidee ist, dass das besondere Ereignis zentral und dezentral gefeiert wird.“

Außerdem soll zum Geburtstag ein Magazin erscheinen. „Darin wird es nicht um die Geschichte der NG gehen, sondern um das, was uns heute ausmacht.“ Erfreulich: „Dafür gibt es ziemlich große finanzielle Unterstützung.“

Viel Positives trotz Krise

Aus dem vergangenen Jahr konnte Alpen – trotz Krise und Corona – auch viele weitere positive Begebenheiten nennen. Darunter etwa, dass der neue Pastor Jonathan von der Hardt nun im Pfarrbezirk Süderwilstrup (Sønder Vilstrup) tätig ist, dass Kirchenvertreterin und Vorstandsmitglied Ellen Blume die Bugenhagenmedaille verliehen bekommen hat und er selbst mit einer Delegation beim Weltkirchenrat in Karlsruhe zum Beispiel über Minderheitenarbeit berichten konnte. Und vieles mehr.

Elke Hußmann ist Synodenvertreterin und in den entsprechenden Gremien unterwegs. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Themen, die über den Tellerrand hinausreichen, werden stets auch auf der Synode der Nordkirche behandelt, die Matthias Alpen zusammen mit der Synodenvertreterin der NG, Elke Hußmann, besucht.

Lob, das der Senior der NG für viele Veranstaltungen aus dem Berichtsjahr bereithielt und das er auch seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern in der Nordschleswigschen Gemeinde aussprach, bekam er prompt zurück.

Kirchenvertreterin Andrea Kunsemüller: „Matthias, du machst genau die Friedensarbeit, die wir hier brauchen. Und wir brauchen die Erfahrung, dass Grenzen mehr verbinden als trennen.“

Mit dem Begriff Friedensarbeit habe der Senior in einer vor zwei Jahren erschienenen Broschüre „dem Kind einen Namen gegeben“. Denn es habe ja durchaus Zeiten gegeben, in denen die Minderheit vor allem mit ihrer Nazivergangenheit in Verbindung gebracht wurde, so Kunsemüller gegenüber dem „Nordschleswiger“.

In der deutschen Minderheit aufgewachsen

Gut unterhalten hatte eingangs Marion Knutz-Kempendorf (Autorenname Marion Elly Knutz) die Versammlung, indem die gebürtige Nordschleswigerin mehrere Abschnitte aus ihrem jüngst erschienenen Buch „Zwischenwelten – Eine Kindheit in Nordschleswig“ vorlas. Darin beschreibt sie in drei Erzählsträngen – Kindheit in Hadersleben, Aufbruch nach Schweden und Aufbruch zum Studium nach Kiel –, wie es sich für sie anfühlte, in der deutschen Minderheit in Dänemark aufgewachsen zu sein.

„Ich bin ein ängstliches Kind gewesen, und ich habe dieses Buch geschrieben, um zu versuchen zu verstehen, warum das so war“, gestand Marion Knutz-Kempendorf den rund 50 Anwesenden. Die Autorin war auch keine Unbekannte in der Nordschleswigschen Gemeinde, denn sie hatte das Pastoren-Ehepaar Cramer während dessen dreimonatigen Sabbaticals im Tingleffer Pastorat vertreten.
Das Buch ist in der Geschäftsstelle der Nordschleswigschen Gemeinde in Tingleff erhältlich.

Marion Knutz-Kempendorf las aus ihrem jüngst erschienenen Buch „Zwischenwelten – Eine Kindheit in Nordschleswig“. Foto: Marlies Wiedenhaupt
 
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