Rechtsstreit

Landwirte strengen Verfahren gegen Umweltministerium an

Landwirte strengen Verfahren gegen Umweltministerium an

Landwirte strengen Verfahren gegen Umweltministerium an

Paul Sehstedt
Sommerstedt/Sommersted
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Der gänzjährige Anbau von Weizen wäre sinnvoll und schont die Umwelt, meint Jens Peter Aggesen, Vorsitzender von ‚Agerskovgruppen‘, die gegen Ungereimtheiten in der Landwirtschaftspolitik kämpft. Foto: Paul Sehstedt

Die „Agerskovgruppen“ protestiert gegen den Zwischenfrüchtezwang, weil er den Bauern Verluste in Höhe von 3.500 Kronen pro Hektar bringt.

Die Stickstoffausleitung der Landwirtschaft sind der Politik, den Naturorganisationen und dem Umweltministerium ein Dorn im Auge. Daher müssen die Landwirte nach der jährlichen Ernte die Felder mit Zwischenfrüchten einsäen, um Stickstoff in den Früchten zu binden. Die Zwischenfrüchte wie zum Beispiel Raps dürfen nicht geerntet werden. Gegen diesen Unsinn protestiert die Bauern, die sich 2011 in der ‚Agerskovgruppen‘ zusammenschlossen haben, um Ungereimtheiten in der Landwirtschaftpolitik aufzudecken. Sie haben außerdem ein Verfahren gegen das Umweltministerium angestrengt.

Wirtschaftlicher Unsinn

„Die Idee mit den Zwischenfrüchten (efterafgrøder) ist wirtschaftlicher Unsinn“, erklärt Jens Peter Aggesen, Vorsitzender der Gruppe und Landwirt aus Sommerstedt. „Stattdessen müssen wir Weizen anbauen, damit die Felder auch über den Winter hinweg grün bleiben. Das ist besser für die Umwelt und die Biodiversität und verursacht keine finanziellen Einbußen. Der Anbau von Zwischenfrüchten verringert den Weizenertrag und die Folge ist, dass die Landwirte Weizen aus dem Ausland importieren müssen, um ausreichend Futter für ihre Schweinezucht zu haben.“

„Habt ihr Berechnungen vorgenommen, die die Verluste belegen?“

„Wir haben ein umfangreiches Zahlenmaterial erstellen lassen“, informiert Aggesen. „Als Grundlage haben wir die Betriebe von 25 Mitgliedern genommen. Der durchschnittliche Verlust beläuft sich auf 3.500 Kronen pro Hektar. SEGES hat unsere Berechnungen bestätigt“ (SEGES ist eine Beratungseinheit der Landwirtschaftsorganisation ‚Landbrug & Fødevarer. Anm. d. Red.).

Jens Peter Aggesen betreibt zusammen mit seinem Sohn eine penizillinfreie Schweinezucht und bewirtschaftet rund 450 Hektar Agrarfläche. Die Auflage des Umweltministeriums zwingt sie dazu, auf 150 Hektar Zwischenfrüchte anzubauen. Der Verlust beträgt 420.000 Kronen.

Ministerium verstößt gegen EU-Regeln

„Die Landwirtschaftsorganisationen sind bei den Verhandlungen nicht ganz wach gewesen“, bemängelt Aggesen. „Aber das Ministerium hat sich nicht an die EU-Verordnungen gehalten, die die Erstellung von Konsequenzberechnungen verlangt. Hinzu kommt, dass wir die Zwischensaat bis zum 20. August ausbringen sollen, also Mitten in der Ernte. Das ist völlig verrückt. In Dänemark werden die EU-Verordnungen übereifrig umgesetzt. Unsere Gruppe tritt dafür ein, dass die EU-Bestimmungen eingehalten werden, aber nicht so, dass die Landwirtschaft dadurch behindert wird.“

Kommunen sind Umweltsünder

„Großes Thema ist die Stickstoffauswaschung von den Agrarflächen in die Gewässer und Meere. Hat die Landwirtschaft nicht eine Verantwortung für die Reinhaltung der Natur?“

„Das belastete Badewasser, giftige Blaualgen und gefährliche Bakterien kommen von den ungeklärten kommunalen Abwässereinleitungen, die jährlichen 50 Millionen Kubikmeter ausmachen“, erläutert Jens Peter Aggesen. „Diese Einleitungen stammen von übergelaufenen Kläranlagen. Über 4.000 öffentliche Überläufe leiten Stickstoff und Phosphor direkt in die maritime Umwelt ein. Unsere Zahlen stammen vom Abwässerfachmann Knud Jeppesen aus Jelling.“

„Greift der Staat gegen diese Umweltverschmutzung ein?“

„Der Umweltminister ignoriert diese Einleitungen und schiebt die Verantwortung für die Belastung der Landwirtschaft zu“, sagt Aggesen. „Gleichzeitig schickt er die Rechnung nach dem Verursacherprinzip an die Landwirte und zwingt sie zum Anbau der Zwischenfrüchte.“

„Würde das Umweltministerium gegen die kommunalen Einleitungen von ungereinigten Abwässern einschreiten und die Stickstoffbelastung nicht der Landwirtschaft anlasten, dann wäre der Anbau von Zwischenfrüchten überflüssig?“

„Im Großen und Ganzen ja“, bestätigt Aggesen. „Könnten wir Weizen anbauen, wären wir noch umweltfreundlicher.“

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