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In den Storchennestern in Jeising und Uberg tut sich etwas

In den Storchennestern in Jeising und Uberg tut sich etwas

In den Storchennestern in Jeising und Uberg tut sich etwas

Jeising/Uberg
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Im Nest in Jeising gibt es mehrere Jungen. Foto: Henning Andresen

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Storchenfachmann Mogens Lange geht davon aus, dass es in Jeising drei Junge gibt. In Uberg deutet das Verhaltensmuster der unerfahrenen Eltern auch auf Nachwuchs hin.

Nach einer Zwangspause von 26 Jahren gab es 2022 erstmals wieder in der Kommune Tondern lebensfähigen Storchennachwuchs – und zwar in Jeising.

Und dort gibt es auch anno 2023 Küken, wie von Storchenwirt Henning Andresen zu erfahren ist. „Wir sind ganz sicher, dass es zwei Junge gibt. Sie sind mittlerweile deutlich zu sehen“, sagt er.

Mogens Lange, zweiter Vorsitzender von storkene.dk, meint, dass es vermutlich drei, vielleicht sogar vier sind.

Einen Tag später hat auch Henning Andresen Gewissheit, da er mit der Kamera drei Jungen einfängt.

Mehrere missglückte Versuche

Eine kleine Rückblende: Zuletzt hatte ein Storchenpaar 1996 in Ruttebüll (Rudbøl) Erfolg mit seinem Nachwuchs. 2006 missglückte es, da die Küken verhungerten. Das Storchennest im Grenzort war zuletzt 2007 von einem Einzelgänger bewohnt.

2011 versuchte ein Storchenpaar vergeblich sein Familienglück im vorgeschichtlichen Freizeitpark in Hjemstedt (Hjemsted) bei Scherrebek (Skærbæk). Diese Jungen kamen ebenfalls wegen Futtermangels ums Leben, wie beim Verein storkene.dk nachzulesen ist.

Die Anzahl der Jungen steht nicht genau fest, da diese im Wechsel ihren Schnabel aus dem Nest hochstrecken. Foto: Henning Andresen

Neues Jahr, neuer Partner

Im vergangenen Jahr brütete das Storchenpaar Annika und Alfred vier Jungen in Jeising aus. Ein Küken verstarb noch im Nest.

Ein Jungstorch (Freddy Fey) kam später in Marokko ums Leben. Annika hat in Schmedagger (Smedager) eine berühmte Vergangenheit, wo sie 2020 nach dem Tod ihres Partners Tommy aus dem Nest vertrieben wurde. 2021 hatten Annika und Alfred ihr Domizil in Renz (Rens).

Bei ihrer zweiten Saison in Jeising sorgt Annika jedoch gemeinsam mit ihrem neuen Partner Clyde für Nachwuchs. Dabei ging es anfangs turbulent zu.

Clyde ließ sich nach einer kurzen Stippvisite in Schmedagger in Jeising mit einer neuen Angebeteten nieder. Als Annika Mitte April ankam, wurde mit den Eiern der jungen Nebenbuhlerin aus Deutschland kurzer Prozess gemacht.

Die vertriebene Rivalin suchte sich jedoch Uberg für ihr neues Glück aus und brütet dort mit einem neuen Partner.

Die drei Jungstörche in der Abenddämmerung Foto: Henning Andresen

Adebar machte viele Jahre um Uberg einen Bogen

Damit hat sie in dem Örtchen ein neues Storchen-Kapitel aufgeschlagen, da es dort das erste Storchenpaar ist, seit die Zählungen 1952 angefangen haben. Ungenutzte Wohnmöglichkeiten gab es seit den 1970er-Jahren mit einem Storchennest, das durch eine private Initiative errichtet wurde.

Auch der Horst der Storchengilde Tønder Storkelaug wartete 14 Jahre auf Störche. 1992 hatte sich ein einzelnes Exemplar in der Kolonie der Fischreiher bei dem Hof Bjerremark in Uberg eingenistet. Auf dem Gefängnis in Tondern gab es zuletzt 1984 ein Storchenpaar ohne Nachwuchs.

Drei Wochen alter Nachwuchs

Henning Andresen berichtet, dass die Jungen jetzt ungefähr drei Wochen alt sind. „Wenn die Landwirte im Umfeld wie heute das Gras gemäht haben, holen sich die Störche Würmer und Käfer.“

Durch die künstliche Beregnung sei es auch feucht. Die Störche würden weder von der Beregnungsmaschine noch vom Trecker abgeschreckt werden.

Der Storch lässt sich von der Landmaschine nicht stören. Foto: Henning Andresen

„Derzeit füttern wir nur kleine Fische zu, da die Störche das Essen wieder für die Jungen heraufwürgen, die nur kleine Dinge essen können. Was die Jungen nicht nehmen, essen die Eltern ein zweites Mal“, so Andresens Beobachtungen.

Die Eltern würden sich in der Regel beim Futterholen ablösen. Auch auf der benachbarten Golfbahn begeben sich die langbeinigen Vögel auf Futtersuche.

Clyde nicht so gesellig wie sein Vorgänger

Andresen freut sich schon auf das Heranwachsen des Nachwuchses. „Dann wird es lustig“, sagt er. Er hatte 2021 gemeinsam mit seiner Frau Eva und Allan Knudsgaard die Initiative zum Bau des Storchennestes ergriffen, die damals noch etwas belächelt wurde.

Alfreds Nachfolger Clyde sei kaum so gesellig. „Alfred ging viel auf der Straße herum, kam durch die Hecke zu uns und saß auch auf dem Dach“, berichtet er.

Annika und Clyde würden sich etwas mehr zurückhalten und unter sich bleiben. Der Verein storkene.dk vermutet, dass Alfred, der nicht aus dem Süden zurückgekehrt ist, gestorben ist.

„Sie sind sich sicher, dass er sonst sein altes Nest aufgesucht hätte“, so Andresen.

Das Storchenpaar ließ sich Mitte April in Uberg nieder (Archivfoto). Foto: Eivor Rosenquist

Auch Küken in Uberg

In Uberg, wo sich Störche und Hase auf dem Feld nicht nur gute Nacht, sondern auch guten Tag sagen, ist indes noch etwas Geduld angesagt. Kleine Schnäbelchen sind noch nicht sichtbar.

„Wir wissen nicht, wie viele Jungen es gibt. In eineinhalb bis zwei Wochen wissen wir mehr. Es gibt aber Indikatoren am Verhalten der Eltern im Nest, die dafür sprechen“, berichtet Mogens Lange.

Ein Storchenkenner habe vor einigen Tagen beobachtet, wie die Eltern Reste des an die vermuteten Jungen ausgespuckte Essen vom Boden des Nestes aufgefressen hätten.

Der Hase hat in Uberg mit der Absperrung nichts am Hut. Foto: Monika Thomsen

Die junge Störchin aus Tinningstedt habe 2022 keinen Erfolg mit Nachwuchs gehabt. Nun hoffen die Storchenfreunde, dass es in Uberg für sie und ihren unbekannten Partner gut geht. An ihrem Verhalten sei abzulesen, dass es sich um ein unerfahrenes Paar handelt, so Mogens Lange.

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