Gesundheit

Die Kommune Tondern ist in Jütland „Spitzenreiter“ im Rauchen

Kommune Tondern ist in Jütland „Spitzenreiter“ im Rauchen

Kommune Tondern ist in Jütland „Spitzenreiter“ im Rauchen

Tondern/Tønder
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In der Kommune Tondern wird zu viel geraucht. Foto: lilartsy/Unsplash.com

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Die Kommune will nun auch unter anderem Unternehmen und Unterrichtsstätten dazu auffordern, rauchfrei zu werden. Tondern liegt auf dem zweiten Platz der Raucherstatistik in der Region Süddänemark.

Im Tonderner Rathaus, an den kommunalen Schulen oder Kindergärten ist es schon seit einigen Jahren nicht gestattet, in Gebäuden oder auf dem Grundstück zu rauchen. Seit August 2020 dürfen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an Schulen für Jugendausbildungen keine Zigarette oder eine Pfeife in der Schulzeit anzünden. Und das Rauchverbot könnte sich auf alle kommunalen Arbeitsplätze ausbreiten.

Tondern auf traurigem Spitzenplatz

Denn die Statistik zeigt, dass zu viele Menschen in der Kommune Tondern vom Tabak abhängig sind. In der Region Süddänemark liegt die Westküstenkommune trotz eines prozentualen Rückgangs (von 2017 bis 2021 von 20,1 Prozent der Einwohnerschaft auf 18,3 Prozent) und gemessen an ihrer Einwohnerzahl auf dem zweiten Platz in der Raucherstatistik. Tondern wird nur von der Insel Ærø übertroffen. In ganz Jütland gibt es in der Kommune Tondern sogar die meisten Nikotinabhängigen.

Sozioökonomische Gründe

Bei der Ursachenforschung spielen sozioökonomische Faktoren eine Rolle. Die Bürgerinnen und Bürger der Kommune haben einen kaum so hohen Ausbildungsstand wie anderswo. Sie sind nicht so gesund wie ihre Landsleute und sind früher auf die Hilfe der öffentlichen Hand angewiesen, was höhere Kosten verursacht. Mehrkosten entstehen auch durch mehr Fehltage am Arbeitsplatz mit einem Produktionsverlust zur Folge.

Die Rauchenden müssen früher in Rente gehen und sterben acht bis zehn Jahre früher als Nichtraucher oder Menschen, die das Qualmen aufgegeben haben. Es ist auch erwiesen, dass mehr Arbeitslose rauchen als berufstätige Menschen.

    Die Grundpfeiler der Antirauchpolitik

    • Durch die Gründung von Partnerschaften im öffentlichen, privaten und ehrenamtlichen Sektor (in Zusammenarbeit mit Vereinen) sollen rauchfreie Zonen geschaffen werden.
    • Raucherinnen und Raucher soll mit Kursen geholfen werden, vom Tabak loszukommen.
    • Vorbeugende Maßnahmen.

    Daher sagt die Kommune Tondern dem Tabak einen härteren Kampf an. Private Unternehmen, Sportstätten, Schulen, an denen Jugendliche unterrichtet werden, und vielleicht auch der Einzelhandel, Cafés, Diskotheken oder Wirtshäuser sollen für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, wie die Kommune auch rauchfreie Zonen einzurichten. Spielplätze, Strände und Freizeitstätten könnten weitere Bereiche sein. An allen kommunalen Arbeitsplätzen könnte ein Rauchverbot eingeführt werden.

    Vorbild Skanderborg

    Als Vorbild könnte Tondern die Kommune Skanderborg dienen. Dort werden jährlich 1,5 Millionen Kronen investiert, damit ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Rauchen aufhören. So viele Menschen wie nirgendwo anders im Land haben dort an Rauchstoppkursen teilgenommen. Heute rauchen dort 10,8 Prozent der 64.000 Einwohnerinnen und Einwohner. In Tondern ist ein Rückgang von 2017 von 20,1 Prozent auf 18,3 Prozent im vergangenen Jahr verzeichnet worden. Die sinkende Tendenz fällt aber geringer aus als in den anderen Kommunen. Tondern investiert 262.000 Kronen. Damit werden primär Rauchstoppkurse in Apotheken bezahlt.

    Zuschuss vom Staat

    Seit 2015 gelang es, die Anzahl der Teilnehmenden beträchtlich zu steigern. In den neun Jahren vorher nahmen durchschnittlich 78 Bürgerinnen und Bürger teil. Von 2015 bis 2017 waren es 167, was einer Steigerung von 114 Prozent entspricht. Ein Plus von 315 Prozent wurde sogar im Zeitraum von 2014 und 2015 verzeichnet, als die Teilnehmerzahl von 33 auf 149 stieg.

    Dieser Erfolg ist vermutlich auf einen Zuschuss in Höhe von 1.800 Kronen zurückzuführen, den die staatliche Gesundheitsbehörde Kettenraucherinnen und Kettenrauchern, die mehr als 15 Zigaretten täglich rauchten, für Medizin gegen ihre Sucht oder Nikotinprodukte zahlte. Die Tendenz ist seit der Corona-Jahre rückläufig in Tondern und im ganzen Land, was auf die Restriktionen und Lockdowns zurückgeführt werden könnte.

    Die Zahl der Teilnehmenden sinkt auch landesweit. Foto: Kommune Tondern

    Von 2018 bis 2021 nahmen im Durchschnitt 2,9 Prozent der Nikotinabhängigen an Rauchstoppkursen teil. Sie trugen dazu bei, den Anteil der Rauchenden in diesem Zeitraum um 2,2 Prozent zu reduzieren. Ziel ist es, 2025 auf 17,5 Prozent zu kommen, fünf Jahre später sollen dann noch 15,5 Prozent der Einwohnerschaft rauchen. Ziel der Kommune soll sein, dass 5 Prozent der Raucherinnen und Raucher an diesen Kursen teilnehmen.

    Die frühere Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Irene Holk Lund, hatte seit Jahren vergeblich versucht, gegen die Tabakabhängigkeit der Menschen vorzugehen. Die politischen Anläufe scheiterten, vielleicht auch, weil es im früheren Stadtrat mehr Raucher gab als bei den jetzigen Abgeordneten.

      Die Prognose für die Jahre 2010 bis 2030 Foto: Kommune Tondern

      Ein vorbeugender Einsatz soll bei Jugendlichen unternommen werden, die zu anderen nikotinhaltigen Produkten (Kautabak, Schnupftabak, Nikotinbeutelchen, die längere Zeit im Mund liegen, oder E-Zigaretten greifen. Das Problem ist in jüngster Zeit stark gestiegen. Doch auch diese Rauschmittel sind gefährlich. Etwa Nikotinpäckchen lange im Mund zu haben, kann zu krebserzeugenden Substanzen führen und kann die Ursache für Bauchspeicheldrüsenkrebs, Mundhöhlenkrebs und Speiseröhrenkrebs sein.

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