Deutsche Minderheit

Minderheitenvergangenheit: Das große Wühlen hat begonnen

Minderheitenvergangenheit: Das große Wühlen hat begonnen

Minderheitenvergangenheit: Das große Wühlen hat begonnen

Odense
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Jon Thulstrup hat mit seinen Forschungen begonnen. Foto: Privat

Jon Thulstrup hat seine Forschungsarbeit Anfang des Monats begonnen – und bittet alle deutschen Nordschleswiger um Mithilfe.

Jon Thulstrup hat damit begonnen, sich durch die Vergangenheit der deutschen Nordschleswiger zu wühlen. Anfang Februar hat er eine dreijährige Forschungsarbeit aufgenommen, an deren Ende seine Doktorarbeit stehen soll. Das Ziel: die Geschichte der deutschen Minderheit in den 1930er und 1940er Jahren aufarbeiten.

Dazu ruft er alle Minderheitsangehörigen auf, ihm zu helfen: „Wer alte Materialien, Aufzeichnungen, Tagebücher, Protokolle, persönliche Berichte oder einfach nur lose aufgeschriebene Gedanken aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges hat, die sich auf die deutsche Minderheit beziehen, darf mir diese gerne zukommen lassen. Das würde mir bei meiner Arbeit enorm helfen“, so Thulstrup.

Alles sei wichtig, sagt er. Bevor jemand darüber nachdenke, irgendetwas wegzuwerfen, solle er sich bitte melden, so sein Appell.

Schlechte Quellenlage

Ein besonderes Augenmerk will er bei seinen Forschungen auf die Elterngeneration legen, also auf diejenigen, deren Söhne damals in den Krieg zogen.

„Über diese Generation ist bis heute nur wenig bekannt, vor allem auch, weil die Quellenlage sehr dünn ist. Wie haben die Angehörigen der deutschen Minderheit damals gedacht, wie haben sie gehandelt und wie haben sie zum Beispiel den Kriegsbeginn damals aufgefasst und bewertet. Es gibt viele unbeantwortete Fragen, denen ich nachgehen möchte. Ich hoffe, dass mich die Minderheitsangehörigen dabei unterstützen – und vielleicht noch einmal ihre Dachböden und Keller durchstöbern“, so der Doktorrand.

Jon Thulstrup hofft, dass er mithilfe der Minderheitenangehörigen seine leeren Regale bald mit reichlich Quellenmaterial füllen kann. Foto: Privat

Wer entsprechendes Material bei sich zu Hause findet, kann sich telefonisch unter 65 50 39 50 oder per E-Mail „jonthul@sdu.dk“ melden oder dieses bei Thore Naujeck im Generalsekretariat des Bundes Deutscher Nordschleswiger abgeben.

BDN mit der Personalie hochzufrieden

Thulstrups Doktorandenstelle wird gemeinsam vom BDN und der Süddänischen Universität als Stipendium finanziert.

Der Dachverband der deutschen Minderheit in Nordschleswig hält große Stücke auf Jon Thulstrup: „Wir sind sehr zufrieden damit, dass wir die Stelle mit Jon besetzen konnten. Er bringt durch sein Geschichts- und Deutschstudium eine große fachliche Qualifikation mit und kennt sich, da er selbst aus der Minderheit stammt, mit dieser aus“, sagt BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann.

Minderheitenmitglied forscht über Minderheit

Dass es zu Gefühls- oder Interessenskonflikten kommen könnte, wenn nun ein Minderheitenmitglied die zum Teil heikle NS-Vergangenheit der Minderheit aufarbeitet, glaubt Hallmann nicht. „Ich denke nicht, dass es da Probleme geben wird. Die Stelle ist bewusst an der SDU in Odense angesiedelt. Wir werden keinen Einfluss auf die Arbeit haben – und ich glaube auch nicht, dass es für Jon irgendein Problem darstellt“, so der Kommunikationschef. Vielmehr setzen er und die anderen BDN-Mitglieder große Hoffnungen in die Arbeit des 30-Jährigen.

„Das Ziel ist es, den Knivsberg zu einem historischen Lernort zu machen. Was das genau bedeutet und wie wir dies am besten machen, das erhoffen wir durch eine gründliche, unabhängige und wissenschaftliche Untersuchung, die am Ende auch dementsprechende Ergebnisse bringt, herauszufinden“, so Harro Hallmann.

Wer mehr über Jon Thulstrups Forschungsarbeit erfahren und mit ihm über diese diskutieren möchte, bekommt am Sonnabend, 28. März, ab 9.30 Uhr auf dem Knivsberg die Gelegenheit dazu. Dann wird der Doktorand sein Projekt vorstellen.

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